Auf Bruce Naumans Spuren in der Shedhalle in Frauenfeld

Das Nachwuchsatelier «Tanz mit Bruce» geht ins zehnte Jahr. Zwei Künstlerinnen bespielen den Shed im Eisenwerk in Frauenfeld bis zur Finissage – und vielleicht darüber hinaus.

Dieter Langhart
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Tanz mit Bruce #10 im Shed: Kuratorin Almira Medaric vor Arbeiten von Marion Ritzmann und Nora Steiner. (Bild: Dieter Langhart)

Tanz mit Bruce #10 im Shed: Kuratorin Almira Medaric vor Arbeiten von Marion Ritzmann und Nora Steiner. (Bild: Dieter Langhart)

Die Shedhalle ist gross und reizt bisweilen, sie mit Kunst zu füllen. Nicht so Nora Steiner und Marion Ritzmann. Die Künstlerinnen kennen sich seit dem gemeinsamen Masterstudium, tauschen sich jetzt erneut aus im Rahmen des Nachwuchsateliers «Tanz mit Bruce». Die Dritte im Bunde, Karin Kurzmeyer, ist leider kurzfristig ausgefallen.

Karg gibt sich der Shed zwei Wochen nach der Vernissage. Dies ist bewusst so bei «Tanz mit Bruce», denn bis zur Finissage wird weitergearbeitet. Die beiden Künstlerinnen erkunden den Raum mit ihrer Kunst, tauschen sich aus, befruchten sich gegenseitig, treten in Dialog miteinander und mit dem Raum.

Tanz mit Bruce #10

Das Thurgauer Nachwuchsatelier für Bildende Kunst feiert heuer sein zehnjähriges Bestehen. Für diesen speziellen Anlass wurden die Künstlerinnen Karin Kurzmeyer, Marion Ritzmann und Nora Steiner in den Shed eingeladen. Die Weggefährtinnen seit dem Masterstudium verstärken und vertiefen ihren Austausch und bitten in der Ausstellung «mit B.» den ominösen B. (Bruce Nauman) zum Tanz. (dl)

Hinweis:
Samstag, 22.Juni, 17 Uhr: Gespräch
Donnerstag, 27.Juni, 19 Uhr: Führung
Freitag, 5.Juli, 18 Uhr: Finissage

Der künstlerische Prozess bleibt stets sichtbar

An der Rückwand hängen Nora Steiners «Eleven Places»: kleinformatige Gemälde, wenige Pinselstriche in gelben bis roten Tönen auf der weiss grundierten Leinwand. Schräg gegenüber dann ihre grossen Bilder, drei an der Zahl und nicht mehr so leer. Auch sie sachte Erkundungen von Raum und Farbe – und sie treten in einen Dialog mit den elf Schwestern.

In einer Ecke des Shed liegen Farb- und Lacktuben, Gläser mit Pigmenten, Pinsel und Eierschalen am Boden: Zeugnisse des Arbeitsprozesses in diesem Atelier wie auch die ungerahmten Blätter, die auf dem alten Fabrikboden liegen als Farbstudien mit «Siena gebrannt», «Venezianischrot» oder «Goldocker italienisch + Eigelb».

«Nora Steiner liebt alte Maltechniken wie Eitempera»

sagt Almira Medaric. Die Künstlerin war auch «Brucerin», hat vor zwei Jahren den Adolf-Dietrich-Förderpreis gewonnen und kuratiert den zehnten «Tanz mit Bruce» mit Katja Baumhoff.

Auch Marion Ritzmann gibt sich (noch) nicht opulent. Ihr Material sind MDF-Platten. Von der Decke hängt ein schlichtes Gebilde aus kleinen ausgesägten Dreiecken, mit Ketten zusammengehalten, als wär’s ein Mobile oder eine überdimensionierte Halskette.

Materialien finden eine gemeinsame Sprache

Und an einer Wand – übers Eck mit einem der grossen Gemälde von Nora Steiner – lehnen fünf MDF-Platten in einer Standardgrösse, leicht versetzt wie ein Fächer und durchgefärbt: türkis, ocker, grau, lila, anthrazit. Und da ist eine weitere MDF-Platte: roh und ungefärbt.

«Marion Ritzmann beobachtet den Raum und das Licht, das von oben einfällt»

sagt Almira Medaric und zeigt auf die Streifen von Abdeckband am Boden, wie es Maler verwenden. Auf den Streifen hat Marion Ritzmann die Uhrzeit notiert, gewissermassen den Sonnenstand, und daneben – fast unsichtbar – die Umrisse von geometrischen Formen gezeichnet.

Mitten im Raum ein weisses, mannsgrosses Rechteck: eine Matratze, die ein weisses Leintuch bedeckt; daneben eine Wasserflasche. Eine Installation? Oder schlicht ein Ruhepol in der Shedhalle? Die zwei Künstlerinnen wollen manches offenlassen, in der Schwebe belassen. Sie wollen, dass ihre Werke zueinander sprechen. Dieser Sprache kann der Betrachter nachspüren.

Vier Verspielte bespielen die Shedhalle Frauenfeld

Das Kind im Kunstbetrachter sprechen sie an: Olga Titus, Valentin Magaro und das Duo Michael Frei/Mario von Rickenbach. «Let’s Play» sagen die vier Künstler in Frauenfeld und fordern zum Schauen und Mitspielen auf.