Antikapitalisten ziehen ohne Bewilligung durch die Frauenfelder Innenstadt

Am Donnerstagabend sind rund 25 vermummte Linksautonome ohne Bewilligung durch die Frauenfelder Strassen marschiert. Während sie vereinzelt Pyros und Rauchpetarden zündeten, schrien sie lautstark linkspolitische Parolen. Patrouillen der Kantonspolizei Thurgau lösten die Gruppierung schliesslich auf.

Samuel Koch
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Die vermummten RJT-Mitglieder beim Bahnhofsplatz Frauenfeld. (Bild: Facebook)

Die vermummten RJT-Mitglieder beim Bahnhofsplatz Frauenfeld. (Bild: Facebook)

«Freiheit für alle politischen Gefangenen»: Diese Parole erklang am Donnerstagabend kurz nach 20.15 Uhr immer wieder in den Strassen der Frauenfelder Altstadt. Schwarz gekleidet und vermummt mit Sturmmasken zogen rund 25 Linksautonome der Gruppierung «Revolutionäre Jugend Thurgau» (RJT) an der Katholischen Stadtkirche vorbei in Richtung Postkreisel, Bahnhofsplatz und Lindenpark. Vereinzelt zündeten sie Pyros und Rauchpetarden. «Bei Pyroschein und kämpferischen Parolen zogen wir gemeinsam mit Genossinnen und Genossen durch die Strassen Frauenfelds und bekundeten unsere Solidarität mit allen politischen Gefangenen und unseren Hass auf Polizei und Repressionsapparat», schreibt RJT im Internet. Besonders erfreut zeigt sich die Gruppierung «über die durchaus positive Resonanz aus der lokalen Bevölkerung».

Polizei weiss nichts von Sachbeschädigungen oder Tätlichkeiten

Dass es eine Demonstration gab, bestätigt auch Daniel Meili, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. Kurz vor 20.30 Uhr seien deshalb bei der Kantonalen Notrufzentrale zwei Meldungen eingegangen. Von Sachbeschädigungen oder Tätlichkeiten weiss die Polizei nichts. «Es war aus unserer Sicht problemlos, es gab keine Pöbeleien», meint Meili. Trotzdem griffen Polizei-Patrouillen die Gruppierung im Lindenpark auf und kontrollierten die Personalien der Demonstranten. «Die meisten sind junge Erwachsene und wohnen teilweise im Hinterthurgau oder im Kanton St.Gallen», sagt Meili. Ob es mögliche Verzeigungen gegen die Demonstranten gibt, ist derzeit bei der Polizei in Abklärung. Kenntnisse über andere RJT-Kundgebungen in letzter Zeit hat die Polizei nicht.

Klar ist, die Demonstration in der Thurgauer Kantonshauptstadt war nicht bewilligt. «Wir wussten nichts davon», sagt Stadtpräsident Anders Stokholm, der die Gruppierung selbst nicht gesehen hat, weil er an einer Tagung des Schweizer Städteverbands in Solothurn weilte.

«Wir werden der Gruppierung mitteilen, dass sie für Anfragen von künftigen Kundgebungen ein Gesuch bei der Stadt einreichen muss.»

meint Frauenfelds Stadtpräsident Anders Stokholm. Liegt ein solches vor, wägt die Stadt je nach aktueller Lage zwischen Demonstrationsrecht und dem Recht auf freie Meinungsäusserung einerseits sowie der Gefahr für die öffentliche Sicherheit andererseits ab. «Letztmals bewilligten wir im vergangenen Herbst eine Kundgebung im Quartier Talbach zum 100-Jahr-Jubiläum der Oktoberrevolution», meint Stokholm.

Abgelehnte Pegida-Demos 2016 und heftige Gefechte anfangs 2000er-Jahre

Hingegen auf Ablehnung bei der Stadt Frauenfeld stiessen im Frühjahr 2016 mehrere Anfragen für Demonstrationen der islamfeindlichen Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) sowie eine Anfrage zur Gegenbewegung der Thurgauer Juso. Denn die Stadt befürchtete Ausschreitungen und Gewalt. Eine linksautonome Gruppierung, das «Anarchistische Kollektiv Frauenfeld» zog letztmals im Februar 2014 durch die Thurgauer Kantonshauptstadt. Seither ist es ruhig geworden um diese Gruppe, wie ein Blick auf deren Internetseite zeigt. Der letzte Eintrag datiert vom Sommer 2014.

Heftige Gefechte zwischen verhassten Demonstranten gab es letztmals anfangs 2000er-Jahre, als in der Frauenfelder Innenstadt vermehrt Linksautonome auf Rechtsradikale trafen. Der negative Höhepunkt ereignete sich im Februar 2003, als Neonazis zwei Jugendliche bei einem Überfall eines Ska-Konzerts im Eisenwerk halbtot prügelten.

Pegida ins Leere marschieren lassen

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Neonazis prügelten vor 13 Jahren zwei Jugendliche halbtot

Es ist anzunehmen, dass sich das Stoffbanner des «bunten Frauenfelds» gestern im Lindenpark gegen den geplanten Pegida-Aufmarsch richtete. Möglicherweise flatterte der Stoff mit den farbigen Buchstaben aber auch als mahnende Erinnerung an die Nacht vom 26. auf den 27. Februar 2003.

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