Angriff auf Thundorfer Gemeindepräsidenten

Die Thundorfer Stimmberechtigten genehmigten das Budget 2019 mit grosser Mehrheit. Im Anschluss kritisierte eine Bürgerin aber die Vorgehensweise bei der Überbauung im Dorfzentrum.

Désirée Wenger
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An der Gemeindeversammlung in Thundorf war die Stimmung zeitweise angespannt. (Bild: Désirée Wenger)

An der Gemeindeversammlung in Thundorf war die Stimmung zeitweise angespannt. (Bild: Désirée Wenger)

Alois Hersche eröffnete am Montagabend seine zweitletzte Gemeindeversammlung als Gemeindepräsident und musste sich einiges anhören. Eine Bürgerin, die sich selber als «Buhfrau» bezeichnete, kritisierte die Vorgehensweise bei der Überbauung im Dorfzentrum aufs Schärfste und forderte Hersche mehrmals auf, sich zu rechtfertigen, was dieser verweigerte:

«Wir sichern uns ab, alles nur noch schriftlich, ich gebe keine mündliche Auskunft mehr dazu.»

«Keine Antwort ist auch eine Antwort», sagte die Bürgerin daraufhin.

Die Stimmung war angespannt, besonders als ein weiterer Bürger das Wort ergriff und seine Gemütslage als aufgewühlt bezeichnete. Er sei aufgebracht darüber, dass einige Bürger dem neuen Gemeinderat keine Chance und keine Offenheit entgegenbringen wollten. Dennoch sei er zuversichtlich, dass man wieder miteinander sprechen und Lösungen finden werde. Für seine schlichtenden Worte erntete er Applaus.

Kopfschütteln im Gemeindesaal

Doch da meldete sich die «Buhfrau» nochmals zu Wort und sagte, sie sei nicht gegen die Überbauung und hoffe, dass das Recht eingehalten werde. Vielleicht gäbe es ja diese Chance mit einem neuen Gemeindepräsidenten, bei dem es bürgerfreundlicher zu- und hergehe.

Dieser Affront gegen den abtretenden Alois Hersche sorgte für viel Kopfschütteln im Gemeindesaal. Hersche sagte, es sei eine Unterstellung, dass unter ihm das Recht nicht eingehalten werde. Die grosse Mehrheit der Bürger teilte seine Empörung.

Zu Beginn der Versammlung hatte Hersche noch gesagt:

«Schenkt dir das Leben Zitronen, so mach Limonade draus – und wir haben letztes Jahr ganz schön viel Limonade gemacht.»

Seine Aussage hatte sich auf die Beschwerden bezogen, die wegen der umstrittenen Handyantenne im vergangenen Jahr eingegangen waren. Zudem hatte er weitere Anliegen, wie die Zonenplanrevisionen oder das Thema Windenergie resümiert.

Thurgauer Gemeinden wehrten sich mit Erfolg

An diesem Abend wurde auch das Projekt der Periodischen Wiederinstandstellung von Flur- und Waldstrassen, kurz PWI, vorgestellt. Dieses soll Strassen in Waldnähe in erster Dringlichkeit sanieren. Nachdem der Regierungsrat die PWI-Beiträge von Bund und Kantonen streichen wollte, wehrten sich einige Thurgauer Gemeinden. Mit Erfolg, sodass es nun zu einem erneuten Antrag kam, welcher momentan vom Landwirtschaftsamt Thurgau geprüft wird.

Das Budget 2019 weist ein Minus auf

Conelia Fäh, welche die Finanzen seit Februar 2018 für den Gemeinderat führt, präsentierte das Budget 2019 nach dem neuen Rechnungsmodell HRM2. Bei gleichbleibendem Steuerfuss von 52 Prozent wird die Gemeinde mit dem Budget heuer gut 52000 Franken im Minus sein. «Für mich ist das aber eine rote Null», sagte Fäh, «denn die Schwankung beträgt im Vergleich zum Vorjahr nur 1,1 Prozent».

Die Belastung des Budgets geht auf Investitionen für das Reservoir Hard, Strassenbau, neue Parkplätze sowie weitere Unterflurcontainer zurück. Trotzdem bekräftigt Hersche: «Wir sind nicht ärmer geworden.» Das Budget wurde mit nur zwei Gegenstimmen angenommen. (dew)

Zudem wurden neun neue Parkplätze beim Dreispitz und die Verlegung sowie die Einführung eines Fussgängerstreifens angekündigt. Letzteres hatte anfangs zu Einsprachen geführt, welche mittlerweile aber zurückgezogen wurden. Der Einbürgerung des gebürtigen Wieners Benedict Seeling stimmten die Stimmberechtigten grossmehrheitlich zu.

Zum Schluss wurden noch Ehrungen genannt, wie die Leistungen einiger Sportnachwuchstalente und die Dienste von Freiwilligen. Nach einer intensiven Versammlung leerte sich der Gemeindesaal rasch. Viele der Stimmberechtigten wirkten noch immer aufgewühlt ob der hitzigen Diskussionen und heftigen Anschuldigungen.