Auf dem Bauernhof des Frauenfelder Stadtrats und Biolandwirts Andreas Elliker startet die Mission Wiederaufbau

Etwas über vier Monate ist es her seit dem Grossbrand. Am Montag war Baustart für den Neubau. Und bereits kommenden August will Andreas Elliker im neuen Milchviehstall melken.

Mathias Frei
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Besprechung der nächsten Schritte im alten Melkstand: Bauherr Andreas Elliker, Peter Schum (Geiges AG) und Planer Sepp Broger (Bau- und Architekturbüro LBA).

Besprechung der nächsten Schritte im alten Melkstand: Bauherr Andreas Elliker, Peter Schum (Geiges AG) und Planer Sepp Broger (Bau- und Architekturbüro LBA).

(Bild: Mathias Frei)

Er kann wieder lachen, obwohl die Zukunft noch ganz viel Arbeit mit sich bringt. Stadtrat und Biolandwirt Andreas Elliker ist ein positiv denkender Mensch. So ist am Montagvormittag seine Freude über den Baustart des neuen Milchviehstalls ungleich grösser als die Erinnerungen an die folgenreiche Nacht vom 11.auf den 12. Oktober 2019. Damals, als der Stall (inklusive Futterlager) auf dem Bachhof der Familie Elliker von einem Grossbrand komplett zerstört worden war.

«Am vergangenen Freitag lag die Baubewilligung der Stadt im Briefkasten. Ich bin als Stadtrat natürlich nicht in den Genuss einer Sonderbehandlung gekommen.»

So ist Elliker zum Spassen zumute. Und auch die Zusammenarbeit mit dem Kanton sei gut verlaufen, sagt er.

Menschen kamen beim Brand nicht zu Schaden

Am Freitag, 11. Oktober, kurz nach 23 Uhr war es, als die Eltern von Stadtrat und Biolandwirt Andreas Elliker das Feuer auf ihrem Bachhof bemerkten. Der Milchviehstall inklusive Futterlager brannte lichterloh – und bis auf die Grundmauern nieder. Die Feuerwehr Frauenfeld stand mit fast 60 Mann im Einsatz. Menschen kamen nicht zu Schaden. Über 50 Tiere konnten gerettet werden, leider kamen aber zwei Kühe und ein Kalb zu Tode. (ma)

Die Kosten für den Wiederaufbau des abgebrannten Stalls belaufen sich inklusive Abbruch von noch bestehendem Mauerwerk auf rund zwei Millionen Franken. Im eingeschossigen Holzbau sollen nach Ellikers Angaben in Zukunft 60 Kühe, 30 Kälber sowie 35 Stück Jungvieh Platz haben.

Das Heu trocknet in Zukunft CO2-neutral

Dazu gibt es unter demselben Dach Platz für einen Heustock mit einer Kapazität von 2200 Kubikmetern.

«Neu wird die Heutrocknung CO2-neutral erfolgen.»

Das erklärt Elliker. Dies geschieht einerseits über die Dachabwärme, andererseits über eine Holzheizung (Schnitzel oder Pellets), die zuschaltbar ist, wenn die Dachabwärme zu gering ist. «Das Eternitdach ist auf der Südseite nicht grau, sondern anthrazitfarben, was zu sieben Grad wärmerer Luft führt.» So erklärt es Planer Sepp Broger vom Bau- und Architekturbüro LBA aus Weinfelden.

Die Überreste des alten Stalls auf dem Bachhof-Areal.

Die Überreste des alten Stalls auf dem Bachhof-Areal.

(Bild: Mathias Frei)

Der neue Heustock hat eine so grosse Kapazität, dass das Futter für den Viehbestand zu 100 Prozent hofeigen ist. «Ziel ist ein kompletter Verzicht auf Kraftfutter», sagt Elliker. Weiter wird der neue Stall über einen Melkstand verfügen. Durch seine nebenamtliche Tätigkeit als Stadtrat biete sich ein Melkstand an, bei dem er morgens und abends jeweils melken könne. Im Gegensatz dazu laufe ein Melkroboter 23 Stunden pro Tag. Ein weiterer positiver Aspekt ist die im Neubau gesteigerte Güllekapazität – von 1560 Kubikmetern auf neu 1900 Kubikmeter.

«Für einen Biobetrieb ist die Verfügbarkeit von Gülle ein wichtiger Faktor zur Ertragssteigerung.»

Planer Broger sagt, es sei eine Herausforderung, bestehende Strukturen im Boden zum Teil weiterzuverwenden. «Denn wir wollten nicht mehr Kulturland verwenden, als dies bislang der Fall war.» Auch der Zeitplan für den Wiederaufbau ist durchaus ambitioniert. Andreas Elliker will bereits kommenden August im neuen Milchviehstall melken. «Aufrichte ist im Juni geplant», sagt Broger. Und Elliker ergänzt schelmisch, aus der Politarbeit wisse er, dass mit ein wenig Druck die bessere Arbeit gelingen würden als ohne.

Am Montagvormittag steht der Bagger von Geiges bereit. Drinnen sitzt Peter Schum.

Am Montagvormittag steht der Bagger von Geiges bereit. Drinnen sitzt Peter Schum.

(Bild: Mathias Frei)
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Samuel Koch