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Aufrüstung im Kampf um Menschenleben: Im Thurgau gibt es immer mehr Defibrillatoren

Defibrillatoren können Leben retten. Deshalb werden im Thurgau weiterhin fleissig solche Geräte angeschafft. Auch in ­Patrouillenfahrzeugen der Kantonspolizei finden sich diese Geräte. Zahlen belegen erstmals: Sie sind alles andere als Staubfänger.
Sebastian Keller
Die Kantonspolizei Thurgau setzt Defibrillatoren mehrmals pro Jahr ein. Im Jahr 2018 wurde mit 33 Einsätzen ein Rekord verzeichnet.

Die Kantonspolizei Thurgau setzt Defibrillatoren mehrmals pro Jahr ein. Im Jahr 2018 wurde mit 33 Einsätzen ein Rekord verzeichnet.

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

  • 286 Standorte von Defibrillatoren sind auf einer Liste des Rettungswesen im Thurgau verzeichnet
  • Laien können diese Geräte im Fall eines Herzstillstandes einsetzen
  • Harry Huber vom Rettungswesen Thurgau findet es sinnvoll, wenn Defis an öffentlich zugänglichen Orten angebracht werden. In diesem Bereich gibt es noch Verbesserungspotenzial
  • Die Kantonspolizei Thurgau verfügt über 60 Defibrillatoren. 33 Mal haben Polizisten diese mobilen Lebensretter im Jahr 2018 eingesetzt – so häufig wie nie zuvor

Harry Huber führt eine Liste. Auf dieser notiert der Koordinator Rettungswesen im Kanton Thurgau die Standorte von Defibrillatoren. 286 Geräte hat er mittlerweile verzeichnet. 2012 zählte er 200 Defis – so werden diese Geräte auch genannt. Das zeigt: Es findet ein weiteres Aufrüsten mit den Erste-Hilfe-Geräten statt.

Die effektive Anzahl im Kanton dürfte ohnehin höher liegen. «Es gibt keine Meldepflicht», sagt Huber. Wenn ein Unternehmen oder eine Gemeinde einen Defi anschafft, ist Huber dankbar über eine freiwillige Meldung – diese ist auch über ein Formular auf der Web­seite www.144.tg.ch möglich.

«Wenn wir wissen, wo sich die Geräte befinden, können wir im Notfall einen Ersthelfer besser unterstützen», sagt der Koordinator. Denn: Die Reaktionszeit ist bei einem Herzstillstand entscheidend – jede Sekunde, die ungenutzt verstreicht, verringert die Überlebenschancen eines Betroffenen. In der Schweiz steht das Herz jeden Tag bei 22 Personen still – hochgerechnet auf ein Jahr sind es rund 8000. Laut Weltgesundheitsorganisation ist die Herzkreislauferkrankung die häufigste Ursache für einen vorzeitigen Tod.

Defibrillatoren kommen erst nach der Herzmassage

Harry Huber findet es sinnvoll, wenn Defis an öffentlichen Orten platziert werden.

«Damit sie rund um die Uhr zugänglich sind.»

Bei allen Defibrillatoren sei es sinnvoll, mit Piktogrammen – ähnlich einem Wegweiser – auf ihren Standort hinzuweisen. In diesem Bereich gebe es noch Potenzial, sagt Huber. Er fände es gut, wenn die öffentliche Hand diesbezüglich als Vorbild vorangehen würde.

Defibrillatoren können bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand Leben retten. Das handliche Gerät gibt dosierte Stromstösse ab. Damit kann das Kammerflimmern behoben und die Herztätigkeit normalisiert werden. So beschreibt es die Suva auf einem Merkblatt. Defis, die beispielsweise im Treppenhaus hängen, sind für Laien konzipiert – schlägt das Herz normal, gibt das Gerät keine Stromstösse ab. Die Geräte sprechen. Sie geben dem Helfer akustische Anweisungen – ähnlich einem Navi im Auto. Harry Huber sagt:

«Man kann nichts falsch machen. Falsch wäre, nichts zu machen.»

Doch der Defibrillator ist im Fall eines Herzstillstandes erst die zweite Massnahme. «Zuerst muss unverzüglich mit einer Herzmassage begonnen werden», betont Huber. Diese lernen Fahrschüler im Nothilfekurs (siehe Kasten). Verschiedene Organisationen bieten spezielle Reanimationskurse an. Huber empfiehlt den Besuch eines Kurses. Dies auch, weil teilweise falsche Vorstellungen kursieren. «Die Anwendung, die man in Filmen manchmal sieht, ist nicht immer korrekt», sagt er.

Angehende Autofahrer lernen Defibrillator kennen

Wer die Autoprüfung absolvieren will, muss vorgängig einen Nothilfekurs besuchen. Seit 2011 wird im Rahmen dieses Kurses der Umgang mit Defibrillatoren thematisiert. Das hat das Bundesamt für Strassen (Astra) 2010 entschieden. Angestossen wurde diese Neuerung auch durch einen Vorstoss von SP-Nationalrätin Bea Heim (SO). Sie selber erlitt 2007 während einer Debatte einen Herzstillstand – und konnte dank eines Defis im Bundeshaus gerettet werden.

Dem Defibrillator wird während des Nothilfekurses eine kurze Sequenz gewidmet: «Eine Filmvorführung oder die Demonstration an einer Puppe bezwecken, Berührungsängste der Kursteilnehmenden abzubauen», hielt das Astra 2010 fest.

Das ist heute noch so. In einer aktuellen Weisung heisst es: Die Anwendung der Automatischen Externen Defibrillation (AED) wird im Nothilfekurs während rund zehn Minuten vorgeführt. Auf die Integration einer kompletten Ausbildung wurde bewusst verzichtet. Denn: Sonst hätte der Nothilfekurs von 10 auf 14 Stunden ausgedehnt werden müssen. Davon sah das Astra ab - auch mit der Begründung, dass es ­zwischen Strassenverkehrsunfällen und Herz-Kreislauf-Problemen keinen bedeutenden Zusammenhang gäbe. Das belegen die polizeilichen Unfallstatistiken: Herz-Kreislauf-Probleme führen nur ­selten zu Strassenverkehrsunfällen. ­Anbieter von Nothilfekursen müssen vom Bund anerkannt sein.

Wie häufig Defibrillatoren zwischen Bodensee und Hörnli eingesetzt werden, weiss Huber nicht. Noch nicht. Der Interverband für Rettungswesen hat vor rund eineinhalb Jahren damit begonnen, ein Reanimationsregister aufzubauen. In diesem werden alle präklinischen Herzkreislaufstillstände erfasst, bei denen Rettungsdienste aufgeboten werden. Dokumentiert wird die gesamte Rettungskette von der Alarmierung bis zum Spitalaustritt.

Defibrillatoren finden sich in vielen öffentlichen Gebäuden. Wie hier zum Beispiel in einer Eishalle. (Bild: Reto Martin)

Defibrillatoren finden sich in vielen öffentlichen Gebäuden. Wie hier zum Beispiel in einer Eishalle. (Bild: Reto Martin)

Damit sollen Grundlagen für die Forschung geschaffen werden. Erste Zahlen konnte der Verband bereits für eine europäische Studie liefern, wie er in einer Mitteilung schreibt. Die einzelnen Rettungsdienste sollen sich mittels Register auch mit anderen vergleichen können und daraus Verbesserungsmöglichkeiten ableiten. Oberstes Ziel ist es aber, die Qualität im ­Rettungswesen zu steigern. Oder anders formuliert: Die Zahl von plötzlichen Herztoten zu senken.

Kantonspolizei: 33 Einsätze von Defibrillatoren im Jahr 2018

In den Gebäuden der Thurgauer Kantonsverwaltung befinden sich aktuell ­ 39 Defibrillatoren. Das ist der jüngsten Ausgabe der Personalzeitschrift ­«Leuetatze» zu entnehmen. Belastet wurde der Kauf dieser Geräte dem Budget des jeweiligen Amtes.

Die Kantonspolizei Thurgau hat im Jahr 2012 rund 60 Defibrillatoren angeschafft. «Die Geräte sind in den Patrouillenfahrzeugen und einzelnen zivilen Fahrzeugen platziert», sagt Matthias Graf, Chef Mediendienst der Kantonspolizei Thurgau. Über die Einsätze der Geräte führt die Polizei Buch. «Die Defibrillatoren kommen jährlich mehrfach zum Einsatz», sagt Graf. Im vergangenen Jahr 33 Mal – was einem Rekordwert entspricht.

Die ­Anschaffung habe sich aus Sicht der ­Kantonspolizei Thurgau bewährt. «Bei einem akuten Herzstillstand oder Kreislaufzusammenbruch zählt jede Minute», sagt der Polizeisprecher.

«Mit dem Einsatz eines Defibrillators können Leben gerettet und Folgeschäden vermieden werden.»

Die korrekte Handhabung von Defibrillatoren lernen angehende Polizistinnen und Polizisten während ihrer ­Ausbildungszeit. Das bestätigt Brigitte Halter, Bereichsleiterin Finanzen und Infrastruktur an der Polizeischule Ostschweiz in Amriswil. Sie sagt: Im Zusammenhang mit der Sanitätsausbildung werde auch die Anwendung und der Umgang mit dem Defibrillator geschult – und zwar im Zentrum für Reanimations- und Simulationstraining am Kantons­spital St.Gallen.

Auch ausgebildete Polizisten kommen mit der Thematik immer wieder in Berührung. Polizeisprecher Matthias Graf sagt: «Bei der Kantonspolizei ­Thurgau werden Elemente der Ersten Hilfe – zum Beispiel Defibrillator – ­regelmässig in den Einsatztrainings ­eingebaut.»

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