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An der Thurgauer Kantonsgrenze haben Bohrungen für ein mögliches Atomendlager begonnen

In der unmittelbaren Nachbarschaft zum Thurgau haben Sondierungstiefenbohrungen für ein potenzielles Atomendlager begonnen.
Thomas Güntert
In Trüllikon (ZH) haben diese Woche die Sondierungsbohrungen für ein potenzielles Atommüll-Endlager begonnen. (Thomas Güntert)

In Trüllikon (ZH) haben diese Woche die Sondierungsbohrungen für ein potenzielles Atommüll-Endlager begonnen. (Thomas Güntert)

Die Nagra, die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle, hat am Dienstag in Trüllikon (ZH), unmittelbar hinter der Thurgauer Kantonsgrenze, die zweite von mehreren Sondierungstiefbohrungen gestartet. Damit soll das geologische Gesamtbild der potenziellen Standortregionen Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost vervollständigt werden.

Aufgrund der Erkenntnisse soll bis 2022 der sicherste Standort für ein Atomendlager bestimmt werden. Insgesamt hat die Nagra auf den drei Standorten 23 Gesuche für Tiefbohrungen eingereicht. Wie viele Bohrungen tatsächlich durchgeführt werden, hängt von den Ergebnissen ab. Markus Fritschi, stellvertretender Vorsitzender der Nagra-Geschäftsleitung, rechnet mit zwei Bohrungen pro Standort. Die Kosten pro Bohrung beziffert er auf 15 Millionen Franken.

Auf der Baustelle in Trüllikon arbeiten in den nächsten sechs bis neun Monaten bis zu 40 Personen. Gebohrt wird rund um die Uhr. Da es in der Nähe vom Bohrplatz keine ausreichende Stromversorgung gibt, sind Notstromaggregate im Einsatz, die zu gewissen Emissionen führen. In Trüllikon wird bis auf eine maximale Tiefe von 2000 Meter gebohrt.

Gesteinsproben kommen in Kühlcontainer

Der Einsatz der englischen Bohrfirma verzögerte sich um zwei bis drei Monate, da das Tiefbohrgerät in England blockiert war. Bei der Vertikalbohrung werden die unterschiedlichen Bohrstangen mit einem Revolvermagazin eingeführt, verschraubt und täglich bis 20 Meter tief gebohrt. Zuerst wird das Gestein im Bohrloch durch Meissel verkleinert und das Bohrklein durch eine Bohrspülung an die Oberfläche gefördert. Bei den Kernbohrungen werden aus dem Opalinuston-Wirtgestein und den unmittelbar darunter und darüber liegenden Gesteinsschichten mit Bohrkronen drei Meter lange Bohrkerne ausgefräst, die mit einem Seilzug durch ein Innenrohr hochgezogen werden.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Thurgau

Die Gesteinsproben kommen in Kühlcontainer, damit sie bei gleichen Temperaturen wie beim Bohrzeitpunkt auf Tiefenlage, Mächtigkeit und Barrieren-Eigenschaften untersucht werden können. Die meisten Untersuchungen werden an der Uni Bern durchgeführt, einige Proben werden aber nach Japan verschickt. Im Rahmen der Bohrung werden auch Untersuchungen zu den bautechnischen Verhältnissen im Untergrund durchgeführt und abgeklärt, inwieweit südwestlich der Neuhausen- Störung mit einer kleinräumigen tektonischen Beanspruchung des Wirtgesteins zu rechnen ist.

Schrägbohrungen in den Thurgau nicht vorgesehen

Falls durch seismische Messungen eine Störung im erweiterten Umfeld erkannt würde, würde das Gestein mit einer zusätzlichen Schrägbohrung untersucht. Bei einer Neigung von 20 bis 30 Grad und einer Bohrtiefe von rund 1300 Meter könnte auch Thurgauer Hoheitsgebiet betroffen sein.

«Die Schrägbohrungen sind bereits vom Bund bewilligt», sagte Markus Fritschi. Doch derzeit sind noch keine Schrägbohrungen vorgesehen. Der Gesamtprojektleiter Maurus Alig zog einen Vergleich mit der Medizin: «Die Seismik ist wie ein Ultraschall und die Bohrungen wie eine Gewebeuntersuchung.»

Die dritte Tiefbohrung wird ebenfalls am Standort Zürich Nordost durchgeführt. Zwischen der Gemeinde Marthalen und dem Weiler Radhof wird bereits der Bohrplatz eingerichtet, wo das Bohrgerät vom Standort Nördlich Lägern zum Einsatz kommt, das bei Bülach die erste Tiefbohrung durchführt.

Markus Fritschi betont, dass die Nagra bei ihrer Arbeit grossen Wert auf die Information der Bevölkerung legt. Auf allen Bohrplätzen ist eine jederzeit frei zugängliche Aussichtsplattform eingerichtet. Und ab zehn Personen gibt es kostenlose Führungen. Zudem ist unter der Telefonnummer 0800 437 333 eine Gratis-Hotline eingerichtet.

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