Archäologie
Zum 10-Jahr-Jubiläum des Unesco-Weltkulturerbes in Hüttwilen erklären Archäologen die lange Zeitreise

Das Archäomobil machte zum 10-Jahr-Jubiläum des Unesco-Weltkulturerbes am Samstag vor der Mehrzweckhalle in Hüttwilen Halt. Erfahrene Archäologen informierten interessierte Besucher.

Manuela Olgiati
Merken
Drucken
Teilen
Vor dem Archäomobil erklärt Archäologe den Interessierten viel Wissenswertes über archäologische Funde im Nussbaumersee.

Vor dem Archäomobil erklärt Archäologe den Interessierten viel Wissenswertes über archäologische Funde im Nussbaumersee.

Bild: Manuela Olgiati

Erwachsene und einige Kinder haben sich um den umgebauten Bus versammelt. Die Archäologen holen aus dem Archäomobil präparierte Fundgegenstände vom Nussbaumersee. Alle original und sehr alt. Eine Besucherin bestaunt Schmuckperlen. Auch eine Spindel, Lederstücke und Textiles, Tonkrüge und Gefässe zeigte Archäologe Urs Leuzinger. Im Fundus befindet sich eine 1300 Jahre alte Kette, die einer bürgerlichen Frau gehörte. Auch ein zerbrochenes Glas erzählt Geschichte, sagt Leuzinger. Nach dem letzten Schluck Wein nämlich wurde das Glas beim Gang zur Toilette, in der «Latrine», entsorgt.

Urs Leuzinger, Archäologe.

Urs Leuzinger, Archäologe.

Bild: Manuela Olgiati

Auf dem Archäomobil sind Gesteinsschichten zu erkennen, davor Kisten mit Objekten, Ausgrabungen der Archäologen. Es ist eine faszinierende Zeitreise in Hüttwilen. Archäologin Simone Benguerel sagt:

«Das Seebachtal gehörte zu den archäologisch am besten erforschten Landschaften der Ostschweiz.»
Simone Benguerel, Archäologin.

Simone Benguerel, Archäologin.

Bild: Manuela Olgiati

Die erste Besiedlung war zwischen 870 und 850 vor Christus. Um 800 vor Christus stieg der Seepegel stark an, der Baugrund wurde unterspült, die Bewohner verliessen das Dorf. Später errichteten Menschen weitere Siedlungen.

Wegen schlechter Wasserqualität keine Fische mehr

«Menschen begannen vor 5000 Jahren sesshaft zu werden», sagt Archäologe Urs Leuzinger. «Die Wirtschaft war schon immer von der Landwirtschaft abhängig», ergänzt er. In der Eiszeit lebten Jäger und Sammler in der offenen Landschaft, 9000 vor Christus gab es Haselwälder, dann kamen die Pfahlbauer. Doch in der Bronzezeit wurde es schwierig mit einer schlechteren Wasserqualität, wo kein Fisch mehr im See schwamm. Zur Römerzeit wuchsen wieder Kastanien, Baumnussbäume und Reben, und die Villa Stutheien entstand. Die Archäologen können an Knochen und Gegenständen feststellen, wie die Menschen gelebt haben, wer sie waren – auch ob sie Parasiten vorwiesen oder ob sie gesund waren.

Simone Benguerel zeigt dieser Besucherin, wo sich einst Pfahlbausiedlungen beim Nussbaumersee befanden.

Simone Benguerel zeigt dieser Besucherin, wo sich einst Pfahlbausiedlungen beim Nussbaumersee befanden.

Bild: Manuela Olgiati

Seit 2011 gehören das kleine Inseli im Nussbaumersee, das Gebiet darum herum und die Halbinsel Horn zum Unesco-Weltkulturerbe. Zum 10-Jahr-Jubiläum des Unesco-Weltkulturerbes in Hüttwilen hat das Amt für Archäologie die neue Vitrine mit der Geschichte des Seebachtales im Eingangsbereich zur Mehrzweckhalle eingeweiht. In einer Sammelecke der Vitrine befinden sich Fundgegenstände von Hüttwiler Kindern: ein Schmetterling, Steine, Moos und Geäst. Benguerel sagt:«Kinder sind sehr interessiert.»

Das Archäomobil Ostschweiz ist in den Kantonen St.Gallen, Schaffhausen, Thurgau und Zürich seit Anfang Jahr an Schulen im Einsatz, ergänzt die Angebote des Museums für Archäologie des Kantons Thurgau und kann als mobiles Vermittlungsangebot in den Jubiläumsjahren 2021 (zehn Jahre Pfahlbauten als Unesco-Welterbe) und 2022 (100 Jahre Archäologie Thurgau) im Thurgau eingesetzt werden. Auch Museen und Gemeinden buchen das mobile Informationszentrum: www.archaeomobil.ch