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Thurgauer Obergericht: Auf dem ersten Computer seines Lebens sucht er nackte Jungs

Ein 75-jähriger Pädophiler hofft auf einen Freispruch. Bei einem Schuldspruch droht ihm die Rückversetzung in die Verwahrung.
Thomas Wunderlin
Der Verhandlungssaal des Thurgauer Obergerichts in Frauenfeld. (Bild: Archiv)

Der Verhandlungssaal des Thurgauer Obergerichts in Frauenfeld. (Bild: Archiv)

Nur sein Nuscheln deutet sein Alter an; das Gebiss scheint nicht mehr intakt zu sein. Davon abgesehen macht der gross gewachsene 75-jährige Schweizer einen kräftigen Eindruck. Der weisshaarige Jeansträger fühlt sich unschuldig und verlangt vom Thurgauer Obergericht einen Freispruch. In seinem Schlusswort schlägt H. dem Obergerichtspräsidenten vor, dass sein Testosteronspiegel medikamentös gesenkt werden soll: «Damit ich keinen sexuellen Reiz mehr habe.»

Das Obergericht gab am Mittwoch noch kein Urteil bekannt. Das Bezirksgericht Frauenfeld hatte H. am 30. November 2017 wegen harter Pornografie mit 80 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt. Zwischen dem 31. Dezember 2015 und dem 18. Februar 2016 hatte H. 37 Bilder aus dem Internet heruntergeladen und gespeichert, auf denen Minderjährige sexuelle Handlungen vornehmen oder in aufreizender Art posieren. Danach gesucht hatte er mit Begriffen wie «nackte Knaben» und «the gay teens studio». H. sagt, auf den von ihm besuchten Seiten habe es einen Hinweis gehabt, dass die Darsteller über 18 Jahre alt seien.

22 Jahre hinter Gittern

Die Strafe, gegen die er kämpft, ist für ihn eigentlich eine Lappalie. Denn wegen seiner Neigung zu Buben hat H. schon 22 Jahre im Gefängnis verbracht. Eines Tages fand ein Aargauer Bezirksgericht, es bestehe bei ihm nur noch eine mittlere Rückfallgefahr für sexuell motivierte Delikte. Das Restrisiko könne vermindert werden in einer straff strukturierten Wohnsituation mit persönlicher Betreuung und Überwachung; die Aargauer Richter ersetzten die Verwahrung durch eine stationäre therapeutische Massnahme. Ein passendes Heim fand sich im September 2015 im Thurgau. Therapiert wurde er im Forensischen Institut Ostschweiz in Frauenfeld.

Die Heimbewohner verfügten über Handys ohne Internet, auch Laptops mit eingeschränktem Internetzugang gab es. H. lieh sich von seinem Zimmernachbarn einen Laptop aus, mit dem er trotz eingeschränktem Zugang fündig wurde. Sein Mandant habe insgesamt über 1000 Bilder angeschaut, sagt sein Verteidiger. Er sei als «computerunerfahrene Person» ohne Vorsatz auf einige Bilder von unter 18-Jährigen geraten. «Er hatte in seinem Leben nie einen Computer in der Hand.» Es sei nicht einmal zweifelsfrei bewiesen, dass die Dargestellten unter 18 Jahre alt seien. H. habe zudem aus eigenem Antrieb mit der Betrachtung der pornografischen Bilder aufgehört.

Der Tagessatz beträgt 30 Franken, sein Tagesverdienst nur 18.90 Franken

Da der Laptop alt war, lieh sich H. ein anderes, leistungsfähigeres Gerät aus. Im Juni 2016 wurde ein Mitarbeiter des Wohnheims misstrauisch wegen der beiden Laptops und benachrichtigte die Polizei. Ende 2016 wurde er in die Strafanstalt Lenzburg eingeliefert. Er nimmt täglich ein Antidepressivum, macht Therapie und Gruppentherapie. Er arbeitet im Gefängnis in der Kleinmontage und verdient täglich 18 Franken und 90 Rappen. Der Verteidiger fordert deshalb in seinem Eventualantrag eine Reduktion des Tagessatzes auf 10 Franken. Die vom Bezirksgericht angesetzten 30 Franken seien «deutlich höher als ein Tagesverdienst», was vom Gesetzgeber nicht so gewollt gewesen sei.

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