Trotz Kurzarbeit ist im Thurgau die Arbeitslosigkeit um 50 Prozent angestiegen

Der Thurgau bezahlt bisher 111 Millionen Franken Kurzarbeitsentschädigungen an 3730 Unternehmen. Doch es kam auch zu Entlassungen.

Silvan Meile
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Regionales Arbeitsvermittlungszentrum Frauenfeld

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Bild: Donato Caspari

Die ausserordentliche Lage durch das Coronavirus liess Mitte März die Kurzarbeitsgesuche in die Höhe schnellen. «In den ersten vier Wochen trafen bei uns rund 4500 Gesuche ein», sagt Daniel Wessner, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Thurgau.

Am Donnerstag zog er eine weitere Zwischenbilanz. Seit dem Lockdown haben 6000 Thurgauer Unternehmer ein Gesuch für Kurzarbeit bewilligt bekommen. Doch die aktuellen Zahlen zeigen auch, dass viele Firmen offensichtlich ein Gesuch auf Vorrat einreichten, davon aber dann gar keinen Gebrauch machten. Von den 6000 Unternehmen, die coronabedingt die Möglichkeit hätten, für ihre Arbeitnehmer Kurzarbeitsentschädigungen zu beziehen, machten bisher «nur» 3730 Thurgauer Firmen tatsächlich davon Gebrauch. Insgesamt flossen so 111 Millionen Franken.

Daniel Wessner, Leiter des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit.

Daniel Wessner, Leiter des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit.

Bild: Andrea Stalder

Zahlreiche Firmen verzichten trotz bewilligtem Gesuch auf einen Bezug

Wessner sieht einerseits positive Gründe dahinter: «Offenbar haben viele Firmen vorsichtshalber Gesuche eingereicht und konnten dann doch auf den Bezug verzichten.» Anderseits ist es aber offensichtlich auch zu Entlassungen gekommen, ohne überhaupt vom Instrument der Kurzarbeit Gebrauch zu machen. Wessner sagt:

«Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit um 50 Prozent auf aktuell 2,6 Prozent angestiegen.»

Das sei zwar kein alarmierender Wert, auch weil sich diese Quote im Juli 2019 bei sehr tiefen 1,7 Prozent bewegte. Wessner rechnet aber damit, dass die Arbeitslosigkeit zumindest bis Ende Jahr weiter ansteigen werde, zumal die im Thurgau starke Exportindustrie die Folgen des Lockdowns eher verzögert zu spüren bekomme. «Bisher sind wir aber nicht von grösseren Massenentlassungen betroffen.»

Das Amt stellt auch Missbräuche fest

Von den 72313 Thurgauer Angestellten, die wegen Corona in die Kurzarbeit geschickt wurden, arbeiten die meisten noch immer nicht in ihren gewohnten Pensen, sagt Wessner. Die maximale Bezugsdauer beträgt 12 Monate. Anfang Juli hat der Bundesrat entschieden, diese Dauer auf 18 Monate zu erhöhen. Diese Änderung tritt per 1. September in Kraft. Ab dann gelten voraussichtlich für die Kurzarbeitsgesuche aber wieder die herkömmlichen Bedingungen. Wegen Corona galten seit März erleichterte beziehungsweise schnellere Verfahren.

In verschiedenen Fällen seien durch das Thurgauer Amt für Wirtschaft und Arbeit auch Missbräuche festgestellt worden, erklärt Wessner. Sie reichten von Nichtwissen über Unvermögen bis zur Einreichung gefälschter Unterlagen. Ausserdem seinen rund 400 Gesuche abgelehnt worden. Negativen Entscheid erhielten etwa die Spital Thurgau AG sowie öffentlich-rechtliche Transportunternehmen. Sogar politische Gemeinden habe es unter den Gesuchstellern gehabt.

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