Aus Frauenfelder Sicht liegt die Lösung auf dem Präsentierteller: Ein Neubau für das Historische Museum Thurgau zentral auf dem Oberen Mätteli

Stadt, Bürgergemeinde, die beiden Schulgemeinden und verschiedene Kantonsräte wollen das Historische Museum in Frauenfeld halten.

Mathias Frei
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Sie wagen einen Blick in Frauenfelds Zukunft: SP-Kantonsrätin Sonja Wiesmann, Schulpräsident und SVP-Kantonsrat Andreas Wirth, CVP-Kantonsrätin Katharina Bünter, Stadtpräsident Anders Stokholm, Stadtrat Andreas Elliker, Bürgerpräsident Titus Moser und Stadtbaumeister Christof Helbling.

Sie wagen einen Blick in Frauenfelds Zukunft: SP-Kantonsrätin Sonja Wiesmann, Schulpräsident und SVP-Kantonsrat Andreas Wirth, CVP-Kantonsrätin Katharina Bünter, Stadtpräsident Anders Stokholm, Stadtrat Andreas Elliker, Bürgerpräsident Titus Moser und Stadtbaumeister Christof Helbling.

(Bild: Donato Caspari)

Alles andere als ein Entscheid für Frauenfeld würde auf grosses Unverständnis stossen. Diese Haltung steht hinter der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag im Staatsarchiv zum Museumsstandort Frauenfeld. Diesen Frühling will der Kanton über den zukünftigen Standort des Historischen Museums Thurgau informieren. Oberthurgauer Protagonisten erheben laut und öffentlich Anspruch auf das Museum. Dazu liess sich der Frauenfelds Stadtpräsident Anders Stokholm schon zitieren:

«Die Lautstärke der Oberthurgauer kann ein Indiz sein, dass ihre Argumente nicht gleich gut sind.»

Erreichbarkeit spricht für Frauenfeld

«Das Obere Mätteli ist die beste Adresse in Frauenfeld – und im Kanton Thurgau», sagt Christof Helbling, Leiter des Amts für Hochbau und Stadtplanung. Das geplante Museumsgebäude soll zirka 20 Meter hoch werden. Es handelt sich um einen Neubau mit einer Geschossfläche von 5000 Quadratmetern, verteilt auf fünf Etagen. Dieses Volumen würde zahlreiche Möglichkeiten für eine optimale Raumgestaltung bieten: für Dauer- und Sonderausstellungen sowie das Schaudepot.

Die Resultate des städtebaulichen Wettbewerbs, der in Zusammenarbeit von Stadt, Kanton und Bund entstanden sei, wurden im November 2016 öffentlich. Das Siegerprojekt «all day long» stammt von Park Architekten (Zürich). In diesem Zusammenhang habe sich gezeigt, dass auf dem Oberen Mätteli verschiedenste Bedürfnisse untergebracht werden könnten. «Während im Westteil die katholische Stadtkirche den Abschluss der Altstadt und sozusagen der klerikalen Welt bilden würde», sagt Helbling «würde das Museumsgebäude im Ostteil beim Schweizerhofkreisel sozusagen den Abschluss der weltlichen Welt bilden.»

Adresse mit Strahlkraft über die Kantonsgrenzen hinaus

Stadtrat Andreas Elliker, Vorsteher des Departements für Bau und Verkehr, hebt die gute Erreichbarkeit des Standorts hervor. Hierfür wurde ein Vergleich zwischen den Standorten in Arbon und Frauenfeld ausgearbeitet. «Mit dem Auto erreicht man den Museumsstandort in Frauenfelder aus sämtlichen 80 Gemeinden des Kantons innert 45 Minuten», sagt Elliker. Dagegen dauere eine Fahrt nach Arbon aus gewissen Gemeinden über eine Stunde.

Eine noch deutlichere Sprache sprechen die Zahlen, die den öffentlichen Verkehr betreffen. Die Anfahrt nach Frauenfeld dauert im Höchstfall zwischen 61 und 75 Minuten, nach Arbon können es dagegen über 90 Minuten sein. Vom Bahnhof Frauenfeld sei das geplante Museumsgebäude nur 200 Meter entfernt und dadurch bequem zu Fuss erreichbar. «Gerade in Zeiten der Klimadebatte sehen wir das als klaren Standortvorteil», sagt Elliker. Hinzu komme, dass der Standort in Frauenfeld dank seiner grossen Strahlkraft auch über die Kantonsgrenzen hinaus wahrgenommen werde.


Rahel Haag


Nun hat der Frauenfelder Stadtrat in Zusammenarbeit mit der Bürgergemeinde sowie unterstützt von beiden Schulgemeinden und Vertretern aus dem Grossen Rat aufgezeigt, was es dem Kanton bei der räumlichen Weiterentwicklung des Historischen Museums bieten kann. Schulpräsident und SVP-Kantonsrat Andreas Wirth sagt:

«Es ist wichtig, dass der Kanton weiss, was wir wollen und was wir bieten können.»

Nämlich die schon seit dem städtebaulichen Wettbewerb zur Stadtkaserne von November 2016 bekannte Möglichkeit eines Museumsneubaus auf dem Oberen Mätteli. Stadtbaumeister Christof Helbling spricht von einer Frucht, die der Kanton nur noch pflücken müsste. «Kantonsbaumeister Erol Doguoglu sass damals ja auch in der Wettbewerbsjury.»

So könnte dereinst das Obere Mätteli mit dem Museumsneubau (Mitte) aussehen. Rechts das Staatsarchiv, links der Ersatzneubau für die P+R-Halle.

So könnte dereinst das Obere Mätteli mit dem Museumsneubau (Mitte) aussehen. Rechts das Staatsarchiv, links der Ersatzneubau für die P+R-Halle.

(Bild: PD/Matthias Gnehm)

Zwei Vorstösse im Gemeinde zum Historischen Museum

Das Historische Museum Thurgau stand in den vergangenen Jahren schon verschiedentlich auf der Traktandenliste des Frauenfelder Stadtrats. So war die Standortfrage in zwei Vorstössen im Gemeinderat 2016 (Kurt Sieber, SVP) und 2017 (Monika Landert, SP) Thema. Der Stadtrat sprach sich dabei stets für den Verbleib des Museums aus. «Die Standortfrage dauert aber bereits seit 2011 an», sagt Stokholm an der Pressekonferenz. Noch unter alt Stadtammann Parolari habe man einer Arbeitsgruppe zu diesem Thema angehört.


Präsident der Bürgergemeinde: «Wir finden eine Lösung»

Die Bürgergemeinde Frauenfeld, Eigentümerin des Oberen Mätteli, will Hand bieten. Das macht deren Präsident Titus Moser erneut deutlich. 2016 war er im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs Mitglied der Jury, die das Projekt «all day long» zum Sieger kürte. «Damals konnte ich mich persönlich vergewissern, dass der Standort die Ansprüche dieser ausserordentlichen Nutzung erfüllt.» Grundsätzlich spüre er auch das Wohlwollen der Bürger bezüglich des Projekts. «Die ältere Generation pocht ja beinahe darauf, dass das Historische Museum in Frauenfeld bleibt», sagt Moser.

Ob die Bürgergemeinde Frauenfeld der Stadt das Land im Baurecht abgeben oder gar verkaufen würde, ist derzeit noch unklar. «Für diesen Entscheid ist es noch zu früh», sagt Moser, «zuerst müssen wir den Entscheid des Regierungsrats abwarten.» Es wäre nicht das erste Mal, dass die Stadt Unterstützung von der Bürgergemeinde Frauenfeld erhält. Unter anderem ermöglichte sie den Bau des Regierungsgebäudes, des ersten Kantonsspitals, der Stadtkaserne und mehrerer Kindergärten.

Eine weitere Option wäre, dass es zwischen dem Kanton und der Bürgergemeinde Frauenfeld zu einem Landabtausch käme. Auf diese Weise war sie selbst 1999 zum Oberen Mätteli gekommen. Tauschpartner war damals der Bund. Auch dazu kann Moser derzeit nichts sagen. So weit sei man noch nicht in Sachen Planung. «Wir können aber sagen, dass wir definitiv eine Lösung finden werden.»

Rahel Haag

Ein Argument, das Stokholm heute ins Feld führt, ist der sogenannte Museumscluster, also die Tatsache, dass fünf der sechs kantonalen Museen sowie das Staatsarchiv in der Region Frauenfeld daheim und die entsprechende räumliche Nähe darüber hinaus Vorteile mit sich bringt.

«Der Museumscluster hat sich bewährt.»

Und er verdiene es, weiter gestärkt zu werden. «Im Sinne von ‹Stärken stärken›.» So liessen sich optimal Synergien nutzen, die Museumsarbeit professionalisieren und die Zusammenarbeit der kantonalen Museen stärken. «Was ja auch im Sinne der kantonalen Museumsstrategie ist.» Der Frauenfelder Stadtpräsident ist zudem der Meinung, dass regionalpolitische Anliegen keine Rolle spielen sollten in der Museumspolitik.

«Ich bin klar gegen das Giesskannenprinzip.»

Zudem verweist Stokholm auf die Frauenfelder Tradition, für grosse Projekte in Vorleistung zu gehen. Die Stadt hat für Planungen zum Stadtkasernenareal mittlerweile knapp 600'000 Franken aufgeworfen.

Der Museumsneubau im Projekt «all day long».

Der Museumsneubau im Projekt «all day long».

(Bild: PD/Park Architekten, Zürich)

Unterstützung bekommt der Stadtrat aus dem Grossen Rat und von den beiden Schulgemeinden. Schulpräsident Wirth sagt, gerade bei Schulklassen spiele die Erreichbarkeit eines Museums eine grosse Rolle. Eine zentralere Lage als das Obere Mätteli sei unmöglich. Weiter führt er die historische Relevanz von Frauenfeld für die Thurgauer Geschichte im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit ins Feld. «Frauenfeld war Tagsatzungsort der Alten Eidgenossenschaft.» Die Frauenfelder CVP-Kantonsrätin Katharina Bünter sagt: «Die kantonalen Museen in Frauenfeld haben sich zu wahren Publikumsmagneten entwickelt.» Das führt sie auf die gute Museumsarbeit zurück. Sonja Wiesmann, Wigoltinger Gemeindepräsidentin und SP-Kantonsrätin, sagt:

«Es braucht in Frauenfeld eine gewisse Infrastruktur, etwa Museen.»

Für Aussenstehende sei oftmals die Kantonshauptstadt Ausgangspunkt, um einen Kanton kennen zu lernen.

Schloss Frauenfeld.

Schloss Frauenfeld.

(Bild: Donato Caspari)
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