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Adriano Zinnà hat den Traumberuf Fahrzeugbetreuer im Autobau in Romanshorn.

Adriano Zinnà hat den Traumberuf Fahrzeugbetreuer im Autobau in Romanshorn.

Auf Du und Du mit den Ferraris

Ein Traum mit Benzingeruch: Adriano Zinnà betreut die millionenschwere private Autosammlung von Fredy Lienhard in Romanshorn. Er hält die Boliden in Schuss und führt sie regelmässig auf den Asphalt aus.
Text: Silvan Meile, Bilder: Reto Martin

Adriano Zinnà stellt den Feuerlöscher griffbereit vor sich auf den Boden. «Sicher ist sicher.» Der Mechaniker öffnet die Motorhaube des Ford Mustangs und beugt sich über das Herzstück des Oldtimers aus den 60ern. Die amerikanische Autolegende schnurrt im Leergang. Mit einer Taschenlampe leuchtet Adriano, der sofort das Du anbietet, die dunklen Ecken des Motors aus. Er prüft, ob eine Stelle undicht ist, ob irgendwo Flüssigkeit ausläuft. «Es könnte schnell gehen und der Motor fängt Feuer.» Adrianos Stimme tönt unter der Motorhaube hervor. Gebraucht hat er den Feuerlöscher noch nie. «Aber eben: Sicher ist sicher.»

Batterie und Reifendruck sind geprüft. Später kommt jemand den Mustang abholen. Dieses Cabriolet hat schon einige Paare zur Trauung gefahren. Mieten kann man ihn nicht. Sein Chef sage ihm, wenn er ein Auto bereitstellen soll, erzählt Adriano.

Jedes Auto fährt pro Jahr mindestens eine Tankfüllung weit

Der Thurgauer mit italienischen Wurzeln lebt seinen Traum. «Fahrzeugbetreuer», heisst er auf der Visitenkarte. Dieser Job ist einmalig. Adriano betreut die millionenteure private Autosammlung von Fredy Lienhard, dem einstigen Rennfahrer und ehemaligen Lista-Chef. Dafür brauche es Leidenschaft. «Ich bin ein Autofanatiker», sagt der 40-Jährige. Sein Arbeitsplatz wird seiner Faszination gerecht. Nicht weniger als hundert auserlesene Autos stehen im denkmalgeschützten Industriebau in Romanshorn auf mehreren Etagen. Wo die eidgenössische Zollverwaltung einst Alkohol einlagerte, gibt heute Benzin den Takt an.

Adrianos Arbeitsplatz ist ein Museum, die Autobau Erlebniswelt. «Weltweit einmalig», wie er sagt. So viele verschiedene Marken und Modelle unterschiedlichster Auto-Epochen sehe man sonst kaum unter einem Dach. Das mache seinen Job so einmalig. Hier ist ausgestellt, was Fredy Lienhard gefällt, was er sich über die Jahre angeschafft hat. Deshalb sind in der Autobau Erlebniswelt Sportwagen von Ferrari, Porsche gegenüber Luxuskarossen von Aston Martin oder Monteverdi abgestellt. Raritäten parkieren Stossstange an Stosstange neben Oldtimern, etwa eines von weltweit nur 17 Exemplaren des Supersportwagens Vector W8 neben einem glänzenden Döschwo. Amerikanische Muscle-Cars stehen Jaguar-Raritäten aus den 50er Jahren gegenüber. Soeben ist eine Besuchergruppe aus Vorarlberg mit dem Car angereist. Ein Guide führt sie durch die Ausstellung. Die Autofans können sich kaum sattsehen.

Diese Fahrzeuge sind aber nicht alleine dazu verurteilt, Museumsstücke zu sein. Auch ihnen gehört der Asphalt. «Jedes dieser Autos ist in einem tadellosen und originalen Zustand», sagt Adriano. Zündschlüssel umdrehen und losfahren. Sie alle sind vorgeführt, dürfen auf die Strasse. Sie müssen sogar. «Jedes Auto wird pro Jahr mindestens eine Tankfüllung weit gefahren», sagt der Fahrzeugbetreuer. Das ist der Aspekt, der den Job dieses Autofanatikers so grossartig macht. Die Autos auszufahren sei das schönste, die Belohnung. «Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen», sagt Adriano. Und auch von Fredy Lienhard junior, Geschäftsführer des Autobaus, gibt es nur lobende Worte: «Einen solchen Mitarbeiter kann man sich nur wünschen.»

Jeden Morgen streichelt er die Autos

Nicht immer drehte sich bei Adriano alles ums Auto. Einst träumte der gebürtige Amriswiler von einer Karriere in den grossen Fussballstadien. Und er hat diesen Traum auch gelebt. «Ich bestritt im Nachwuchs 17 Länderspiele für die Schweizer Nationalmannschaft», sagt er und zeigt auf seinem Handy ein Telegramm des Schweizer Fussballverbands. Die U-17 auf der Schützenwiese Winterthur gegen Bolivien, Adriano Zinnà in der Startaufstellung. Auch in der ersten Mannschaft des FC St. Gallens sei er zu Einsätzen gekommen. «Doch Talent alleine reicht nicht», sagt er. Auch Rückschläge gehörten dazu. Auf den linken Arm hat er sich einen Rosenkranz tätowieren lassen. «Damit der Herrgott mir hilft.»

«Der ‹La-Ferrari› ist der Star. Viele wollen einfach mal einsteigen.»

Doch dann wendet er sich ab. Lieber spricht er über Autos, etwa über den Ferrari «La Ferrari». Wie jedes andere Auto hier fährt er auch diesen Rennboliden regelmässig aus. Es ist der Star der Ausstellung. 800 PS, 12 Zylinder, Hybridantrieb, mehrere Millionen Franken teuer. «Viele Besucher wollen in dieses Fahrzeug einsteigen.» Einige dürfen. Auch eine Besonderheit im Autobau. Es gibt keine Abschrankung. Näher an die Fahrzeuge zu kommen, geht nicht. Das hinterlässt aber auch Spuren, innen und aussen.

Heute geht der einstige linke Aussenverteidiger täglich als Fahrzeugbetreuer durch die Ausstellung, schaut zum Rechten. «Jeden Morgen streiche ich über jedes Auto, beseitige die Fingerabdrücke», sagt Adriano. Ein Kratzer würde ihm auffallen. Und bei jedem Boliden weiss er, wo genau die Blechschale unter den Wagen geschoben werden muss, um Öl-Tropfen aufzufangen. «Die älteren Modelle seichen alle, das ist normal. Auch die Dichtungen sind original.» Regelmässig lädt er die Batterien, damit die Autos auch sofort anspringen. «Ich will die Autos mit gutem Gewissen rausgeben können, mir sicher sein: Der läuft.» Adriano ist auch Hauswart, Techniker und Chauffeur.

Nur ausfahren, nicht angeben

«Zum Vorstellungsgespräch musste ich einen Strafregisterauszug mitbringen.» Abermillionen liegen in seiner Verantwortung. Ob es bei ihm schon mal geblitzt habe, sei er gefragt worden. «Das ist mir zwar wirklich schon passiert. Aber nicht schlimm. Das Billett musste ich noch nie abgeben.» Und ihm wurde noch etwas ans Herzen gelegt: «Man muss die Autos zwar ausfahren, darf mit ihnen aber nicht angeben.» Dann klingelt das Telefon im Täschchen am Hosengurt. Wie so oft. Adriano muss noch helfen, Stehtische für einen Apéro in den Empfangsraum bringen. Die nächste Führung ist bereits im Anmarsch. Bis zu fünf Gruppen bestaunen pro Tag Lienhards Autos. Das geht nur auf Voranmeldung.

Schon wieder ein Anruf. Der Fahrzeugbetreuer wird in der Werkstatt gebraucht, danach im Bürogebäude. «Mein Schrittzähler zählte schon mehr als 24000 Schritte täglich», sagt er. Keine Aufgabe ist ihm zu viel. Adriano ist sich für nichts zu schade. Denn er kennt die Belohnung, die er sich abholen kann. Er wird sie alle ausfahren können. Jedes einzelne Auto eine ganze Tankfüllung lang. Die Leute am Strassenrand werden stehen bleiben und ihm nachschauen. Einen besseren Job kann er sich nicht vorstellen.

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