Attraktivere E-Mobilität: Kantonsrat will Solardächer über Parkplätzen

Das Potenzial ist riesig: Millionen von Kilometern könnten Thurgauer Elektroautos jährlich mit Strom zurücklegen, den sie direkt von Fotovoltaikanlagen über Parkplätzen beziehen. Ein grünliberaler Kantonsrat will nun ein Pilotprojekt aufgleisen.

Silvan Meile
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Der Strom für Elektroautos soll von Fotovoltaikanlagen direkt über dem Parkplatz kommen.

Der Strom für Elektroautos soll von Fotovoltaikanlagen direkt über dem Parkplatz kommen.

Gaetan Bally/KEYSTONE

Elektroautos sollten dort aufgeladen werden können, wo sie tagsüber abgestellt sind. Dafür sollen Parkplätze mit Solarstromanlagen überdacht werden. Das birgt ein beachtliches Potenzial für die Elektromobilität. Zu diesem Schluss kommt der Kanton Thurgau. Gemäss einem noch unveröffentlichten Bericht der Abteilung Energie liesse sich alleine auf sogenannten Park+Ride-Parkplätzen an Bahnhöfen sowie auf solchen vor Einkaufszentren und Industriegebäuden jährlich 6,7 Millionen Kilowattstunden Solarstrom produzieren.

«Damit könnten Elektrofahrzeuge etwa 33 Millionen Kilometer zurücklegen.»

Das schreibt der Regierungsrat in der Beantwortung der Einfachen Anfrage «Förderung von Solarparkplätzen» der Kantonsräte Marco Rüegg (GLP, Gachnang), Simon Wolfer (CVP, Weinfelden) und Andreas Opprecht (FDP, Sulgen). Sie wollten unter anderem in Erfahrung bringen, ob im Thurgau Anreize zur Förderung von Solarparkplätzen mit allenfalls Speichermöglichkeiten geschaffen werden könnten.

Rüegg drückt selber aufs Gaspedal

Künftig könnten Batteriespeicher das Angebot und die Stromnachfrage auf Parkplätzen ausgleichen. «Somit ist eine Förderung von Solarparkplätzen mit Ladestationen, gegebenenfalls ergänzt um Batteriespeicher, grundsätzlich vorstellbar», schreibt die Regierung und bleibt im Konjunktiv: In einem Pilotprojekt, in dem Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit untersucht würden, könnten Erfahrungen gesammelt werden.

«In einem nächsten Schritt könnte auf Basis der Ergebnisse über die Aufnahme einer finanziellen Unterstützung in das Energieförderprogramm entschieden werden.»

Kantonsrat Rüegg freut sich, dass der Kanton das riesige Potenzial erkennt. Dennoch steht für ihn der Kanton noch zu fest auf der Bremse. Deshalb drückt Rüegg jetzt selber aufs Gaspedal. Er habe einen privaten Parkplatz in Frauenfeld ins Auge gefasst, um dort ein Pilotprojekt aufzugleisen. 200 Fahrzeuge hätten darauf Platz. Auf dieser Fläche könnten gemäss Rüegg an einem sonnigen Tag Dutzende Elektroautos geladen werden, während ihre Besitzer bei der Arbeit sind. Vorabklärungen hätten gezeigt, dass solcher Solarstrom zu netzüblichen Preisen angeboten werden könne, sagt Rüegg.

Hürden bei der Einspeisung ins öffentliche Netz

In seiner Antwort macht der Kanton deutlich, dass er in seinem Energieförderprogramm nur einmalige Investitionshilfen ausrichtet. Keine Hilfestellung dürfte von ihm aber bei zu viel produziertem Strom solcher Anlagen zu erwarten sein. Denn bei der Frage nach einem kostendeckenden kantonalen Rückliefertarif für die Einspeisung überschüssigen Solarstroms von Parkplätzen ins öffentliche Netz winkt der Regierungsrat ab. «Der administrative Auswand für eine Vergütung von in das öffentliche Netz eingespeistem Solarstrom auf der Basis der Anzahl Kilowattstunden wäre unverhältnismässig hoch.»

Für Rüeggs Pilotprojekt bedeutet dies, dass bei einer zu grossen Stromproduktion auf dem Parkplatz ein Abnehmer beziehungsweise Verbraucher in unmittelbarer Nähe sein muss. Der Kanton schreibt: «Damit überschüssiger Solarstrom kostendeckend abgesetzt werden kann, können Betreiber von solchen Anlagen gegebenenfalls neue Geschäftsmodelle entwickeln, zum Beispiel in Kooperation mit Energieversorgern, Solarstrombörsen und weiteren Interessenten.»