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Bichelseer Hilfswerks-Geschäftsführer nach Besuch in Niger: «Der Anblick der Zerstörung schmerzt»

Jan Probst stammt aus Bichelsee und ist Geschäftsführer von «Kirche in Not». Kürzlich besuchte er Christengemeinden in Niger. Im Interview berichtet er von seinen Eindrücken.
Interview: Stefan Treier*
Jan Probst, Geschäftsführer «Kirche in Not», mit Schwester Catherine Kingbo in Niger. (Bild: PD)

Jan Probst, Geschäftsführer «Kirche in Not», mit Schwester Catherine Kingbo in Niger. (Bild: PD)

Herr Probst, was hat Sie motiviert, in die Republik Niger zu reisen?

Jan Probst: Es ging darum, den Christen als Minderheit zu zeigen, dass sie in der Schweiz nicht vergessen sind. Sie müssen wissen, dass «Kirche in Not» mit ihnen solidarisch ist. Zudem wollte ich mir einen Überblick über unsere geleistete Arbeit verschaffen. Ich nahm bewusst das Risiko in Kauf, in ein Land zu reisen, in dem Terrornetzwerke aktiv sind, die sich vorwiegend mit Entführungen von Zivilisten aus dem Westen finanzieren.

Was waren Ihre unmittelbaren Eindrücke?

Niger ist laut der UNO eines der ärmsten Länder der Welt. Die Menschen sind mit Hungersnöten, Dürren, Heuschreckenplagen, weitverbreitetem Analphabetismus, sowie mit Uran verseuchten Böden konfrontiert. Die weitverbreitete Perspektivenlosigkeit in der Bevölkerung liegt auch daran, dass Niger als weltweiter Spitzenreiter bei der Geburtenrate gilt. Immer wieder traf ich Familien mit bis zu 40 Kindern. Mädchen werden oft bereits mit elf Jahren zwangsverheiratet. Einmal sah ich vier Kinder zusammen. Auf meine Nachfrage hin bestätigte das 14-jährige Mädchen, dass sie die Mutter der drei anderen Kinder sei.

Die Christen sind in der Republik Niger eine Minderheit. Wie ist das Verhältnis zwischen ihnen und den Muslimen?

Ursprünglich galten die Beziehungen zwischen Muslimen und anderen Glaubensgemeinschaften als gut. 2015 wird der Religionsfrieden im Land beschädigt, nachdem es in Niger wegen der Mohammed-Karikaturen des französischen Magazins «Charlie Hebdo» zu gewalttätigen Demonstrationen kam. Der Hass der Islamisten richtete sich vorwiegend gegen Christen. Zehn Menschen wurden getötet und binnen weniger Stunden 72 Kirchen, Pfarrhäuser, zahlreiche Schulen sowie Nahrungsverteilzentren für Arme und von Christen betriebene Geschäfte angegriffen und in Schutt und Asche gelegt. In vier Stunden wurden 80 Prozent der christlichen Kirchen im Land zerstört. Ich sah die abgefackelte katholische Kirche mit Pfarreizentrum der Stadt Zinder. Auch drei Jahre nach dem Angriff schmerzt der Anblick noch immer. Aber die Kirche lebt, und die Christen sind nach den Gewalttaten noch enger zusammengerückt. Generell spürte ich aber, dass den Christen nicht auf Augenhöhe begegnet wird.

Können die Christen ihren Glauben frei leben?

Die kleine katholische Gemeinschaft im Niger geniesst wegen ihres sozialen und karitativen Engagements weitgehend Bewunderung. Die Kirche betreibt zahlreiche Kindergärten, Krankenhäuser und Krankenstationen. Die noch junge und als fortschrittlich geltende Verfassung von Niger sieht eine klare Trennung von Staat und Religion vor. Diese Freiheit nutzen aber auch islamistische Organisationen für den Versuch, radikale Ideen im Land zu verbreiten. Muslime, die sich christlich taufen lassen, erfahren eine massive Ablehnung in Familien und Gesellschaft.

Welche Projekte stehen für «Kirche in Not» im Niger an?

In Niger geht es darum, Christen beizustehen, die viel Gutes zum Gemeinwohl des Landes beitragen. «Kirche in Not» unterstützte in den vergangenen drei Jahren Projekte für rund 440 000 Franken. Im Fokus stehen immer noch die 2015 zerstörten Kirchen, die wieder aufgebaut werden müssen. Doch auch andere Aktivitäten der Kirche sind zielstrebig weiterzuführen.

Hinweis

*Der Autor ist ehemaliger Gemeindeschreiber von Wohlen AG.

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