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«Arschgeige sagt man nicht»: Das Historische Museum Thurgau in Frauenfeld bietet eine neue Führung an

#letsmuseeum bietet ungewöhnliche Museumsführungen an. «Unser Credo ist, den Besuchern einen dynamischen und neuen Zugang in lokalen Museen zu bieten», sagt Gründerin Rea Eggli. Neu gibt es eine solche Führung auch im Historischen Museum Thurgau in Frauenfeld.
Rahel Haag
Die beiden Guides von #letsmuseeum vor dem Historischen Museum Thurgau: Antonella Barone und Tanja Breu. (Bild: Rahel Haag)

Die beiden Guides von #letsmuseeum vor dem Historischen Museum Thurgau: Antonella Barone und Tanja Breu. (Bild: Rahel Haag)

Vom Mittelalter und von Frauenfeld hatten sie keinen blassen Schimmer. Dennoch stehen Antonella Barone und Tanja Breu jetzt vor dem Historischen Museum Thurgau und warten auf die Teilnehmer ihrer nächsten Führung. Die Initiative #letsmuseeum will genau das: Keine Profis, sondern Fans sollen die Besucher durch ein Museum führen. «Und Fans sind wir unterdessen definitiv», sagt die 30-jährige Barone.

Der Spass steht im Vordergrund

Die Initiative #letsmuseeum existiert seit zwei Jahren. «Unser Credo ist, den Besuchern einen dynamischen und neuen Zugang in lokalen Museen zu bieten», sagt Gründerin Rea Eggli. So stehe bei ihnen der Spass im Vordergrund und weniger die Wissensvermittlung. «Wobei wir diese punktuell durchaus bieten.» Das Angebot gibt es in Zürich, Basel, Winterthur und neu in Frauenfeld.

«Das Historische Museum Thurgau hat uns angefragt, ob es möglich wäre, bei ihnen eine solche Tour anzubieten», sagt Eggli. Das Team von #letsmuseeum habe dann das Museum besichtigt und sei begeistert gewesen. Für eine Führung ist eine Anmeldung erforderlich. Der Eintritt beträgt 25 Franken. Die erste offizielle Tour findet am Freitag, 18. Oktober, statt. (rha)

Hinweis: Infos und Termine weiterer Führungen in Frauenfeld auf der Website von #letsmuseeum oder des Historischen Museums Thurgau.

Seit Juni stellen die beiden Frauen ihre Führung bereits zusammen. Sie dauert normalerweise 75 bis 80 Minuten. An diesem Samstag muss es aber etwas schneller gehen. Insgesamt drei 30-minütige Führungen finden im Rahmen des Kulturtages statt. Für Barone und Breu sind es die ersten mit echten, sprich fremden Teilnehmern.

Hier wurden keine Feinde mit heissem Öl übergossen

Die Führung beginnt bereits draussen. Die 31-jährige Breu deutet auf das Schloss Frauenfeld und sagt: «Ursprünglich stand hier nur der Turm.» Es handle sich um einen sogenannten Wehrturm, der aus Findlingen bestehe.

«Wer aber meint, dass hier Feinde mit heissem Öl übergossen wurden, liegt falsch»

sagt sie. Vielmehr sei der Turm mit der gehissten Fahne ein Zeichen von Besitzanspruch gewesen.

Drinnen geht es zuerst in den Waffenraum. An der Wand hängen mehrere Schwerter. Die Frage an die Teilnehmer: «Was meint ihr, welches wurde im Mittelalter im Kampf verwendet?» Der Tipp fällt auf jenes Exemplar mit einer rundherum gewellten Klinge. «Falsch», lautet die Antwort. Von diesen Waffen sei keine zum Einsatz gekommen.

Die Klingen seien viel zu lang, um sie in einer Schwertscheide mit sich herumzutragen. «Die Menschen waren im Mittelalter ja nicht grösser als heute», sagt Barone. Deshalb waren die Schwerter für den Kampf auch völlig ungeeignet. Breu sagt:

«Mit diesen Waffen wollte man nur zeigen: ‹Wir können’s, imfall.›»

Dann geht es hinauf auf den Turm. Schnaufend oben angekommen, gibt es als erstes einen Schnaps. Passend zum Thurgau einen «Sauren Apfel». Die beiden Frauen erzählen in aller Kürze, wie die Stadt zu ihrem Namen kam.

Gefängnisse gab es im Mittelalter noch nicht

Dann geht es auch schon wieder hinunter, die Zeit drängt. Der nächste Halt ist im Gerichtssaal. Hier seien die Menschen zwar verurteilt worden, «doch Gefängnisse gab es damals noch gar nicht», sagt Barone. Die Strafen hätten anders ausgesehen. Breu zählt auf:

«Köpfen, blenden, rädern oder die Halsgeige – nicht zu verwechseln mit der Arschgeige.»

Bei der Halsgeige seien der Kopf und die Hände des Verurteilten eingespannt worden und er so durch die Stadt geführt worden. «Aber Arschgeige sagt man nicht», meint Barone mit vorwurfsvollem Blick. Gerade im Mittelalter hätte das Probleme gegeben, «denn Fluchen war damals noch strafbar.»

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