Aus den Rippen von Adam: Lisa Christ eröffnet die Saison im Frauenfelder Eisenwerk

Zum Saisonstart im Eisenwerk präsentierte Bühnenpoetin Lisa Christ am Freitag ihr Programm «Ich brauche neue Schuhe».

Amina Mvidie
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Slam-Poetin Lisa Christ eröffnet die neue Saison im Frauenfelder Eisenwerk.

Slam-Poetin Lisa Christ eröffnet die neue Saison im Frauenfelder Eisenwerk.

Bild: Reto Martin

Wenn sie High Heels trägt, ist Lisa Christ knapp einen Meter neunzig gross. Doch diese zieht sie nur noch selten an, denn auch in Birkenstock lasse es sich von der «patriarchalen Seuche» genesen. Schliesslich werde auch sie älter und bequemer.

Auf der Bühne befinden sich ein Sofa, ein Schreibtisch, ein Stehtisch und ein Kunstdruck des Werkes «Adam und Eva» aus der Renaissance. Lisa Christ tritt mit einem Zeigestock in der Hand hinter dem Vorhang hervor. Sie richtet ihn auf das Kunstwerk in der Mitte der Bühne und erklärt: «Wenn Adam das Ebenbild von Gott ist, ist Gott also ein Mann, und wenn Eva aus einer Rippe von Adam entstanden ist, dann sind Frauen Teil des Mannes.» Schaue man sich nun den Sündenfall noch genauer an, könne man zusammenfassend sagen, dass die Frau schuld an allem hat. Nach ein paar Minuten lässt sie sich erschöpft auf Sofa fallen.

Schweizer Meisterin und Thurgauer Slam-Königin

Seit über zehn Jahren tritt die wortgewandte Oltnerin Lisa Christ an Poetry-Slams auf, dabei hat sie diverse Titel wie U20-Schweizer-Meisterin oder Thurgauer Slam-Königin gewonnen. Mit «Ich brauche neue Schuhe» hat sie ihr erstes abendfüllendes Kabarett- und Spoken-Word-Programm zusammengestellt. Eine Auswahl ihrer besten Texte als Slam-Poetin hat die 29-Jährige 2018 in ihrem Buch «Im wilden Fruchtfleisch der Orange» veröffentlich.

Es ist Christs erster Auftritt nach einer coronabedingten Pause von vier Monaten. Auch für das Eisenwerk-Team ist es die erste Aufführung in der neuen Saison. Der Theatersaal ist nur zur Hälfte gefüllt. Nebst den Plätzen, die aufgrund der Abstandsregelungen frei gelassen werden, blieben einige Plätze leer. «Zum Saisonstart haben wir etwas mehr Leute erwartet», gibt Petra Cambrosio von der Programmgruppe Theater des Eisenwerks zu. Lisa Christ selbst lässt sich nichts anmerken. Im Gegenteil: Es scheint fast so, als sei sie nach der langen pandemiebedienten Pause froh, nicht vor ausverkauften Rängen zu stehen. «Es ist schon eigenartig, wieder auf der Bühne zu sein. Ich freue mich, dass ich es hinter mir habe», sagt sie am Schluss der Vorstellung und schmunzelt.

Zweimal 45 Minuten dauert das Programm der Slam-Poetin und Kabarettistin. Von Feminismus über Sexismus bis hin zu Ableismus – Lisa Christ spricht über die Ismen der heutigen Zeit. Vom Wechsel von High Heels auf Birkenstock. Von der «grossen Unschärfe» zwischen 21 und 65, wenn ein Geburtstag nur noch ein Grund sei, zum Glas zu greifen, aber sonst nichts mehr Neues, Aufregendes passiere. Und vom Erwachsenwerden, das bedeute, freiwillig «Unterlibli» anzuziehen und spazieren zu gehen. «Dass ich älter werde, merke ich immer nur an den anderen», sagt sie. Damit meine sie wahrscheinlich ihre Freundinnen, die heiraten oder Kinder kriegen. Doch durch die Schwangerschaft ihrer besten Freundin habe sie auch einiges gelernt: «Unsere Mütter sind die krassesten.» Im Vergleich zu einer Schwangerschaft sei ein männlicher Orgasmus nämlich nichts. Christ sagt: «Männer leisten doch nicht die Hälfte.»

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