Auf Nadeln – bis zum ersten Einsatz: Der Frauenfelder Winterdienst wäre parat, aber der Schnee lässt noch auf sich warten

Das ist eine Leistung Der 40. Winter ist Peter Langs letzter im Winterdienst der Stadt. Die Leitung hat er bereits an Reto Baumgartner übergeben.

Mathias Frei
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Der alte und der neue Winterdienst-Chef: Peter Lang und Reto Baumgartner.

Der alte und der neue Winterdienst-Chef: Peter Lang und Reto Baumgartner.

Bild: Andrea Stalder

Jede dritte Woche im Winter kaum Schlaf: Damit muss man als Einsatzleiter beim städtischen Winterdienst klarkommen. «Schnee habe ich gerne beim Skifahren, aber den Winterdienst werde ich nicht vermissen», meint Peter Lang. Und den normalen Schlafrhythmus habe man auch schnell wieder drin. Er macht seinen 40. Winterdienst – es wird sein letzter sein. Denn er geht im Februar 2021 in Pension.

Lang ist aber nicht nur langjähriger Einsatzleiter, einer von dreien beim städtischen Werkhof, sondern auch seit 15 Jahren Chef des Winterdienstes. Er hat in den vergangenen 39 Jahren schon alles erlebt, vom verfrühten Wintereinbruch im Oktober – «Da mussten wir uns ziemlich schnell einsatzbereit machen» – bis zu Schnee und Eis im April.

Lang hat die Leitung des Winterdienstes an Reto Baumgartner übergeben, wirkt sein letztes Jahr noch als Einsatzleiter. Baumgartner arbeitet seit 2008 beim Werkhof.

«Angefangen habe ich mit Schneeschaufeln.»

Den Winter hat damit erstmals der neue Chef vorbereitet. Das braucht jeweils etwa zwei Monate Vorlaufzeit. Einsatzbereitschaft besteht dann ab Anfang November. Die Einsatzstatistik für den Winter 2019/20 ist aber noch jungfräulich. «Gab noch nichts Zählbares», sagt Baumgartner.

Im Lindenpark: Der städtische Winterdienst sorgt auch für schneefreie Fuss- und Velowege.

Im Lindenpark: Der städtische Winterdienst sorgt auch für schneefreie Fuss- und Velowege.

Bild: Andrea Stalder

Früher wartete man daheim neben dem Telefon

Lang kann es dank jahrelanger Erfahrung mit Schnee und Eis. «Wenn ich nachts für eine Kontrollfahrt aufstehe, weiss ich oft schon beim Verlassen des Hauses, wie der Einsatz aufgestellt sein muss.» Gleichwohl verlasse er sich letztlich nur auf die Beurteilung der Strassenverhältnisse vor Ort. In den letzten Jahren seien aber viele technische Hilfsmittel hinzugekommen, die gute Dienste leisten würden, seien es immer bessere Wetterprognosen oder auch Bodensensoren. Und natürlich das Handy.

«Auf Pikett wartete man früher daheim neben dem Telefon auf den Anruf.»

Demgegenüber sei aber auch der administrative Aufwand gestiegen. Irgendwann werde es wohl so sein, dass man zu jeder Zeit weiss, wer mit welchem Fahrzeug wo wie viel Salz streut, sagt Lang.

Es sei nicht so, dass man sehnlichst die Nachteinsätze (im Volleinsatz mit 30 Mann) erwarte, sagt Baumgartner. «Aber bis zum ersten Einsatz im Winter ist man schon ein wenig auf Nadeln», ergänzt Lang. Danach wisse man, dass alles funktioniert.

Höhenunterschiede machen es kompliziert

Baumgartner ist froh, dass Lang noch einen letzten Winter als Einsatzleiter macht. «Peter gibt mir Sicherheit», sagt der neue Chef. Denn er weiss, dass Frauenfeld für den Winterdienst kein einfaches Pflaster ist. Die 150 Kilometer Strassen sowie 200 Kilometer Fuss- und Velowege, die es zu bewirtschaften gilt, liegen zwischen 400 und über 600 Höhenmetern.

«600 Meter ist die magische Grenze.»

Das sagt Lang. In der Stadt unten können die Strassen sauber sein, während es über 600 Metern spiegelglatt ist.

Schneeräumung in Frauenfeld.

Schneeräumung in Frauenfeld.

Bild: Nana Do Carmo (17.Dezember 2010)

In einem durchschnittlichen Winter verbraucht der Werkhof jeweils 250 bis 300 Tonnen Salz. In den Silos lagern aktuell 220 Tonnen. Heutzutage seien Nachbestellungen im Winter kein Problem. «Die Rheinsalinen könnten unser Lager innert einer Woche vollmachen», sagt Lang. Das sei vor fünf Jahren noch anders gewesen. Was sich zudem geändert habe, seien die Ansprüche der Leute.

«Früher wäre es einem doch nicht in den Sinn gekommen, auszurufen, weil die Strasse für einmal erst um 6 Uhr schwarz ist.»

An dieser Erwartungshaltung der Bevölkerung trage der Winterdienst eine Mitschuld, sagt Lang. «Weil wir einen so hohen Standard haben.»

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