Applaus und Erwartungen für Ueli Oswald in Berlingen

Im Dezember gab Ueli Oswald bekannt, dass er sich für das Gemeindepräsidium zur Wahl stellt. Obwohl der 60-Jährige der einzige Kandidat ist, sei er kein Lückenbüsser.

Rahel Haag
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Ueli Oswald ist der einzige Kandidat für das Berlinger Gemeindepräsidium. (Bild: Donato Caspari)

Ueli Oswald ist der einzige Kandidat für das Berlinger Gemeindepräsidium. (Bild: Donato Caspari)

Über ein Jahr hat es gedauert. Anfang Dezember 2017 hatte Gemeindepräsidentin Annemarie Moret bekanntgegeben, dass sie nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Doch es blieb still. Niemand im Dorf am Untersee bekundete Interesse, das Amt zu übernehmen. Dann kam er. An der Gemeindeversammlung vom 3. Dezember 2018 stand Ueli Oswald (FDP) auf und verkündete, dass er sich zur Wahl stellt.

Seit 1986 arbeitet der diplomierte Bauingenieur bei der Hunziker Betatech AG in Winterthur. Seit 20 Jahren ist er stellvertretender Geschäftsführer. Er sei nicht in die Bresche gesprungen, sagt Oswald, das sei die falsche Formulierung. «Ich habe gemerkt, dass es jemanden braucht, der das Schiffchen weitersteuert.» Nun trete er mit Überzeugung an, denn Berlingen liege ihm am Herzen.

Im ersten Moment abgeblockt

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion Ende August, die Oswald als Vereinspräsident der Männerriege organisierte und moderierte, hatte Moret bereits angetönt, dass er ein geeigneter Kandidat wäre. «Damals habe ich abgeblockt», sagt Oswald, «in dieser Runde wollte ich das Thema nicht weiter diskutieren.» Dann sei die Zeit verstrichen – und nichts passiert.

«Man kann niemanden überreden, ein solches Amt zu übernehmen.»

In Berlingen gäbe es viele gute, geeignete Leute. «Ich denke, die meisten trauen sich nicht so recht.» So nahm sich der 60-Jährige vor, seine Kandidatur an der Gemeindeversammlung bekanntzugeben, sofern sich bis dahin niemand meldet.

Lebt seit 33 Jahren am Untersee

Mit seiner Kandidatur rannte der Oswald offene Türen ein. «Dass es einen Szenenapplaus geben würde, hatte ich nicht erwartet», sagt er. Als eindrücklich beschreibt er die Situation, «g chrüselet» habe es ihn. Er lächelt. «Allerdings offenbart es auch eine Erwartungshaltung, die man nicht unterschätzen darf.» Noch sei er aber nicht gewählt, sagt er.

Seit 33 Jahren lebt Oswald in Berlingen. Hier ist seine Frau Maja aufgewachsen. Sie hätten das Glück gehabt, dass sie ihr Elternhaus übernehmen konnten.

«Beim Umbau habe ich damals noch selber Hand angelegt.»

Im November 1985 haben sie geheiratet. In Berlingen hat das Ehepaar einen Sohn und zwei Töchter grossgezogen. Obwohl Oswald in Winterthur arbeitet und dort bereits sein Studium absolvierte, sei ein Wegzug aus Berlingen nie in Frage gekommen.

«Berlingen ist so ein schöner Wohnort, den gibt man nicht einfach auf.»

Auch die Distanz zum Arbeitsort mache ihm nichts aus. Es sei eher so, dass er die Autofahrt brauche, um herunterzufahren. «Zudem hätte ich meine Frau nicht dazu bewegen können, nach Winterthur zu ziehen.» Er schmunzelt.

In die Politik sei er «hineingerutscht». 1993 habe man jemanden für die Berlinger Schulbehörde gesucht. «Ich bin einer, der nicht gleich Nein sagt.» Zudem habe ihn die Aufgabe interessiert. Später wurde Oswald Schulpräsident, bis 2009 war er Gemeinderat und seit 2010 sitzt er im Grossen Rat. Das Kantonsratsamt will er im Fall einer Wahl zum Gemeindepräsidenten aber aufgeben.

Ein Tag pro Woche in Berlingen

«Politik ist für mich ein Hobby und guter Ausgleich.» Bereits im Dezember hatte Oswald angekündigt, das Amt in einem 30-Prozent-Pensum ausführen zu wollen. «Wir werden sehen, ob das reicht», sagt er. In seinem Beruf, den er Vollzeit ausübt, könne er sich die Arbeit selber organisieren. Gleichzeitig werde er ein wenig kürzer treten.

«Feststeht, dass ich ein Tag pro Woche in Berlingen zur Verfügung stehen werde.»

Er werde aber nicht permanent «ume sii». «Das habe ich auch so kommuniziert und unter diesen Umständen habe ich mich zur Wahl gestellt.»

Wie lange er das Amt ausführen will, kann Oswald nicht sagen. «Ich will Verantwortung übernehmen», sagt er, «und, sofern die Gesundheit mitspielt, nicht sofort wieder aufhören.» Er habe sich auf die Fahne geschrieben, dass er seine Zeit in die Zukunft der Gemeinde investieren will. Er schaue lieber nach vorne als zurück.

Zur Vorbereitung auf das Amt sei ein intensives Gespräch mit Annemarie Moret geplant. «Aber erst nach der Wahl», sagt Oswald. Zudem wolle er an den letzten Gemeinderatssitzungen der laufenden Legislatur teilnehmen, um sich ein Bild zu machen und herauszufinden, wo der Schuh drückt. «Eines meiner Ziele ist zudem, den politischen Nachwuchs zu pushen.»

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