Den Hüttwilern den Puls gefühlt

An einem Infoanlass am Montagabend stellte Sebastian Frenzel vom Verein Energiefachleute Thurgau das Projekt «2000-Watt-Gemeinden Kanton Thurgau» vor. Im Frühjahr 2019 startet die vierte Staffel, und die Gemeinde wird dabei sein.

Christine Luley
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Der Wegweiser zeigt Zutaten und die Distanz zum jeweiligen Herstellungsstandort. (Bild: Christine Luley)

Der Wegweiser zeigt Zutaten und die Distanz zum jeweiligen Herstellungsstandort. (Bild: Christine Luley)

«Wir stehen nicht schlecht da», sagte Hanspeter Zehner am Infoabend. Der Gemeindepräsident freute sich über den ersten Platz, den die Gemeinde Hüttwilen am Minergie-Rating in Bern erreicht hatte. Handlungsbedarf gebe es dennoch.

«Energie in unserer Gemeinde» war ein Schwerpunkt am vorjährigen Hüttwiler-Strategieworkshop. Eine achtköpfige Arbeitsgruppe hatte sich intensiv mit dem komplexen Thema auseinandergesetzt und stellte ihre Erkenntnisse dar. «Wir wollen sehen, was für uns realistisch ist», sagte Zehnder.

Sebastian Frenzel vom Verein Energiefachleute Thurgau stellte das Projekt «2000-Watt-Gemeinden Kanton Thurgau» vor. Das Ziel ist eine Senkung des Energiebedarfs und eine massive Reduktion der CO2-Emissionen. Pro Person und Jahr soll maximal eine Tonne CO2 ausgestossen werden, statt neun Tonnen. So sei es möglich, den globalen Treibhausgasausstoss zu senken und die Klimaerwärmung bei zwei Grad zu stoppen, erklärte Frenzel.

Das Projekt ist auf zwei Jahre beschränkt, gemäss Gemeinderat Andreas Wieland belaufen sich die Kosten für Hüttwilen auf 50'000 Franken. Der Kanton bietet Unterstützung an und beteiligt sich mit 30'000 Franken.

Man kann, muss aber nicht

Gemeinderat Wieland fasste die Ausführungen zusammen. Eine professionelle Begleitung biete der Gemeinde eine Energiebilanz über alle Bereiche. Ein umfassender Bericht mit Massnahme-Empfehlungen zeige Möglichkeiten eines Absenkungspfades auf. Es geht darum, weitere Massnahmen zu definieren. Es bestehe keine Verpflichtung zur 2000-Watt-Gesellschaft. Wieland sagte:

«In allem was wir tun, konsumieren und essen, steckt Energie: Mobilität, Wohnen und die Benutzung der Infrastruktur belastet unser Energiekonto.»

Was sind 2000 Watt, mit denen jeder Einzelne auskommen sollte? Experte Frenzel erklärte es am Beispiel eines Staubsaugers. Ist er eine Stunde im Einsatz verbraucht er zwei Kilowattstunden (kWh). Bei einer Laufzeit von 8750 Stunden, was einem Jahr entspricht, wäre der Verbrauch 17'500 kWh.

In der Mehrzweckhalle waren auf sechs Tafeln Absenkungsmöglichkeiten zu Schwerpunkten aufgezeichnet. Die Besucher ergänzten mit Vorschlägen. So könnte sich jemand im Bereich Infrastruktur eine Genossenschaft für Solarstrom vorstellen.

Der von der Gemeinde offerierte Energieapéro lieferte sinnlich erlebbare Weiterbildung. Mit einer Auflistung der Zutaten des Produktes und der Distanz zum Herstellungsstandort. Dann wurde den Teilnehmern der Puls gefühlt. «Das Resultat der Umfrage zur Teilnahme am 2000-Watt-Förderungsprojekt war knapper als erhofft, aber es ist eindeutig: 34 Ja zu 22 Nein», sagte Wieland.

Schon einige Thurgauer Gemeinden sind auf Kurs

ETH Forscher entwickelten 1994 die Idee der 2000-Watt-Gesellschaft: Mit der Vision, dass alle Länder pro Person einen Energieverbrauch von nicht mehr als 2000 Watt anstreben sollten. Ein herausforderndes Ziel, denn der Gesamtverbrauch in der Schweiz liegt im Schnitt bei 6500 Watt. 1960 lag der Verbrauch bei 2000 Watt. Im Thurgau haben sich in verschiedenen Staffeln die folgenden Gemeinden schon beteiligt und setzen verschiedene Massnahmen um: Amriswil, Affeltrangen, Diessenhofen Gachnang Hohentannen Roggwil, Steckborn, Tobel-Tägerschen, Wilen, Wuppenau und Zihlschlacht-Sitterdorf. (clu)