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An den Schifffahrtszeichen auf dem Hochrhein scheiden sich nach einem tödlichen Unfall die Geister

In diesem Jahr haben sich auf der Hochrheinstrecke zwischen Öhningen und Büsingen zahlreiche Unfälle ereignet. Häufiger Grund für die Zwischenfälle waren die 50 grün-weissen Schifffahrtszeichen, welche motorisierten Gefährten den Weg vorbei an Untiefen und Steinen weisen. Als Folge einer Kollision mit einer sogenannten Wiffe verlor zuletzt ein 25-Jähriger sein Leben.
Samuel Koch
Ein Boot bleibt an einer Wiffe hängen. Die Insassen konnten sich ans Ufer retten. (Bild: PD/Kapo Thurgau/2012)

Ein Boot bleibt an einer Wiffe hängen. Die Insassen konnten sich ans Ufer retten. (Bild: PD/Kapo Thurgau/2012)

Alle Reanimationsversuche blieben erfolglos. Der Ausflug im Gummiboot auf dem Rhein zwischen Wagenhausen und Diessenhofen vor ein paar Tagen endete für einen 25-jährigen Frauenfelder tödlich. Nachdem das Boot mit der Wiffe 53 auf Höhe Hemishofen kollidierte, schleuderte es den Mann ins Wasser.

Während sich seine 29-jährige Begleiterin ans Ufer retten konnte, rückten Rettungskräfte aus und suchten den Vermissten. Nach einer intensiven Suchaktion konnten sie ihn beim Gasthaus Schupfen in Diessenhofen aus dem Wasser ziehen und starteten die Reanimationsversuche – leider vergeblich.

Alleine in diesem Sommer ereigneten sich auf der Hochrheinstrecke zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen über eine Handvoll Zwischenfälle mit Schifffahrtszeichen, sogenannten Wiffen. Glücklicherweise nicht immer mit tragischem Ende: Mal zerschellte ein Weidling an einer Wiffe, ein anderes Mal stiess ein Gummiboot in eine Wiffe, woraufhin die Rettungskräfte über eine Stunde umsonst nach den vermeintlich Vermissten suchen, die sich derweil längst auf den Nachhauseweg gemacht hatten.

Die insgesamt 50 Wiffen auf der Hochrheinstrecke zwischen dem Landesteg Öhningen und Büsingen mit den hochkant stehenden grünweissen Quadraten auf den im Wasser stehenden Eichenpfählen zeigen Schiffsführern die Fahrrinne an, wobei auf der weissen Seite Untiefen und Gefahrenstellen wie Steine zu erwarten sind.

Staatsvertrag aus den 70ern regelt den Unterhalt

Nach Unfällen mit Todesfolge wie kürzlich kommen unweigerlich Fragen auf, wie die Behörden solchen tragischen Unglücken vorbeugen können. – «An den Wiffen scheiden sich die Geister», meint Dino Giuliani vom Tiefbauamt Schaffhausen, das laut Staatsvertrag aus den 70er-Jahren zwischen den Kantonen Thurgau und Schaffhausen sowie dem Landratsamt Konstanz für den Unterhalt der Wiffen verantwortlich zeichnet. Auf die Frage, ob Wiffen auf Eichenpfählen mit entsprechenden Sogwirkungen heutzutage überhaupt noch zeitgemäss seien, antwortet Giuliani:

«Fakt ist, dass es gut sichtbare Signale sowohl für die Schifffahrt als auch für Freizeitkapitäne braucht.»

In den vergangenen Jahren habe die intensive Freizeitnutzung auf dem Rhein gerade bei schönem Wetter zugenommen. «Es gibt zunehmend Nutzungskonflikte», meint Giuliani.

Die Behörden sind nicht untätig auf der Suche nach einer Lösung für mehr Sicherheit. Im Sommer 2018 endete eine vierjährige Testphase in Zusammenarbeit mit Studenten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Winterthur (ZHAW) für eine stählerne Drehwiffe auf Höhe des «Schupfen» mit drehbarem Schwimmkörper. «Leider hat sich dieser Test nicht bewährt», sagt Giuliani.

Mit der Drehwiffe seien Boote bei der Kollision unter Wasser geraten, woraufhin der Drehkörper weiter unten an der Wiffe befestigt wurde. Wegen des Anpressdrucks führte das zu einer reduzierten Drehfähigkeit. Eine Testphase der deutschen Behörden 2005 mit an Ketten befestigten Bojen sei ebenso wenig erfolgreich gewesen. «Bei Wellengang sind die Bojen oft überspült worden», meint Giuliani. Weitere Probleme waren Seegras und Schwemmholz.

Motorschiffe müssen auf der grünen Seite der Schifffahrtszeichen den Rhein befahren. Freizeitkapitäne in Gummibooten sollten sich mit Abstand auf der weissen Seite treiben lassen. (Illustration: Selina Buess)

Motorschiffe müssen auf der grünen Seite der Schifffahrtszeichen den Rhein befahren. Freizeitkapitäne in Gummibooten sollten sich mit Abstand auf der weissen Seite treiben lassen. (Illustration: Selina Buess)

Runder Tisch mit allen involvierten Behörden

Können die Kapitäne der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) die Strecke auf dem Hochrhein zur Sicherheit der Freizeitkapitäne ohne Wiffen bewältigen? – «Nein, ohne geht es auf keinen Fall», sagt Herbert Rispy, langjähriger Kapitän bei der URh. Es sei eine Utopie, zu glauben, den Hochrheinabschnitt zwischen Öhningen und Büsingen etwa mit der Rheinschifffahrt in Basel zu vergleichen. Zudem hätten die Tests mit Bojen und Drehwiffen gezeigt, dass derzeit eine Änderung illusorisch sei. Er fordert von allen Freizeitkapitänen mehr Vorsicht und Schwimmfähigkeiten.

Herbert Rispy, Kapitän bei der Schifffahrtsgesellschaft für Untersee und Rhein. (Bild: Donato Caspari)

Herbert Rispy, Kapitän bei der Schifffahrtsgesellschaft für Untersee und Rhein. (Bild: Donato Caspari)

«Wer auf den Rhein geht, muss vorsichtig sein, sicher schwimmen können und sich notfalls mit Rettungsmaterial ausrüsten», sagt Rispy. Selbst seine Mitarbeiter bei der URh würden bei heiklen Manövern Rettungswesten tragen. Er betont:

«Man darf den Respekt vor dem Rhein nie verlieren.»

Planen die Verantwortlichen jetzt Massnahmen zu Gunsten der Sicherheit? – «Wie jedes Jahr gibt es noch in diesem Jahr eine Standortbestimmung an einem runden Tisch mit allen involvierten Behörden», sagt Dino Giuliani. Nebst der Diskussion über die Schifffahrtszeichen gebe es zwei weitere Handlungsfelder, greift Giuliani vor. «Prävention und Restriktion.»

Für letzteres sprechen sich weder URh-Kapitän Herbert Rispy noch die Thurgauer Seepolizei aus. «Freizeitkapitäne müssen noch mehr darauf aufmerksam gemacht werden, wie sie die Schifffahrtszeichen lesen müssen», meint Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. Naturgewalten am Rhein wie Strömung oder Strudel würden zu oft unterschätzt. Deshalb rät Graf: «Wer immer an Ufernähe auf der weissen Seite fährt, kommt sicherer ans Ziel.»

Abstand vor Schiffen und Wiffen

Weitere Tipps fürs richtige Verhalten auf Rhein und Thur gibt die Seepolizei hier.

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