Die Ex-Freundin in Arbon gestalkt und bedroht: Jetzt muss der 53-Jährige ins Gefängnis

Ein Italiener wurde vom Kreisgericht Arbon zu 48 Monaten Haft unbedingt und sieben Jahren Landesverweis verurteilt. Er hatte im August 2018 das Haus seiner Ex-Freundin in Arbon angezündet.

Christof Lampart
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Der Beschuldigte legte im Haus der Ex-Freundin Feuer.

Der Beschuldigte legte im Haus der Ex-Freundin Feuer.

Symbolbild: Susann Basler

Äusserlich nahm der Beschuldigte das Urteil gefasst auf. Dass der zweitägige Prozess jedoch alles andere als gewöhnlich war, brachte die Richterin klar zum Ausdruck. Der Prozess sei «aufwendig und besonders» gewesen, denn «ich habe selten erlebt, dass in einem Prozess so häufig die Unwahrheit gesagt wurde».

So habe der Mann wiederholt «widersprüchliche Aussagen» gemacht. Selbst dann noch, wenn ihn Handydaten oder Aussagen Dritter widerlegten, sodass die Richterin kommentierte:

«Wer so ein Aussageverhalten an den Tag legt, ist fürs Gericht nicht glaubwürdig.»

Einsprüche habe er so lange weitergezogen, wie sie ihn nichts gekostet hätten, und die Geständnisse dabei stets dem Ermittlungsstand angepasst. Wie aufwendig das Verfahren war, zeigte sich an den Untersuchungs-, Gerichts- und Anwaltskosten, die der Mann zu bezahlen hat: rund 145'000 Franken.

Täter verlangte 187'000 Franken

Insgesamt hatte er sich wegen diverser, teilweise mehrfach begangener Delikte zu verantworten, wobei die Brandstiftung das Schlimmste war. Von der Richterin auf den drohenden Landesverweis angesprochen, sagte der Mann:

«Ich arbeite hier, fühle mich wohl, spreche drei Sprachen und weiss nicht, was ich angestellt habe.»

Am Ende wurde er wegen Brandstiftung, Diebstahls, des Eindringens in ein Datenverarbeitungssystem, der Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs, der üblen Nachrede, des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage, des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern, der fahrlässigen Widerhandlungen gegen die Verkehrszulassungsverordnung und der fahrlässigen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration zu 48 Monaten Haft unbedingt, abzüglich der 419 Tage an Untersuchungshaft, verurteilt. Danach wird der 53-Jährige für sieben Jahre des Landes verwiesen.

Zudem wurde er zur Busse von 300 Franken und einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu 120 Franken, bedingt auf zwei Jahre, verurteilt. Die Anklage hatte 51 Monate und sieben Jahre Landesverweis gefordert, die Verteidigung verlangte im Hauptanklagepunkt einen Freispruch sowie rund 187'000 Franken an Entschädigung für U-Haft und Verdienstausfall.

Todesdrohungen und Beschädigungen

Der Angeklagte und die Privatklägerin pflegten zwischen Herbst 2017 und Juli 2018 eine Beziehung; sie hatten sich im Internet kennen gelernt. Als aus dem Safe der Frau Geld entwendet wurde, fiel der Verdacht auf den Mann, denn die Frau konnte darlegen, dass ausser dem Mann niemand vom Safe wusste.

Die Beziehung zerbrach, und der Mann begann die Frau per SMS, Telefonaten und E-Mails zu beschimpfen und zu bedrohen. Mal drohte er ihr, sie werde ihren 50. Geburtstag nicht mehr erleben, mal sandte er ihrer Arbeitgeberin ein Mail, worin er die Ex bezichtigte, einer Sekte anzugehören. Dann wieder war am neuen Wohnort der Frau die Autotür völlig zerkratzt. Auch eine Kollegin der Frau bekam eine Drohung: «Mach dir Gedanken, du bist auch die Nächste».

Für die Richterin war klar:

«Sie haben versucht, die Privatklägerin in Angst und Schrecken zu versetzen. Sie sind ein Stalker und haben sich aus Rache in etwas hineingesteigert und den sachlichen Bezug zum Ganzen offensichtlich verloren.»

«Brand in Arbon» zu früh gegoogelt

Zwar habe ihn am Brandort niemand gesehen, die Indizien sprächen jedoch eine klare Sprache. Die Verteidigerin hatte zuvor versucht, darzulegen, dass Staatsanwaltschaft, Polizei und Brandermittlungsexperte schlampig gearbeitet hätten, doch die Richterin sah dies anders: Die Ermittler hätten «sauber gearbeitet», und die gefundenen DNA-Spuren gehörten zum Beschuldigten. Auch sei sein Verhalten verdächtig gewesen, hatte er doch mitten in der Nacht, als noch niemand offiziell vom Brand wusste, Begriffe wie «Brand in Arbon», «Strafe» und «Abkommen Schweiz-Italien» im Internet recherchiert. Richterin:

«Wie kommt er dazu, nach einem Brand in Arbon zu googeln, wenn noch gar niemand von einem solchen Brand wusste – ausser jener, der diesen Brand gelegt hat?»

Auch sei er nach dem Brand nicht, wie mit der Polizei vereinbart, zur Einvernahme erschienen, sondern nach Italien geflüchtet, und er wurde erst dreieinhalb Wochen später, bei der Wiedereinreise, verhaftet. Da Brandstiftung bei Ausländern bei einem Schuldspruch mit einem Landesverweis von fünf bis 15 Jahren geahndet wird, seien die sieben Jahre «angemessen». Einen Härtefall verneinte das Gericht. Zwar habe er mit seiner jetzigen Partnerin einen kleinen Sohn, doch da er in Italien aufgewachsen sei, in Frankreich und Deutschland gelebt habe und alle Sprachen spreche, sei ihm ein Landesverweis zuzumuten. Auch gilt nach wie vor ein Kontakt- und Rayonverbot des Beschuldigten zur Privatklägerin.