1.August
Auch der Kantonsarchäologe bunkert WC-Papier im Keller – und spricht an der Hüttwiler Bundesfeier über den nicht perfekten Menschen

Eigentlich Hansjörg Brem schon 2020 am Hüttwiler 1.August sprechen sollen. Aber die Pandemie kam dazwischen. Heuer hat es nun geklappt. Er hatte am Sonntagabend 150 Zuhörerinnen und Zuhörer auf dem Haldenhof.

Mathias Frei
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Kantonsarchäologe Hansjörg Brem an seiner Festansprache auf dem Haldenhof in Hüttwilen.

Kantonsarchäologe Hansjörg Brem an seiner Festansprache auf dem Haldenhof in Hüttwilen.

Bild: Mathias Frei

«Der Homo Sapiens Sapiens hat ein Hirn – und er hat in der Schweiz immer noch politische Kultur.» Das stellt Hansjörg Brem am Sonntagabend an der Hüttwiler Bundesfeier fest. Rund 150 Einwohnerinnen und Einwohner sind auf den Haldenhof gekommen, um ein paar gemeinsame Stunden mit feinem Essen zu verbringen, musikalisch begleitet vom Color-Box-Duo (Hausi Schmid und Michael Indermaur) – und nicht zuletzt um der Festrede des Thurgauer Kantonsarchäologen beizuwohnen. Brem war schon vergangenes Jahr als Redner vorgesehen, die Feier wurde schliesslich pandemiebedingt abgesagt. Er habe seine Ansprache nicht einfach verschieben können, meint der Frauenfelder.

«Ich war eher erstaunt, wie viel sich seither verändert hat.»
Das Color-Box-Duo, im Bild Hausi Schmid.

Das Color-Box-Duo, im Bild Hausi Schmid.

Bild: Mathias Frei

Brem schlägt in sinniger Weise einen Bogen von den Menschen, die seit rund 13'000 Jahren das Seebachtal besiedeln, ins Hier und Jetzt. Sein Wunsch, der zugleich Hoffnung ist: «Dem aufgeregten Gelärme auf Twitter, Facebook oder Telegram nicht immer und überall ein Ohr zu leihen.» Er lässt historische Seuchen Revue passieren und gesteht, als Archäologe zwar nicht «auf die Ereignisse vorbereitet» gewesen zu sein, aber darauf, einzuschätzen, zu vergleichen und zurückzublicken.

Links Festredner Hansjörg Brem mit Ehefrau Bettina Hedinger, rechts die neue Hüttwiler Gemeindepräsidentin Sabina Peter Köstli mit Ehemann Martin Köstli.

Links Festredner Hansjörg Brem mit Ehefrau Bettina Hedinger, rechts die neue Hüttwiler Gemeindepräsidentin Sabina Peter Köstli mit Ehemann Martin Köstli.

Bild: Mathias Frei

Man sei von der Krise nicht unvorbereitet getroffen, habe sich aber gleichwohl nicht als Supermusterland erwiesen. Brem erinnert an den sorgfältig eingelagerten Notvorrat seiner Eltern. Er selber hat lediglich noch WC-Papier im Keller gebunkert. Denn:

«Der Mensch ist nicht perfekt und kann nicht dauernd im Notmodus auf alles Mögliche gefasst sein.»

Die Frage sei deshalb, wie die Gemeinschaft mit der Situation umgehe. Brem hält fest: «Es braucht den Kompromiss.»

Ein Wegweiser als Abschiedsgeschenk für den abgetretenen Gemeindepräsidenten Hanspeter Zehnder.

Ein Wegweiser als Abschiedsgeschenk für den abgetretenen Gemeindepräsidenten Hanspeter Zehnder.

Bild: Mathias Frei

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