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Ehemaliger Aadorfer Fussballjunior pfeift ab März in der Challenge League

Nico Gianforte hat den Karriereschritt zum Spitzenschiedsrichter gemacht: Voraussichtlich im kommenden März wird er sein erstes Spiel in der Challenge League leiten.
Kurt Lichtensteiger
Schiedsrichter Nico Gianforte posiert vor dem Clubhaus des SC Aadorf. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Schiedsrichter Nico Gianforte posiert vor dem Clubhaus des SC Aadorf. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Das Jahr 2019 hat für die Aadorfer Sportwelt vielversprechend begonnen: Die beim SC Aadorf gross gewordenen Fussballer Joel Untersee und Noah Blasucci haben bei Super-League-Vereinen einen Vertrag erhalten. Der eine beim FC Zürich, der andere beim FC Sion. Und die Aadorfer SRF-Sportmoderatorin Annette Fetscherin ist neuerdings das Aushängeschild bei der Fernsehsendung «sportaktuell».

In die Reihe der Aufgestiegenen, die in und über Sportlerkreisen hinaus Bekanntheit erlangen, darf zweifellos auch der 25-jährige Fussball-Schiedsrichter Nico Gianforte zählen. Nicht unerwartet gehört er zu den jüngsten Spitzenschiedsrichtern im Kader der Swiss Football League (SFL).

«Ich musste wegen Ausschreitungen ein Spiel in der 5. Liga abbrechen, was auch noch ein Polizeiaufgebot auf den Platz rief.»

Die erste Aufgabe im Profi-Fussball, nämlich die Leitung eines Challenge-League-Spiels, steht kurz bevor. Die Qualifikation hierfür ist ihm aber beileibe nicht in den Schoss gefallen. Sie ist das Ergebnis einer beharrlichen Fokussierung auf die verantwortungs- und anspruchsvolle Tätigkeit.

Anfangs ein dreitägiger Grundkurs

Nico Gianforte spielte von den F- bis hin zu den A-Junioren beim SC Aadorf. So wie seine zwei jüngeren Brüder. «Mit 15 Jahren wollte ich aber den Fussball von einer anderen Sichtweise kennen lernen, nämlicher jener des Schiedsrichters», sagt er. «Der Besuch eines dreitägigen Grundkurses sollte mir als Referee neue Perspektiven eröffnen, ohne ganz auf den Umgang mit dem Ball verzichten zu müssen.»

Positive Beurteilung von Inspizienten, die gute Kameradschaft unter Schiedsrichterkollegen und die Freude an der Spielleitung bestärkten ihn in der Folge auf dem eingeschlagenen Weg. «Dermassen, dass ich Saison für Saison eine Liga höher stieg und dadurch den wichtigen Übertritt vom Ostschweizer Fussballverband zum Schweizerischen Fussballverband machen konnte», freut sich Nico Gianforte. Die Kritiken von seinem Vater Lucio nahm er gerne entgegen, zumal sich dessen Analysen kaum von jenen der Inspizienten abhoben. Je höher die Liga war, desto mehr wurde er von renommierten Coaches inspiziert und betreut, meist gar bei jedem zweiten Match.

Läuft 14 Kilometer pro Spiel

Mit 25 Jahren für den Studenten an der ZHAW eine beachtliche Karriere, die zudem für seine Nebentätigkeit allerlei voraussetzt: Es ist nicht damit getan, einfach die 17 Regeln aus dem 130-seitigen Regelbuch auswendig zu lernen. Aber selbst darin ist Sattelfestigkeit unabdingbar und in Tests immer wieder unter Beweis zu stellen. Dies gilt auch für seine körperliche Verfassung. Schliesslich legt er pro Spiel bis zu 14 Kilometer zurück – und hier gehört er unter seinesgleichen zu den Schnellsten. Eine GPS-Uhr zeichnet jeweils die Daten auf und erlaubt ihm und den Verantwortlichen, die nötigen Rückschlüsse aus der Trainingsarbeit zu ziehen.

Neben seiner Grösse von 1,85 Metern zählt er auf seine natürliche Ausstrahlung – wie auch auf genügend Selbstsicherheit, Durchsetzungsvermögen, Fingerspitzengefühl, Entscheidungsvermögen und Selbstkritik. «Am meisten kann ich mich noch im Stellungsspiel verbessern, einer Fähigkeit, in der man nie ausgelernt hat», sagt Nico Gianforte, der bodenständig geblieben scheint und auf dem Platz tatsächlich eine natürliche Autorität ausstrahlt.

Polizeieinsatz in der 5. Liga

«Mit 17 war ich drauf und dran, die Schiedsrichterpfeife an den Nagel zu hängen», blickt er zurück. «Ich musste wegen Ausschreitungen ein Spiel in der 5. Liga abbrechen, was auch noch ein Polizeiaufgebot auf den Platz rief. Es ist zwar nicht viel passiert, aber dennoch hat mich das Geschehen so aufgewühlt, dass ich eine weitere Tätigkeit in Frage stellte. Zum Glück liess ich es nicht so weit kommen.»

Lieber erinnere er sich an die bisherigen Höhepunkte: So etwa an die Aufstiegsspiele von der 1. Liga Classic in die 1. Liga Promotion, ausgetragen zwischen Münsingen und Solothurn sowie Bellinzona gegen Lausanne-Ouchy. «Vor Tausenden von Zuschauern brachte ich die Spiele gut über die 90 Minuten», erzählt Gianforte. «Zum Schluss erhielt ich ein positives Feedback von Spielern, Zuschauern und den Inspizienten.» Mit ein Grund, dass sich der Weg zum Aufstieg ebnete.

«Mein Ziel ist es, als Halb-Profi tätig zu sein und längerfristig als Fifa-Schiedsrichter homologiert zu werden.»

Ein grossartiges Erlebnis war zudem der Einsatz auf internationaler Bühne: An den EUSA-Games 2016 im kroatischen Zagreb durfte er einer multinationalen Delegation angehören. «Mein Ziel ist es, als Halb-Profi tätig zu sein und längerfristig als Fifa-Schiedsrichter homologiert zu werden.»

Daneben verfolgt Nico Gianforte auch noch berufliche Ziele. Nach dem Bachelor in «Business Engineering» und dem Master-Abschluss in «Banking and Finance» im Jahr 2020 arbeitet der Student im Investment Banking in einem 40-Prozent-Teilpensum bei «Baader Helvea» in Zürich. Ein gutes Beispiel also, wie sich Beruf und Hobby vereinbaren lassen.

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