Auch auf dem Friedhof soll’s bunt blühen: Das ist das Ziel des neuen Grünflächenkonzepts in Diessenhofen

Die Stadt Diesenhofen legt an mehreren Standorten artenreiche Wildblumenwiesen an.

Thomas Brack
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Hansueli Ruch (l.) und Tom Vogel vom Bauamt arbeiten auf dem Friedhof. Vogel recht die frisch gesäte Blumenwiese.

Hansueli Ruch (l.) und Tom Vogel vom Bauamt arbeiten auf dem Friedhof. Vogel recht die frisch gesäte Blumenwiese.

(Bild: Thomas Brack)

Kürzlich informierten der Diesenhofer Stadtpräsident Markus Birk und Bauamtschef Werner Schellenberg über das Neukonzept «Blumenwiesen» in Diessenhofen, das auf 2000 Quadratmetern an 16 verschiedenen Standorten etappenweise in Angriff genommen wird. Ein Standort ist der Friedhof Diessenhofen.

«Statt alle Jahre neu ein Blumenbeet anzulegen und aufwendig zu bewässern, wollen wir den Wechsel zu mehrjährigen Wildblumenwiesen vollziehen.»

Das sagt der Bauamtchef. Nach dem Verblühen der Blumen wird die Wiese geschnitten, damit der Samen in den Boden gelangt. Es handelt sich um standortgerecht Pflanzen, die sich selber fortpflanzen.

Markus Birk, Stadtpräsident Diessenhofen.

Markus Birk, Stadtpräsident Diessenhofen.

Andrea Stalder

«Wir wollen Hand in Hand mit der Natur arbeiten», erläutert Schellenberg. Das sieht für den Betrachter weniger hübsch und üppig aus, ist aber boden- und klimagerecht. Letztlich bestimmen Bodenbeschaffenheit, Kleinklima und Wetter, was wächst. Es dauert etwa fünf Jahre, bis eine junge Wiese ihren eigenen Charakter bildet. Standort, Nutzung und Pflege entscheiden über den Pflanzenanteil und die vorherrschenden Arten. Eine Blumenwiese verändert ihr Aussehen von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr und von Quadratmeter zu Quadratmeter – die ganze Entwicklung ist dynamisch. Im Aussaatjahr gleicht eine Blumenwiese oder -rasen naturgemäss einem Acker voller Unkraut. Die Anlage wirkt ungepflegt und vernachlässigt. Doch der Schein trügt. Neben Pflanzen finden auch Insekten und andere Tiere ihren Lebensraum.

Jede artenreiche Wiese ist ein Unikat

Im Lauf der Jahre entwickelt sich jede artenreiche Wiese zu einem Unikat. Wie eine Pflanzengemeinschaft schliesslich aussieht, vermag niemand vorherzusehen. Die Hauptblütesaison der Wildblumenwiesen ist im Mai. Dann sieht sie wunderschön aus. Dann folgt eine Reifephase mit überständigem Gras. Nach dem Schnitt ist die Fläche blassgelb und voller Stoppeln. Gerade bei einer längeren Hitzeperiode wirkt die Anlage dann braun und leblos. Das kantonale Konzept wurde von Werner Schellenberg den Diessenhofer Gegebenheiten angepasst. Der Bauamtchef resümiert:

«Wie gehen beim Wechsel der Bepflanzung schrittweise vor. Die gesammelten Erfahrungen können somit in die weiteren Etappen einfliessen und der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit Rechnung tragen.»

Der trockene Frühling weist darauf hin, dass es höchste Zeit für den Wechsel zu Wildblumenwiesen ist – auch wenn sich das bisher an die üppigen Farben der einjährigen Blumenbeete gewöhnte Auge des Betrachters zunächst umstellen muss. Die Ausführungen Schellenbergs erhellen die Hintergründe dieser Vorgehensweise, die eben nicht allein auf den optischen Blickfang ausgerichtet ist, sondern das natürliche Zusammenwirken der Pflanzen ins Zentrum rückt.