Interview
«Vor meiner Abreise habe ich die Aborte geputzt»: Pater Anselm Grün war in der Kartause Ittingen zu Gast

In der Kartause Ittingen hat der deutsche Pater Anselm Grün eine musikalische Meditation abgehalten.

Christine Luley
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Pater Anselm Grün war zu Besuch in der Kartause Ittingen. (Bild: Benjamin Manser (17. August 2018))

Pater Anselm Grün war zu Besuch in der Kartause Ittingen. (Bild: Benjamin Manser (17. August 2018))

Er zieht die Massen magisch an: Pater Anselm Grün, der im Benediktinerkloster Münsterschwarzbach bei Würzburg lebt. Jährlich hält er rund 200 Vorträge – auch im Ausland. Zudem ist er ein erfolgreicher Buchautor. Am Freitag war er in der Remise in der Kartause Ittingen zu Gast. Vor der Veranstaltung mit dem Titel «Bilder der Seele» hat er mit unserer Zeitung gesprochen.

Sie halten als Mönch zahlreiche Vorträge. Kam es deswegen schon zu Spannungen mit Ihren 90 Mitbrüdern?

Anselm Grün: Das Zusammenleben im Orden ist eine ständige Herausforderung. Gleichzeitig ist die Gemeinschaft eine wichtige Quelle der Selbsterkenntnis. Sie hält einen am Boden, da kann man nicht abheben.

Wie sieht Ihr Leben in der Gemeinschaft aus?

Im Alltag lebe ich ganz normal – wie jeder andere Mönch auch. Ich verfüge über keinen speziellen Status. Vor meiner Abreise hierher habe ich noch die Aborte auf dem Gang geputzt. Alle vier Wochen bin ich dran.

Wie lassen sich Ihre vielen Engagements mit der Ordensregel vereinbaren?

Es gibt Ausnahmen, heute habe ich beispielsweise nicht an der Vesper teilgenommen. Doch nach dem Anlass hier in der Kartause Ittingen fahre ich zurück, stehe wie die anderen früh auf und bin um 6 Uhr im Chorgebet. Eigentlich ist es vielmehr so, dass es mir die Ordensregel überhaupt erst erlaubt, dieses Programm so zu leben.

Inwiefern?

Sie lässt mich nicht ausufern. Gleichzeitig freue ich mich auf die freie Zeit am Sonntagnachmittag. Diese setze ich zum Schreiben ein.

Was inspiriert Sie zu einem neuen Buch?

Ich möchte auf das eingehen, das die Menschen bewegt. In den Gesprächen tauchen immer wieder Fragen auf. Diese möchte ich beantworten.

Dann geben diese Begegnungen die Themen vor?

Manche Themen kommen von mir, andere Anregungen vom Verlag. Ich kann nicht einfach über alles schreiben, sondern muss auch schauen, was mich anspricht. Das Schreiben muss Freude machen.

Im vergangenen Jahr veröffentlichten Sie ein Buch mit dem Titel «Engel – 50 himmlische Begegnungen.» Stehen Sie tatsächlich mit Engeln in Kontakt?

Engel sind für mich Begleiter und Boten Gottes. Ich habe keine solchen Erfahrungen, dass man Engel antelefonieren kann oder wie auch immer. Engel sind unverfügbar, genau wie Gott. Esoteriker meinen, man könne über sie verfügen und quasi Bestellungen abschicken.

Zum Schluss noch eine Frage: Mit dem Advent beginnt das neue Kirchenjahr. Welche Hoffnungen verbinden Sie damit?

Die Hoffnung nach Erneuerung. Momentan sind beide Kirchen in Deutschland in der Kritik wegen Missbrauchsfällen. Ich wünsche ihnen, dass sie sich aus der eigenen inneren Quelle erneuern und für die Gesellschaft ein Zeichen der Hoffnung und Versöhnung sind.