Artenvielfalt im Thurgau: Stabilisierung auf tiefem Niveau

Die eingeleiteten Massnahmen für mehr Biodiversität zeigen im Thurgau zwar Wirkung, reichen aber noch nicht aus.

Silvan Meile
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Totholz im Wald fördert die Biodiversität.

Totholz im Wald fördert die Biodiversität.

Bild: Andrea Stalder

Die Pflanzenwelt ist unter Druck. Ein schweizweites Biodiversitätsmonitoring zeigt, dass einige der artenärmsten Untersuchungsflächen in intensiv genutzten Landwirtschaftsgebieten im Thurgau liegen. Das geht aus der Beantwortung der Interpellation «Biodiversität, Situation und Perspektive im Thurgau» von Erstunterzeichner Daniel Vetterli (SVP, Rheinklingen) hervor. Der Regierungsrat schreibt:

«Die Biodiversität steht im Thurgau trotz einiger Lichtblicke unvermindert unter Druck.»

In den vergangenen Jahren ist nun aber etwas unternommen worden. So zeigt die regierungsrätliche Antwort, dass etwa der Anteil an Biodiversitätsförderflächen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche von 2003 bis 2017 immerhin von 10,9 auf 13,1 Prozent gestiegen ist. Auch im Wald seien in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrere Wald- und Auenwaldreservate sowie Altholzinseln und Eichenschutzflächen entstanden, die heute «gut zehn Prozent des Thurgauer Waldes» ausmachten.

Das entspannt zumindest die Situation. «Die in den letzten Jahren getätigten Anstrengungen im Kulturland und im Wald haben zu einer Stabilisierung auf tiefem Niveau oder zu einer leichten Verbesserung geführt», bilanziert der Regierungsrat. Und er lässt nicht unerwähnt, dass auch die Zersiedelung zu den Hauptgründen des Biodiversitätsverlustes gehört.

Pestizideinsätze bleiben ausgeklammert

Bislang existiert keine kantonale Strategie für mehr Biodiversität. Das soll sich nun ändern. Der Regierungsrat verweist auf die Volksinitiative «Biodiversität Thurgau», die er zur Annahme empfiehlt (Kasten). Ebenfalls auf die Biodiversitätsinitiative verweist die Regierung in der Beantwortung der Motion «Das grosse Sterben der Insekten» von Marianne Sax (SP, Frauenfeld). Der Regierungsrat empfiehlt aber, diesen Vorstoss als nicht erheblich zu erklären. Er argumentiert:

«Mit der in der Biodiversitätsinitiative geforderten kantonalen Strategie kann die Thematik umfassend angegangen werden, wenn der politische Wille dazu vorhanden ist.»

Motionärin Marianne Sax sagt, sie befürworte die Biodiversitätsinitiative selbstverständlich. Bevor sie sich zur Antwort der Regierung äussere, will sie sich aber mit den Mitunterzeichnern ihrer Motion absprechen. Für sie dürfte schmerzhaft sein, dass ein Hauptanliegen ihres Vorstosses in der Diskussion ausgeblendet wird. Denn ihre Motion fordert unter anderem, mit gesetzlichen Bestimmungen den Einsatz von Pestiziden weiter einzudämmen. Die Regierung findet aber, die aktuellen gesetzlichen Grundlagen würden ausreichen, um dem Insektensterben entgegenzutreten.

Initiative

Ja zu mehr Biodiversität

Drei bis fünf Millionen Franken sollen im Thurgau pro Jahr zur Förderung der Artenvielfalt eingesetzt werden. Ein überparteiliches Komitee sammelte die nötigen Unterschriften für eine Gesetzesinitiative. Am vergangenen Freitag gab die Regierung bekannt, dass sie das Anliegen der Initianten unterstütze. Weder die Begriffe «Biodiversität» noch «biologische Vielfalt» kämen derzeit in Gesetzen oder Verordnungen vor. «Die Risiken und Nachteile eines weiteren Biodiversitätsverlusts rechtfertigen den mit der Umsetzung der Initiative ausgelösten Aufwand und die vorgesehenen Zusatzmittel von jährlich drei bis fünf Millionen Franken», schreibt der Regierungsrat in seinem Bericht über die Gültigkeit der Volksinitiative «Biodiversität Thurgau». Er gehe davon aus, dass mit diesen zusätzlichen Mitteln auch mehrere neue Vollzeitstellen geschaffen werden. (sme)

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