Am Untersee wehren sich Lokalpolitiker gegen Entwicklung von oben

Acht Kandidatinnen und Kandidaten für den Thurgauer Grossen Rat diskutierten in Steckborn – etwa über Raumplanung und Bildung

Stefan Hilzinger
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Rund 60 Gäste verfolgen das Grossratspodium mit Linda Hess, Christine Steiger (beide SP), Timon Egli, Patrick Siegenthaler (beide CVP), Gesprächsleiter David Angst, Kathrin Widmer, Monika Ribi (beide FDP), Roger Forrer und Micha Ruh (beide SVP) in der Aula des Schulhauses Feldbach.

Rund 60 Gäste verfolgen das Grossratspodium mit Linda Hess, Christine Steiger (beide SP), Timon Egli, Patrick Siegenthaler (beide CVP), Gesprächsleiter David Angst, Kathrin Widmer, Monika Ribi (beide FDP), Roger Forrer und Micha Ruh (beide SVP) in der Aula des Schulhauses Feldbach.

(Bild: Reto Martin)

Steckborn hat in der jüngsten Thurgauer Geschichte zwar seinen Nimbus als Bezirkshauptort und Gerichtsstand verloren. Dennoch: Die grossartige Kulisse am malerischen Untersee hat nichts von ihrem Reiz verloren, das sagten zumindest diejenigen Teilnehmer am Steckborner Politpodium, die im Städtchen wohnen oder dort aufgewachsen sind.

Acht Kandidatinnen und Kandidaten der vier Regierungsparteien SVP, FDP, CVP und SP diskutierten auf Einladung der Interpartei. Die Gesprächsleitung hatte David Angst inne, Chefredaktor dieser Zeitung. Raumplanung, Tourismus und Bildung waren die vorherrschenden Themen des Abends – und immer wieder tauchte der See auf als Projektionsfläche.

Den Rosengarten im Feldbach jäten

«Es hat so viele Perlen am Untersee, die einfach wieder mal poliert werden müssten», sagte Kathrin Widmer-Gubler (FDP), eine Juristin mit Steckborner Wurzeln. «Nein, es genügt nicht, einfach den Rosengarten im Feldbach zu jäten», entgegnete Linda Hess (SP), in Steckborn aufgewachsene HSG-Volkswirtschafterin, die wie Widmer in Frauenfeld wohnt. «Allein wegen der schönen Reize zieht niemand nach Steckborn», sagte Hess weiter und wies auf die ihrer Meinung eher suboptimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr hin.

Roger Forrer (SVP), alt Stadtpräsident und Immobilienunternehmer, sprach von den 180 Grad, die Steckborn als Einzugsgebiet fehlten. Dennoch sei die Bevölkerung der Gemeinde in den vergangenen Jahren im Schnitt um ein Prozent gewachsen.

Braucht es bei 7,9 Prozent Leerwohnungen noch mehr?

Zu reden gab denn auch die laufende Ortsplanungsrevision. Wo soll man wachsen? «Der städtische Werkhof liegt derzeit mitten im Städtchen an bester Wohnlage. Dort sollte er weg», sagte Micha Ruh (SVP), Steckborner Stadtrat und Gartenbauunternehmer.

«Beim aktuellen Leerwohnungsbestand von 7,9 Prozent braucht es wohl nicht noch mehr Wohnraum», gab Timon Egli (CVP) zu bedenken. Als einstiger Fussballer wünsche er sich den seit längerem fälligen neuen Fussballplatz. Der angehende Maschinenbaustudent war der jüngste der Runde.

Als Expertin in Sachen Raumplanung äusserte sich Christine Steiger (SP). Die ehemalige Bezirksrichterin war die einzige Bisherige in der Runde. «Einfach à discretion einzonen geht nicht mehr», sagte sie. Mit dem Volks-Ja zum neuen Raumplanungsgesetz hätten Gemeinden und Kanton die Hoheit über das Thema an den Bund abgetreten. «Steckborn sehe ich mit der aktuellen Planung auf einem guten Weg.»

Die Volksschule als Lebensraum

Ohne direkten Bezug zu Steckborn waren Patrick Siegenthaler (CVP), Schulpräsident und Informatiker aus Herdern, und Monika Ribi (FDP), Gemeinderätin und Präsidentin der Schulkommission aus Mammern. «Der Schule als Lebensraum müssen wir Sorge tragen», sagte Ribi. Wissensvermittlung sei nur ein Teil der Schule, wichtiger sei, dass die Kinder lernten, mit den Veränderungen umzugehen.

Einheitsgemeinde oder Volksschulgemeinde?

Für Patrick Siegenthaler sind Einheitsgemeinden, wie Mammern oder Berlingen nicht das Mass der Dinge. «Besser scheint mir, dass wir unter den Schulen kooperieren», sagte er. So sei im Seebachtal die Bildung einer Volksschulgemeinde ein latentes Thema. Für Tagesschulen plädierte FDP-Frau Widmer, vor allem, um Frauen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu vereinfachen. «Wir können es uns nicht länger leisten, die Hälfte gut qualifizierter Arbeitskräfte auszuschliessen.»

Wie auch immer die Gemeinden sich entwickeln: Der Anstoss zu Veränderungen müsse von unten kommen und nicht vom Kanton, waren sich alle von links bis rechts einig. Es schade auch nicht, wenn Politiker «Frauenfeld etwas Kante geben, gerade in der Raumplanung», sagte Roger Forrer.

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