«Weltreise – im Thurgau kommen Sie weiter»: Mit diesem Slogan sucht der Kanton einen Sachbearbeiter Asyl und Rückkehr

Die kantonalen Ämter müssen ihre Stelleninserate mit einem Slogan versehen. Nicht jede Kombination überzeugt. So wird ein Sachbearbeiter für Ausschaffungen mit einer Vergnügungsreise angeworben.

Thomas Wunderlin
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So sucht das Migrationsamt derzeit einen Mitarbeiter. (Bild: Olaf Kühne)

So sucht das Migrationsamt derzeit einen Mitarbeiter. (Bild: Olaf Kühne)

Das Thurgauer Forstamt sucht einen Forstingenieur; im Stelleninserat prangt der Slogan «Apfelbaum – Bäumige Aussichten für Ihre Karriere». Das Justizdepartement versieht das Stelleninserat für einen Mitarbeiter des Postdiensts mit dem Slogan «Segeltörn – Brechen Sie mit uns zu neuen Ufern auf», als ob die Departementschefin – eine passionierte Seglerin – einen Vorschoter engagieren möchte.

Weniger lustig ist das Inserat, mit dem das Migrationsamt per 1. September einen «Sachbearbeiter Asyl und Rückkehr» sucht. Zum Job gehört die «Organisation der Rückkehr von ausreisepflichtigen Personen», also Ausschaffungen. Das Stelleninserat ist auf dem kantonalen Webportal aufgeschaltet. Im Kopffeld, das mit den Farben Grün-Gelb-Blau unterlegt ist, heisst es in weisser Schrift in Grossbuchstaben: «Weltreise». Und darunter kleiner: «Im Thurgau kommen Sie weiter».

Kombination kann zynisch wirken

Der Slogan richtet sich an Stellenbewerber. Bezieht man ihn auf die abgewiesenen Asylbewerber, die der gesuchte Sachbearbeiter ausschaffen wird, kann er zynisch wirken.

Camillus Guhl, Chef des Thurgauer Migrationsamts. (Bild: Reto Martin)

Camillus Guhl, Chef des Thurgauer Migrationsamts. (Bild: Reto Martin)

Der Chef des Migrationsamts, Camillus Guhl, erkennt in der Kombination des Stelleninserats mit dem Weltreise-Slogan keinen unpassenden Nebensinn. Es gebe eine Handvoll Slogans, die zur Auswahl stünden. «Sie sollen die Stelle für Stellensuchende attraktiv machen.» Das Migrationsamt habe den Slogan «nicht bewusst in Relation zum Stelleninserat gewählt».

Gemäss Regierungsratsbeschluss von 2014 müssen die Ämter und Betriebe einen von derzeit sieben Slogans in ihren Stelleninseraten verwenden, erläutert Kay Zoller, Mitglied der Geschäftsleitung des Personalamts. Die Slogans, die als Blickfang dienen, stammen aus einem Mitarbeiterwettbewerb. Kosten fielen deshalb nur beim Inseratelayout an, das die Amriswiler Werbeagentur Quellgebiet besorgte.

Keine Kombination ausgeschlossen

Die Gestaltung der Stelleninserate war eingebettet in die Werbestrategie des Kantons Thurgau, die das Amt für Wirtschaft und Arbeit initiierte. Den kantonalen Ämtern und Betrieben steht es frei, welchen Slogan sie wählen. Laut Zoller sind keine Kombinationen ausgeschlossen.

Die Rückmeldungen der Bewerber seien «überwiegend positiv»; die Inserate würden im Blätterwald auffallen. Diskussionen gibt es über die Grösse der Inserate, wie Zoller erklärt. Der Blickfang benötige Platz, was die Inserate in Printmedien teuer mache. «Es ist möglich, dass in den Regierungsrichtlinien 2020-2024 eine Überarbeitung verlangt wird.»

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