Asylbewerber legen in Kreuzlingen nur einen kurzen Halt ein

Noch fehlen Erfahrungen mit dem neuen Asylverfahren. Die Flüchtlingshelfer schauen genau hin. Von einer Vergrämungsstrategie könne nicht die Rede sein, sagt der Leiter des Migrationsamts.

Manuela Olgiati
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Der Stadtpräsident begrüsst die 100 Zuhörer. (Bild: Manuela Olgiati)

Der Stadtpräsident begrüsst die 100 Zuhörer. (Bild: Manuela Olgiati)

Katrin Rutishauser will abgewiesene Flüchtlinge stärker vernetzen. Eritreer könnten mit dem Dublinsystem kaum in ihre Länder zurückkehren und die Realität zeige, dass diese in anderen Nationen untertauchen, sagt die Flüchtlingsbegleiterin. Damit sei das Problem nicht gelöst, sondern nur weiter geschoben.

Am Podium zum Flüchtlingstag im Kreuzlinger Torggel nehmen am Samstagabend rund 100 Zuhörer teil. Organisator Uwe Moor spricht von der humanitären Hilfe und den Grenzen, wenn der Moment gekommen sei, dass sich Private schuldig machen könnten. Seit 1. März werden Asylverfahren dezentralisiert in sechs Asylregionen der Schweiz durchgeführt.

Vierzig Jahre Erfahrung helfen

Aus dem Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen ist ein Bundesasylzentrum ohne Verfahren (BAZoV) geworden. Wie der Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger sagt, können diese Veränderungen mit vierzig Jahren Erfahrung gut ertragen werden. Alle Asylgesuche, die in die Zuständigkeit der Region Ostschweiz fallen, werden im Bundesasylzentrum mit Verfahrensfunktion in Altstätten behandelt. Roger Boxler, Leiter der Asylregion Ostschweiz, spricht von einer intensiven Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter.

Von 140 Asylsuchenden im Monat weiss Tilla Jacomet, die bei der HEKS verantwortliche Juristin. Die Rechtsberatung sei nah dran und seit dem Wechsel noch effizienter, fair und korrekt. Pius Betschart, pensionierter Vizedirektor des Staatssekretariates für Migration SEM, war bis 2017 mit der Ausarbeitung der Asylgesetzrevision in Bern betraut. Ob sich der Bund verrechnet habe mit dem Kostendach von rund 583 Millionen Franken und einem beschleunigten Asylverfahren, will ein Zuhörer wissen. «Für eine Evaluation und exakte Kostenanalyse braucht es sicher zwei bis drei Jahre Zeit», sagt Betschart.

Kinder erhalten in Altstätten Sonderbetreuung

Auch unbegleitete Kinder beschäftigen das Podium. Kontakte mit der Schweizer Bevölkerung würden in einer ersten kurzen Aufenthaltsphase kaum Sinn ergeben und wären gemäss Betschart erst in einer zweiten Phase eine denkbare Möglichkeit. In Altstätten erhalten Kinder ab 2020 eine Sonderbetreuung.

Martin Strauss von der Arbeitsgruppe Nothilfe spricht vom Spagat des Stufenplanes durch Behörden und der Gesetzeslage. Der Zivilgesellschaft helfe das kritische Hinschauen, auch konstruktive Gespräche mit dem Migrationsamt. Doch das Geld sei knapp.

Asylbewerber werden nicht eingesperrt in den Zentren

Camillus Guhl, Leiter des Migrationsamtes Thurgau, spricht von einem intensiven Aufbau. Das neue System sei jetzt erst richtig angelaufen. Die Beschaffung der Ausreisepapiere würden im Rahmen der zeitlichen Fristen laufen. Wer freiwillig ausreise, erhält rasche Hilfestellung. Dann gebe es auch die Härtefälle. Es gehe jedoch nicht um eine Vergrämungsstrategie. Die Asylsuchenden seien in den Zentren nicht eingesperrt. Während der kurzen Aufenthaltsdauer gebe es kaum Beschäftigung und Kursangebote.