Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Aus einem Spagat wird beim abtretenden Frauenfelder Stadtrat Ruedi Huber ein aufrechter Gang

Gewonnene Abstimmungen einerseits, Krisen mit schlaflosen Nächten andererseits: Ruedi Huber erlebte als Stadtrat Hochs und Tiefs. In den vorzeitigen Ruhestand zieht es den 63-Jährigen nun aber noch nicht.
Samuel Koch
Für Ruedi Huber verbindet das Kraftwerk Zeughausbrücke und der dahinterliegende Murg-Auen-Park Technik mit Ökologie und widerspiegelt deshalb am besten seine Arbeit als Vorsteher des Departements für Werke, Freizeitanlagen und Sport. (Bild: Reto Martin)

Für Ruedi Huber verbindet das Kraftwerk Zeughausbrücke und der dahinterliegende Murg-Auen-Park Technik mit Ökologie und widerspiegelt deshalb am besten seine Arbeit als Vorsteher des Departements für Werke, Freizeitanlagen und Sport. (Bild: Reto Martin)

In seiner Stimme schwingt etwas Wehmut mit, wenn er an seine letzten Tage als Frauenfelder Stadtrat denkt. «Aber es kommt auch einer wohltuenden Entlastung gleich», sagt Ruedi Huber, der im Frühjahr nach achtjähriger Zeit als Stadtrat für die SVP nebst Christa Thorner (SP) und Urs Müller (CH) ebenfalls nicht mehr zur Wiederwahl angetreten ist.

Ab Juni trägt der 63-jährige Agronom definitiv nur noch einen Hut, nachdem er nebst dem beruflichen als Geschäftsleitungsmitglied des BBZ Arenenberg während der letzten acht Jahre auch den politischen als Stadtrat aufsetzte. «Ich gebe immer noch Schule, und derzeit läuft im Arenenberg eine grosse Sanierung an», sagt Huber. Zwar gelang ihm der Spagat dank der geografischen Distanz zwischen Frauenfeld und Salenstein gut. «In Müllheim konnte ich jeweils im Kopf einen Schalter umlegen», meint er.

«Aber in Spitzenzeiten konnte ich nicht mehr allen gerecht werden, am wenigsten mir selber.»

Gleichzeitig will Huber in der Politik einer jüngeren Generation Platz machen. «Oft war ich an Sitzungen schon der älteste», meint Huber und schmunzelt. Zudem freut sich der vierfache Vater, wieder etwas häufiger abends oder an Wochenenden zu Hause zu sein oder seinen Hobbys zu frönen.

Spätberufener aus Uesslingen

Politisch bezeichnete sich Huber immer als Spätberufener. «Politik hat mich jedoch schon immer interessiert», bereits in seinen Jugendjahren in Uesslingen. Nach dem Umzug nach Osterhalden politisierte Huber bereits zweimal im Frauenfelder Stadtparlament und engagierte sich in der Kirchenvorsteherschaft. 2011 dann folgte die Wahl in den Stadtrat als Nachfolger von Werner Dickenmann. «Ich war ein ‹Fremder› und nur wenig bekannt», sagt Huber über die für ihn doch überraschende Wahl.

Ruedi Huber während seiner Zeit als Berufsschullehrer im Arenenberg. (Bild: Ida Sandl (4.10.2005))

Ruedi Huber während seiner Zeit als Berufsschullehrer im Arenenberg. (Bild: Ida Sandl (4.10.2005))

Als Stadtrat machte er sich zunächst als Vorsteher der Abteilung Öffentliche Sicherheit mit dem Thema Nulltoleranz rund um den Bahnhofplatz einen Namen. «Dieses Ziel haben wir erreicht, auch dank guter Zusammenarbeit aller Beteiligten», sagt Huber. Als Höhepunkt in Erinnerung bleibt ihm der Murg-Auen-Park, für den er im Herbst 2011 beim Stimmvolk eine Zweidrittelmehrheit gewann.

«Ich konnte das ursprüngliche Projekt trotz Gegenwehr auch aus der eigenen Partei politikfähig machen, nachdem wir uns aufs Notwendige beschränkten.»

In der Politik benötige es halt auch immer ein Quäntchen Glück. «Im Park gab es eine gute soziale Durchmischung, weil wir ihn belebten und so auf eine angenehme Art Sicherheit gewährleisteten.»

Wärmering-Affäre als Krimi in Erinnerung

Mit dem Murg-Auen-Park verbindet Huber aber auch einen Rückschlag. Nach dem «Out in the Green Garden» 2016 monierten Anwohner und Gemeinderäte, der Park werde zweckentfremdet. «Zugunsten der organisierenden Jugendlichen haben wir zu viel riskiert, danach aber die richtigen Lehren gezogen», meint Huber. In der Retrospektive am meisten nagt Huber an der Krise rund um den Wärmering:

«Es fühlte sich an wie ein Krimi, in welchem man nicht weiss, was auf der nächsten Seite steht.»

Klar sei die Affäre für ihn eine mentale Belastung gewesen. Dass Huber deshalb schlaflose Nächte erlebte und ihm auch Rücktrittsgedanken durch den Kopf schossen, ist ein offenes Geheimnis. «Ich habe aber immer das Vertrauen gespürt», sagt er. Er sei nicht enttäuscht gewesen, dass sowohl die Lärmklagen beim Murg-Auen-Park als auch die Wärmering-Affäre zur Chefsache von Stadtpräsident Anders Stokholm wurden. «Beim Wärmering war er der einzige, der von aussen unvoreingenommen an die Sache herangehen konnte», meint Huber.

Der frischgebackene Stadtrat Ruedi Huber präsentiert das Projekt Murg-Auen-Park. (Bild: Nana do Carmo, 23. Juni 2011)

Der frischgebackene Stadtrat Ruedi Huber präsentiert das Projekt Murg-Auen-Park. (Bild: Nana do Carmo, 23. Juni 2011)

Die Werke haben Huber nebst viel Kritik aber gleichzeitig viel Lob beschert. Er meint:

«Was wir mit dem Wärmering durchmachen mussten, wurde durch einen ausgezeichneten Geschäftsgang mehr als aufgewogen.»

Jetzt übergibt er noch laufende Projekte wie die Sanierung des Hallenbades an Fabrizio Hugentobler.

Die Gesamtbilanz als Stadtrat bezeichnet Huber als stimmig: «Es war lehrreich und bereichernd.» Nebst dem Umgang mit Menschen stand für ihn immer die Umsetzung von Projekten im Fokus. Jetzt freut er sich auf mehr Freizeit, die er ohne Spagat zu Hause beim Handwerken, beim Wandern oder bald auch wieder beim Gospelsingen geniessen kann. «Und komplett im Ruhestand bin ich ja noch nicht.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.