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Mondfinsternis auf dem Frauenfelder Stählibuckturm: An der Farbe muss man noch arbeiten

Blutrot war der Mond zwar nicht, der sich am Freitagabend über der Kantonshauptstadt zeigte. Ein Erlebnis war es dennoch, die totale Mondfinsternis am Himmel zu beobachten. Die Sternwarte Oberherten hatte dafür auf den Stählibuckturm geladen.
Evi Biedermann
Auf dem Stählibuckturm: Die Blicke gehen gen Himmel. (Bild: Reto Martin)

Auf dem Stählibuckturm: Die Blicke gehen gen Himmel. (Bild: Reto Martin)

Es gab wohl kaum jemanden, der am Freitagabend nicht zum Himmel hochschaute und dort den Mond suchte. Luna, wie der Himmelskörper auf Lateinisch heisst, werde als blutrote Kugel erscheinen, hatte es in den Tagen zuvor in den Medien geheissen. In Frauenfeld bot die Sternwarte Oberherten eine Führung auf dem Stählibuckturm an. Gut 30 Personen waren versammelt, als diese um 20.45 Uhr begann.

«Staub oder Asche, wie etwa nach einem Vulkanausbruch, lässt den Mond dunkler erscheinen.»
(Jürg Schadegg, Sternwarte Oberherten)

Entgegen den Erwartungen ging der Blick nach Westen, wo kurz darauf die Sonne am Horizont verschwinden sollte. Denn im Osten war noch nichts los. «Der Mond geht erst auf, wenn die Sonne untergegangen ist», erklärte Sternwarteleiter Jürg Schadegg. Sein astronomisches Fernrohr mit 1000 Millimeter Brennweite hatte er auf die untergehende Sonne gerichtet. Wer wollte, konnte hindurchschauen.

Eng und laut auf dem Turm

Bald standen etwa 50 Personen auf dem Turm. Langsam wurde es eng und auch lauter. Einige diskutierten über Ferienpläne oder berufliche Werdegänge, andere hantierten an ihren Kameras herum. Plötzlich rief jemand: «Da ist er! Der Mond!» Alle schauten gespannt nach Osten, wo sich in einiger Entfernung zum Horizont eine hellrötlich gefärbte Sichel zeigte. Man musste gut schauen, um es gleich zu sehen, denn das Auge musste sich zuerst an die etwas dunstige Sicht gewöhnen. Bis die Konturen der ganzen Rundung erkennbar waren, dauerte es weitere Minuten. Das Bild jedoch blieb blass. Es war ja auch noch nicht dunkel, und zudem hatte Jürg Schadegg zu Beginn der Veranstaltung gesagt, dass die Farbe des Mondes vom Zustand der Atmosphäre abhänge. «Staub oder Asche, wie etwa nach einem Vulkanausbruch, lässt den Mond dunkler erscheinen.» Dennoch: Die Begeisterung für das Spektakel hielt sich in Grenzen. «Ein Blutmond ist das nicht», flüsterte eine Frau ihrer Nachbarin zu, meinte dann aber: «Schön ist das Ganze trotzdem.» Zweifellos hatte sie recht, denn auf dem Turm wehte ein angenehmes Lüftchen, und der Himmel bot nebst dem aufgehenden Mond weitere Highlights.

Es passiert viel am Nachthimmel

So sorgte er für eine heitere Episode. Nur wenig unter dem Mond leuchtete der Mars, auch er in ungewohnter Stärke. Ein paar Frauen hielten diesen Leuchtpunkt für das Licht auf dem Säntisgipfel. So abwegig war das nicht, denn der Berg selber und seine Nachbarn waren bereits im Dunst der Dämmerung verschwunden. Als dann das Licht und der Mond, die im gleichen Abstand zueinander wanderten, höher und höher stiegen, klärte sich der Irrtum: So hoch, wie der leuchtende Punkt stand, war der Säntis definitiv nicht. Zu den Highlights zählten an diesem Abend auch die Sterne, die immer mehr wurden, je länger man in den Himmel schaute. Wenn einer von ihnen abrupt verschwand, war es wohl ein Flugzeug, das den Kurs wechselte. Plötzlich tauchte ein Punkt auf, der sich mit sichtbarem Tempo nach Osten bewegt: die ISS (International Space Station). Der bemannte Satellit kreist mit einer Geschwindigkeit von 7,6 Kilometern pro Sekunde um die Erde.

Während der Mondfinsternis: der Mond über Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Während der Mondfinsternis: der Mond über Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Am Schluss der gelbe Vollmond

Die Nacht war mittlerweile tiefschwarz, und der Mond war zur Hälfte rostrot. Die ersten Besucher waren gegangen. 103 Minuten hatte die längste Mondfinsternis dieses Jahrhunderts gedauert. In dieser Zeit hatte der Mond den Kernschatten der Erde durchwandert. Wer bis Mitternacht ausharrte, dem leuchtete er den Heimweg mit voller Stärke, denn ab dann zeigte er sich wieder so, wie wir den Vollmond kennen: hell und kugelrund in Gelb.

Sternwarte Oberherten: http://avf.astronomie.ch/oberherten.html

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