Atommüll-Endlager: Nicht unter dem Thurgau

Der Tiefenlagerstandort an der Grenze zum Thurgau ist aber immer noch im Rennen. Wieder im Rennen ist das Gebiet «Nördlich Lägern». 2022 will die Nagra bekanntgeben, für welchen Standort sie das Rahmenbewilligungsverfahren für ein Tiefenlager einreichen will.

Thomas Güntert
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In den letzten anderthalb Jahren wurden an den drei noch möglichen Standorten Gesteinsproben entnommen, um den sichersten Platz für ein Atommüll-Endlager zu finden.

In den letzten anderthalb Jahren wurden an den drei noch möglichen Standorten Gesteinsproben entnommen, um den sichersten Platz für ein Atommüll-Endlager zu finden.

PD/Nagra

Am Dienstag informierte die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) an einer Online-Medienkonferenz über den aktuellen Stand der Suche nach einem geeigneten Standort für ein sicheres geologisches Tiefenlager. In den vergangenen anderthalb Jahren wurden Bohrungen auf den verbliebenen Standortregionen Jura Ost (Bözberg), Nördlich Lägern (Bülach) und Zürich Nordost (Marthalen) durchgeführt.

Die ersten Auswertungen haben ergeben, dass es in allen drei Standorten eine dicke und dichte Opalinustonschicht gibt und auch genügend Platz für ein Kombilager vorhanden ist, um schwach-, mittel- und hochaktiven Atommüll entsorgen zu können.

Das Bild hat sich vervollständigt

Beim Standort Zürich Nordost wurde in Trüllikon und Marthalen gebohrt. Zusammen mit der in den 1980er-Jahren durchgeführten Bohrung in Benken hat sich das Bild vervollständigt. Falls weitere Abklärungen über den Opalinuston nötig wären, gäbe es in Rheinau noch eine zusätzliche Bohrung. «Der Entscheid wird noch in diesem Jahr erwartet», sagte Philipp Senn. Der stellvertretende Bereichsleiter Öffentlichkeitsarbeit und Geologie der Nagra bemerkte zudem, dass die bisherigen Resultate darauf hinweisen, dass man ein Tiefenlager in der Region Zürich Nordost auf dem zentralen Gebiet errichten würde und der Kanton Thurgau davon nicht betroffen wäre.

Tiefenbohrung im Zürcher Weinland

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Thurgau

Beim Standort Jura Ost laufen derzeit noch zwei Bohrungen, die in diesem Jahr noch abgeschlossen werden sollten. Zusammen mit einer früheren Bohrung in Riniken ist davon auszugehen, dass sich das Bild ebenfalls vervollständigen wird und keine weitere Bohrung mehr nötig ist.

Das Gebiet um Bülach ist wieder voll dabei

Beim Standort Nördlich Lägern wurde bisher eine Bohrung bei Bülach gemacht und Anfang des nächsten Jahres werden zwei weitere Bohrungen bei Stadel ausgeführt, damit das Gebiet zusammen mit einer früheren Bohrung in Weiach schlüssig beschrieben werden kann. Sollte das nicht möglich sein, ist für Oktober 2021 eine weitere Bohrung bei der Gemeinde Bachs geplant.

In einer Lagerhalle in Döttingen sind die Gesteinsproben der Bohrungen aufgebahrt.

In einer Lagerhalle in Döttingen sind die Gesteinsproben der Bohrungen aufgebahrt.

PD/Nagra

Nachdem Nördlich Lägern bereits zurückgestellt werden sollte und die Expertengruppe Geologische Tiefenlager mit ihren Forderungen erreichte, dass der mögliche Standort weiterverfolgt wird, ist das Gebiet um Bülach wieder voll dabei. «Die Untersuchungen haben gezeigt, dass Nördlich Lägern ein geeignetes Standortgebiet und in der Lage ist, ein geologisches Tiefenlager aufzunehmen», sagte Tim Vietor, Bereichsleiter der Nagra für Geologie und Sicherheit. Nördlich Lägern hat wie die beiden anderen Standorte eine 110 Meter mächtige Opalinustonschicht, die den Anforderungen entspricht.

In Bülach liegt sie in etwa 900 Meter tiefer als in den anderen Regionen. «Die einheitlichen Bedingungen sind bautechnisch besser als erwartet», betonte Vietor. Im Jahr 2022 will die Nagra bekannt geben, für welchen Standort sie das Rahmenbewilligungsverfahren für ein Tiefenlager einreichen will. Die Standortwahl wird vom Bund geführt.

Weitere Informationen unter www.nagra.ch