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Angeklagte im Frauenfelder Kebab-Fall beteuern ihre Unschuld

Zweifel an der Unschuld reichen nicht für eine Anklage, sagen die Verteidiger der Beschuldigten im Frauenfelder Kebab-Fall. Sie fordern vollumfängliche Freisprüche.
Stefan Hilzinger
Zubereitung von Kebab-Fleisch. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Zubereitung von Kebab-Fleisch. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Schon die Wortwahl wirkt. Während der Staatsanwalt meist mit ironisch-zweifelndem Unterton von «Onkel Faik» spricht, nennt der Verteidiger des Hauptbeschuldigten den fraglichen türkischen Kreditgeber stets «Rechtsanwalt M. in Ankara». Diese Woche gingen vor Bezirksgericht Frauenfeld Tag zwei und drei der Verhandlungen eines Falles von mutmasslicher Wirtschaftskriminalität in der Kebab-Branche über die Bühne.

Die Verteidiger des Hauptangeklagten I. A. und seines mitangeklagten Sohnes E. A. hielten ihre Plädoyers. Beide fordern vollumfängliche Freisprüche für ihre Mandanten, in Teilpunkten gar Einstellung des Verfahrens.

Wem will man nun Glauben schenken?

Letztlich geht es um die Glaubwürdigkeit der Parteien. Das sagen sowohl die Vertreter von Anklage und Privatklägerschaft als auch die Fürsprecher der Beschuldigten. Denn hieb- und stichfeste Beweise, dass Geschäftspartner I. A. beim Ausliefern von Kebabspiessen einkassierte Barbeträge mehrfach nicht abgeliefert habe und mit den so ergaunerten rund 150000 Franken seinem Sohn eine Konkurrenzfirma finanziert habe – solche Beweise gibt es nicht und auch keine Geständnisse. Doch für den Staatsanwalt lassen die Akten keinen anderen Schluss zu, als den auf gemeinschaftliche illegale Machenschaften.

Strittig ist unter anderem die rechtliche Stellung von I. A. als Miteigentümer der Kebab-Produktionsfirma in der Region Frauenfeld. I.A. sei zwar mit 49 Prozent an der AG beteiligt, doch als Minderheitsaktionär habe er lediglich die Anweisungen von Hauptaktionär und Privatkläger P. S. befolgt, sagt sein Verteidiger. Die Lage der Firma sei komplex und verworren gewesen, was aber nichts mit seinem Mandanten zu tun habe als vielmehr mit P. S., der sich nun als Opfer darstelle, in Tat und Wahrheit aber die Firma beherrscht habe. Der Strafverteidiger wörtlich:

«Mein Mandant hat zwar einen Sinn fürs Praktische, aber keine fundierten wirtschaftlichen Kenntnisse.»

Der Verteidiger geht auch auf die Besonderheiten der Branche ein, «wo Barzahlung absolut vorherrscht und Zahlungsverzüge die Regel und nicht die Ausnahme sind». Es sei an P. S. gewesen, hier für Transparenz und Kontrolle zu sorgen. Er habe seine Verantwortung nicht wahrgenommen. «Es gibt in der Firma zwar viele Fragen, aber keinen klaren Tatverdacht», sagt der Verteidiger. Das Verfahren gegen seinen Mandanten sei haltlos und gehöre schon längst eingestellt.

«Es wird erwartet, dass man sich in der Familie hilft»

Die Staatsanwaltschaft sagt, dass die Mittel für den Aufbau der Konkurrenzfirma durch den Sohn aus den vom Vater unterschlagenen Einnahmen stammen. Die Beschuldigten geben eine Erbschaft und ein Darlehen eines Verwandten in der Türkei als Quelle an. Seitens des Rechtsanwaltes M. aus Ankara reichte einer der Verteidiger Grundbuchauszüge nach. Die sollen belegen, dass M. Liegenschaften verkauft habe, um die 400000 Lira zu beschaffen. Die umgerechnet 200000 Franken seien in der Folge in mehreren Tranchen meist bar in die Schweiz gelangt. «Es wird erwartet, dass man sich innerhalb der Familie hilft», sagt der Verteidiger.

Weitere 135000 Franken stammten von einer unverteilten Erbschaft seitens des Grossvaters des Mitangeklagten E. A, die sein Vater treuhänderisch verwaltet habe. Dies bezweifelt der Staatsanwalt, weil die Beträge nirgends oder auffällig spät in Steuererklärung oder Buchhaltung aufgetaucht seien. Ausserdem habe E. A. im Verfahren bezüglich Mittelherkunft widersprüchlich ausgesagt. Es müsse der kulturelle Hintergrund der Beschuldigten mitberücksichtigt werden, sagt E. A.s Verteidiger:

«Es mag zwar unverständlich erscheinen: Doch der Transport grösserer Barbeträge und das Horten grösserer Summen zu Hause ist in der Türkei gängig – und im Übrigen auch hierzulande nicht verboten.»

Der Sohn habe die Mittelherkunft nicht offenlegen wollen, um nicht Begehrlichkeiten seitens der Verwandtschaft zu wecken. In ihren Entgegnungen auf die Plädoyers bleiben Staatsanwalt und Privatklägerschaft erwartungsgemäss bei ihren Darstellungen.

«I. A. war der Chef der Firma. Er kannte die Kunden, die Abläufe und den Markt. Er hatte einen himmelweiten Wissensvorsprung vor meinem Mandanten»,

sagt der Anwalt des Privatklägers. Zumindest seltsam sei überdies, dass I. A und E. A gegenüber ihrem Kreditgeber, dem Rechtsanwalt M., angegeben haben wollen, sie benötigten das Geld für den Aufbau einer Bank für Auslandstürken.

In ihrem Schlussvoten beteuern Vater und Sohn, nichts Ungesetzliches getan zu haben. «Es ist ein Cliché, doch ich sage die Wahrheit: Ich bin unschuldig», sagt der Sohn, nachdem er sich bei der Staatsanwaltschaft entschuldigt hatte, nicht immer sofort auf alle Fragen wahrheitsgetreu geantwortet zu haben.

Welche Stellung hat der Hauptbeschuldigte?

Staatsanwaltschaft und Privatklägerschaft auf der einen und die beiden Strafverteidiger auf der anderen Seite sind sich uneins, ob dem Hauptbeschuldigten I. A. in der mit Privatkläger P.S. gemeinsam gehaltenen Firma zur Produktion von Kebabspiessen eine «Organstellung» zukomme.
Bei einer Aktiengesellschaft sind etwa alle Mitglieder des Verwaltungsrates unabhängig davon, welche Aufgaben sie tatsächlich erfüllen, Organ im rechtlichen Sinn. Die natürlichen Personen sind verpflichtet den Geschäftszweck der Firma, einer juristischen Person, zu verfolgen. Wer dies nicht tut oder dem Geschäftszweck gar zuwiderhandelt, kann sich als Organ der ungetreuen Geschäftsführung schuldig machen.
Nebst der formellen Organstellung, etwa als Verwaltungsratspräsident, gibt es auch eine faktische Organstellung. Im Falle von I. A., ist der Staatsanwalt der Überzeugung, dass I. A. als Gründer und Mitaktionär in der Firma faktische Organstellung gehabt habe. Sein Verteidiger bestreitet dies. I. A habe als Angestellter lediglich nach Anweisungen von VR-Präsident und Mehrheitsaktionär P. S. gehandelt. (hil)

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