Auf die Frühjahrstrockenheit folgte der Regen – doch die Wasserspeicher in der Ostschweiz sind noch immer nicht aufgefüllt

Das Trockenheitsrisiko in den Ostschweizer Kantonen ist vorerst gebannt. Doch trotz der Regenfälle in den vergangenen Wochen führen die kleineren Flüsse immer noch wenig Wasser. Fachleute betonen: Um die Speicher aufzufüllen, ist ergiebiger Dauerregen notwendig.

Sebastian Keller
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Die Murg im Bereich des Frauenfelder Murg-Auen-Parks.

Die Murg im Bereich des Frauenfelder Murg-Auen-Parks.

Bild: Sebastian Keller (23. Juni 2020)

Nach Wochen im Ständer war der Regenschirm in den vergangenen Tagen wieder ein beliebteres Accessoire. Seit Anfang Monat haben einzelne Messstellen im Thurgau fast jeden Tag Regen aufgezeichnet. Anders im März und April. «Die Ostschweiz wartet auf einen Dauerregen», titelte diese Zeitung Mitte April. Doch das Wasserdargebot – also die Gesamtheit des verfügbaren Oberflächenwassers – ist trotz des ersehnten Regens immer noch im Status «gering».

Das dürfte an den immer noch unterdurchschnittlichen Pegelständen der kleineren Fliessgewässer liegen. Bei der Murg in Frauenfeld liegt er derzeit im Bereich von 5 bis 25 Prozent des langjährigen Tagesmittelwerts; gleiches gilt für den Giessen bei Amlikon und die Lauche bei Affeltrangen.

Der niederschlagsarme Winter wirkt sich aus

Ulrich Göttelmann von der Thurgauer Abteilung Wasserbau und Hydrometrie sagt: «Wir haben generell ein geringes Wasserdargebot seit letztem Winter.» Wegen des niederschlagsarmen Winters habe keine Auffüllung der Speicher stattgefunden.

Und der Regen der vergangenen Wochen? Bei kleineren Flüssen führte der Niederschlag zwar zu einem kurzzeitigen Pegelanstieg. «Aber das Wasser fliesst auch relativ rasch wieder ab», sagt der Hydrologe. Besser erholen konnten sich Bodensee und Thur. Göttelmann sagt:

«Im östlichen Teil des Einzugsgebietes der Thur ist mehr Regen gefallen als allgemein im Thurgau.»

Somit seien die Pegel des Flusses höher. Derzeit liegen sie im Bereich von 25 bis 75 Prozent des langjährigen Tagesmittelwertes, bei 5 bis 25 Prozent waren sie im Januar.

Im Thurgau beobachtet ein Fachstab die Situation rund um die Trockenheit. Auf Anfrage, welche Themen diesen beschäftigen, sagt Mirjam Fonti vom Informationsdienst: «Grundsätzlich alle Themen rund um Landwirtschaft, Wald, Gewässer, Fischerei und Trockenheit und Gesundheit.» Die Waldbrandgefahr stufen Fachleute derzeit als gering ein. Das gilt für die ganze Ostschweiz.

Der Rhein hat ein Hoch

Im Kanton St.Gallen führen vor allem kleinere Fliessgewässer der Region Wil – Uze, Brübach und Rindalbach – nach wie vor der Jahreszeit entsprechend tiefere Wasserstände. Besser präsentiert sich die Situation bei Sitter und Thur. Der Pegel des Rheins bei Diepoldsau ist im Bereich 75 bis 95 Prozent des langjährigen Tagesmittelwertes.

Silja Kempf, Fachbereichsleiterin Hydrometrie im St.Galler Amt für Wasser und Energie, sagt: «Wir sind im jährlichen Normalbereich.» Tendenziell sehe es besser aus als 2018 zur selben Zeit. «Aber uns fehlt ein nasses Zwischenjahr». Um die Speicher nachhaltig aufzufüllen, sei ergiebiger Dauerregen notwendig.

«Aber auch nicht zu viel aufs Mal, sonst kann der Boden ihn nicht aufnehmen.»

Doch alarmierend sei die Lage nicht. «Das Trockenheitsrisiko ist im Moment gering.» Ein entsprechendes Bulletin pausiert seit dem 11. Mai. «Das nächste Bulletin erscheint, sobald eine längere Trockenperiode auftreten sollte», heisst es auf der Website.