Auf einen Most mit Anni und Marie am Frauenfelder Herbst- und Erntefest

Das Frauenfelder Herbst- und Erntefest zählte dieses Jahr weniger Besucher. Umso bewusster feierten sie. Bei der Wahl zum besten Thurgauer Chutney gewann das Produkt des einzigen männlichen Teilnehmers.

Evi Biedermann
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Ein junger Besucher probiert am Herbst- und Erntefest einen von mehreren Apfelsäften.

Ein junger Besucher probiert am Herbst- und Erntefest einen von mehreren Apfelsäften.

Bild: Reto Martin

Es scheint, als hätten alle darauf gewartet, nach monatelangen Entbehrungen endlich wieder gemeinsam ein Fest zu feiern. Und offensichtlich wurden die Erwartungen erfüllt, mit denen die Menschen am Samstag in die Frauenfelder Altstadt kamen. «Wie schön, dass ihr au do sind», hörte man immer wieder am diesjährigen Herbst- und Erntefest.

Der Besucherstrom war nicht so gross wie in früheren Jahren, und entsprechend den pandemiebedingten Vorschriften gab es auch weniger Stände und Sitzgelegenheiten. Einen Platz fand man aber immer zum Sitzen und Plaudern. Wichtig war dabei weniger das Gespräch, sondern die geteilte Freude über diesen strahlenden Spätsommertag.

Käse und Weine sind prominent vertreten

Einer von mehreren Käseständen.

Einer von mehreren Käseständen.

Bild: Reto Martin

An den Ständen konnten regionale Produkte aus der Ostschweiz degustiert werden. Prominent vertreten waren Käse und die Weine aus dem Seebachtal, gefolgt von Säften aus Äpfeln, Gewürzen, Konfis und Süssem. Vieles kannte man von anderen Märkten, verführen liess man sich jedoch gerne wieder vom einen oder anderen Erzeugnis.

Probieren konnten die Besucher auch eine Auswahl von Chutneys, die am Wettbewerb von Agro Marketing Thurgau teilnahmen. Die Kinder konnten an einer Kunstkuh das Melken üben, und gleich nebenan führte Werner Knöpfli vor, wie das Käsen geht.

Kinder üben an einer küntslichen Kuh das Melken.

Kinder üben an einer küntslichen Kuh das Melken.

Bild: Evi Biedermann

Apfelsäfte tragen Namen von Bäuerinnen

Ihren ersten Auftritt hatten der Bärenmost und dessen Produzent, Christoph Bär aus Opfershofen. Seine Familie stellt nicht nur sortenreinen Most aus erstklassigen und handgelesenen Äpfeln her, sondern verkauft zugleich die Geschichten dazu.

Drei der Apfelsäfte sind je einer Grossmutter, einer Grosstante und einer Ururgrossmutter gewidmet und tragen die Namen der verstorbenen Bäuerinnen: Anni, Frieda und Marie. Wie deren Charakter war, präsentiere sich auch der Most, sagt Christoph Bär, der den Betrieb in fünfter Generation führt.

Nachzulesen ist das alles auf den Etiketten der 2,5-Deziliter-Fläschli. Und während der Produzent beim Degustieren von «lieblich und süss», «solide und ausgeglichen» oder «betonter Säure» spricht, taucht man ein in die Familiengeschichte.

Bemerkenswert ist zudem ein elegantes Detail der Verpackung. Mit ihrem schwarz eingebundenen Hals erinnern die kleinen Behälter eher an Prosecco- als an Mostfläschli. Das soll dem alkoholfreien Getränk Aufwind verleihen an Festen und Feiern, sagt Bär:

«Alle sprechen von Mostindien, doch getrunken wird meistens nur der Wein.»

Das beste Chutney kommt aus Männerhand

Beim Wettbewerb von Agro Marketing wurde erstmals nicht die beste Thurgauer Konfi, sondern das beste Chutney gesucht. 18 Kreationen sind eingegangen. Zehn schafften es durch Vorauswahl der Jury in die Endrunde und wurden am Herbst- und Erntefest dem Publikum präsentiert. Neun Chutneys wurden von Frauen produziert, das Siegerprodukt jedoch stammt von einem Mann: Jan Keller aus Berg kreierte ein Zwetschgen-Chutney.

Den zweiten Platz belegt Helga Maurer aus Diessenhofen mit einem Chutney aus roten und grünen Tomaten. Beide haben wohl nicht mit einem Podestplatz gerechnet, waren sie doch nicht anwesend. Den dritten Rang holte sich das Kürbis-Chutney von Ursula Hagen aus Müllheim, die ihren Preis – einen 100-Franken-Gutschein für «Goldene Kreuz» – strahlend entgegennahm. (bie)

Am Herbst- und Erntefest in Frauenfeld wurden die besten Thurgauer Chutneys. Auf dem Bild sind einige der Produzenten, welche es mit ihrer Kreation unter die zehn Besten geschafft haben. Im Hintergrund: Heinz Scheidegger von der Kartause Ittingen, welche den Hauptpreis gesponsert hat.

Am Herbst- und Erntefest in Frauenfeld wurden die besten Thurgauer Chutneys. Auf dem Bild sind einige der Produzenten, welche es mit ihrer Kreation unter die zehn Besten geschafft haben. Im Hintergrund: Heinz Scheidegger von der Kartause Ittingen, welche den Hauptpreis gesponsert hat.

Bild: Reto Martin
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