Auf dem Iselisberg wie im Wallis: Robuste Rebsorten sind auf dem Vormarsch

Auf dem Weingut von Roland Lenz fand die erste Mitgliederversammlung des Vereins Piwi Schweiz statt. Winzer tauschten dabei ihre Erfahrungen mit Weinen aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten aus.

Evi Biedermann
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Präsident Roland Lenz spricht an der ersten Mitgliederversammlung des Vereins Piwi Schweiz.

Präsident Roland Lenz spricht an der ersten Mitgliederversammlung des Vereins Piwi Schweiz.

(Bild: Evi Biedermann)

Die Weinrebe ist ein zartes Pflänzchen. Frost, Nässe, Mehltau oder Essigfliege sind nur einige der Schädlinge, die sie ständig bedrohen. Immer mehr Winzer setzen deshalb auf pilzwiderstandsfähige Sorten, kurz Piwi-Sorten. Diese haben dickere, härtere Blatt- und Traubenhäute mit mehr Silizium in den Zellwänden und einer dicken Wachsschicht, was gegen Pilze schützt. Dank dem natürlichen Schutz kann der Einsatz von Spritzmitteln auf ein Minimum reduziert werden.

Auf dem Iselisberg etwa sind auf dem Weingut von Roland Lenz 22 von den 35 angebauten Traubensorten Piwi-Gewächse. Der Biowinzer ist Präsident des im Dezember 2019 gegründeten Vereins Piwi Schweiz. Acht Gleichgesinnte schlossen sich damals zusammen, mit dem Ziel, ihre Begeisterung für die robusten Traubensorten nach aussen zu tragen. Mittlerweile zählt der Verein 60 Mitglieder. «Allesamt erfolgreiche Winzer», sagt Roland Lenz. Kleinbetriebe aus allen Kantonen der Schweiz.

Bereits bekunden grössere Produzenten Interesse am Piwi-Anbau. «Im Wallis stellen grosse Firmen nun um auf Piwi-Sorten», sagte ein Walliser Winzer an der ersten Mitgliederversammlung auf dem Iselisberg.

Broschüre für Vermarktung

Der Verein will weiter wachsen, denn Lenz ist überzeugt: Piwis haben Zukunft. Deshalb sei der Austausch von Wissen und Erfahrung unter den Winzern wichtig.

Die Vermarktung und die Öffnung zu den Konsumenten sind ebenfalls wichtige Ziele. Zu diesem Zweck ist eine Broschüre entstanden. Mit «Piwi Wein Zeit» will man Genussmenschen, Gastronomen, Fachhändler und Medien erreichen. «Darin werden wir dokumentieren, dass zukünftiger klimaschonender Weinbau nur mit diesen neuen Traubensorten funktioniert», erklärte Lenz den 35 Anwesenden.

Auch wenn es seltsam anmutet, einen roten Cal 1-28 oder weissen Cal 32-7 zu degustieren: Beide haben Gaumen und Herz erfreut. Die Zahlen bezeichnen Reihe und Stock, wo der Wein heranwächst. Das hat einen einfachen Grund: Die beiden robusten 2019er haben noch keine Namen.

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