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«Es ist natürlich der Abgasskandal»: Auch im Thurgau ist der Absatz von Dieselautos ins Stottern geraten

Der Abgasskandal ist auch im Thurgau spürbar. Die Anzahl neu eingelöster Dieselautos ist 2018 im Thurgau eingebrochen. Weiter an Fahrt zugenommen haben elektrisch angetriebene Autos. Seit Januar fördert der Thurgau deren Kauf mit einer Umstiegsprämie.
Sebastian Keller
Durch den Abgasskandal sind Autos, die mit Diesel angetrieben werden, in Verruf geraten. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Durch den Abgasskandal sind Autos, die mit Diesel angetrieben werden, in Verruf geraten. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Er hat sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel. Und zwar einen üppigen. Wenn man den Eintrag über den Abgasskandal druckt, spuckt das Gerät 56 Seiten aus. Die Online-Enzyklopädie dokumentiert eines der dunkleren Kapitel der Autoindustrie. Bei dieser Geschichte geht es um die illegale Manipulation von Herstellern zur Umfahrung von Abgas-Grenzwerten. Sie wird auch als Dieselskandal oder Dieselgate bezeichnet.

Der Skandal hat die Erfolgsgeschichte dieser Antriebsart nachhaltig erschüttert. Auch in der Schweiz. Auch im Thurgau. Davon erzählen Zahlen, welche die Thurgauer Dienststelle für Statistik auf die Webseite gestellt hat. 2018 wurden so wenige Dieselfahrzeuge neu eingelöst wie seit Jahren nicht mehr. 2015 – im Jahr, als der Dieselskandal Fahrt aufgenommen hat – wurden im Thurgau 3572 Dieselfahrzeuge neu eingelöst; 2018 waren es noch 2493. Das entspricht einem Rückgang von 30 Prozent.

Auch im Vergleich mit anderen Antriebsarten legte der Diesel den Rückwärtsgang ein. 2015 fuhren fast 40 Prozent aller neu in Verkehr gesetzten Fahrzeuge mit Diesel; im vergangenen Jahr waren es noch 31 Prozent. Auf den Rückgang angesprochen sagt Ernst R. Anderwert: «Es ist natürlich der Abgasskandal.» Er ist Geschäftsführer des Thurgauer Strassenverkehrsamtes.

Garagisten spüren Zurückhaltung gegenüber Dieselautos

Dass das Bild des Dieselfahrzeugs angekratzt ist, spüren auch die Thurgauer Garagisten. Davon erzählt Richard Heini. Er arbeitet in der Murg-Garage Wängi und präsidiert die Thurgauer Sektion des Auto-Gewerbe-Verbandes Schweiz (AGVS). «Wir merken, dass gegenüber dem Diesel eine Zurückhaltung da ist», sagt Heini. Das zeige sich im Gespräch mit Kunden. Er nennt zwei Schlagworte: Dieselskandal und Dieselfahrverbot.

Seit 2018 stellen einige deutsche Städte – Stuttgart etwa – für Autos mit Dieselmotoren Stoppschilder auf: Wenn sie einer bestimmten Schadstoffgruppe zugeordnet werden können, dürfen sie nicht mehr in die Stadt fahren. Das Verbot in Deutschland verdirbt auch Thurgauer Autofahrern die Lust auf Diesel. Heini stellt fest:

«Es ist eine generelle Unsicherheit da.»

Diese sei «fachlich gesehen nicht immer begründet». So sei ein Dieselfahrzeug beispielsweise für Langstrecken immer noch die beste Wahl. Für einen Vertreter, der im ganzen Land unterwegs ist, haben andere Antriebsart das Nachsehen. Für Lastwagen ist Diesel der Kraftstoff schlechthin.

Anders sieht es im städtischen Bereich aus. «Da können Benziner oder Elektroautos punkten», sagt Heini. «Unsere Aufgabe ist es, für den Kunden das Auto zu finden, das am besten zu ihm passt.» Doch seit dem Auffliegen des Skandals hat der Diesel bei Käufern einen schweren Stand. «Gewisse Leute verzichten auf einen Diesel, weil sie nicht mit diesem gesehen werden möchten», sagt Heini.

Elektroautos nehmen weiter Fahrt auf

Die Statistik des Kantons zeichnet das ganze Bild. 2018 wurden zwischen Bodensee und Hörnli 8069 Personenwagen neu eingelöst. Das sind leicht weniger als im Vorjahr. Die häufigste Treibstoffart ist nach wie vor Benzin: 61,5 Prozent der Strassenneulinge 2018 werden damit angetrieben. Insgesamt stieg der Bestand an Motorfahrzeugen mit «TG»-Kontrollschild auf 238535 an. Wie die Dienststelle für Statistik notiert, nimmt die Anzahl Autos stärker zu als die Bevölkerung. Damit ist die Thurgauer Bevölkerung so gut motorisiert wie nie zuvor: Im Jahr 2018 gab es im Kanton Thurgau 63 Personenwagen pro 100 Einwohner; 2010 waren es 58, 1990 lediglich 44.

Weiter auf dem Vormarsch, so schreiben es die Kantonsstatistiker, sind Elektro- und Hybridautos. Ein Hybridauto vereint einen Verbrennungs- und einem Elektromotor unter einem Autodach. 2018 machten die elektrisch angetriebenen Personenwagen bereits 7 Prozent der neu eingelösten Fahrzeuge aus, 2015 waren es erst 3 Prozent. Im gesamten Fahrzeugbestand bilden sie immer noch die Minderheit. 3225: So viele Autos werden im Thurgau gesamthaft elektrisch unterstützt angetrieben; rein elektrisch sind es 683.

Dass die Elektrofahrzeuge nicht so richtig vom Fleck kommen, ortet Richard Heini beim Preis.

«Die E-Autos sind im Vergleich zu Verbrennungsmotoren massiv teurer.»

Obwohl direkte Vergleiche schwierig sind: Teilweise koste ein Elektroauto, das die gleichen Anforderungen erfüllt, doppelt so viel.

Kanton Thurgau hat Umstiegsprämie lanciert

Den Preisunterschied will der Kanton minimieren. Denn: Er hat sich die Förderung der Elektromobilität auf die Fahne geschrieben. In einem Bericht der grossrätlichen Kommission hält diese fest: «Die Eintrittsschwelle in der Elektromobilität liegt bei den Anschaffungs- nicht bei den Betriebskosten.» Seit Anfang Jahr fördert er den Umstieg auf reine Elektroautos finanziell mit 4000 Franken pro Auto. Eine Bedingung: Der Fahrzeughalter muss für sein Haus oder seine Wohnung 100 Prozent erneuerbaren Strom beziehen.

Wie diese Fördermassnahme angelaufen ist, darüber gibt die Abteilung für Energie keine Auskunft. Nur so viel verrät Patrick Rinaldi:

«Es sind Gesuche eingegangen.»

Gefördert wird die Elektromobilität – wenn man so will – schon länger: So müssen Halter emissionsarme Fahrzeuge seit 2011 für die ersten fünf Jahre weniger Motorfahrzeugsteuern bezahlen. Wer ein Auto der höchsten Effizienzkategorie vorweisen kann, bezahlt 48 statt 96 Franken pro Jahr. Profitieren können auch Fahrer anderer Antriebsarten, sofern die Fahrzeuge die Vorgaben erfüllen. Das System belohnt nicht nur, sondern bestraft auch: Halter mit Autos der Energieeffizienzklasse F und G bezahlen die doppelte Steuer.

Die Befragten rechnen damit, dass Elektroautos vermehrt auf den Strassen unterwegs sein werden. «Ich gehe davon aus, dass die Elektromobilität weiter zunehmen wird», sagt Anderwert. Eine explosionsartige Umwälzung sieht Richard Heini nicht kommen. «Was jetzt auf die Strasse kommt, fährt die nächsten zehn Jahre.» Und das seien vor allem Verbrennungsmotoren.

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