Am offiziell ersten Tag der Nachbarn in Frauenfeld soll aus vielen kleinen ein grosses Fest werden

Vergangenes Jahr kippte der Frauenfelder Gemeinderat den Tag der Nachbarn aus dem Budget. Heuer findet er offiziell statt, aber nicht am 29.Mai, sondern erst Ende August.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Ein Fest unter Nachbarn im Grossen: das Mitsommerfest 2019 in Frauenfeld.

Ein Fest unter Nachbarn im Grossen: das Mitsommerfest 2019 in Frauenfeld.

(Bild: Donato Caspari)

In diesen Tagen und Wochen sind gute Nachbarn wichtiger denn je. Die Pandemie hat einen nähergebracht zu den Leuten aus dem oberen Stock, dem Haus nebenan oder der Siedlung. Die informelle Nachbarschaftshilfe hat Konjunktur. Aber vor allem gibt es in Frauenfeld eine auf dem ganzen Stadtgebiet organisierte Nachbarschaftshilfe, angegliedert an den Dachverband für Freiwilligenarbeit (Dafa). Deshalb hat der Tag der Nachbarn heuer eine andere Bedeutung als in den Vorjahren. Am Freitag, 29.Mai, hätte dieser Aktions- und Festtag stattfinden sollen. Aufgrund der besonderen Umstände ist er auf den 28.August verschoben worden. Am Tag der Nachbarn (TdN) kommt man zusammen, isst und trinkt.

Eine europäische Idee

Wenn das Coronavirus nicht um sich greift, findet jeweils am letzten Freitag im Mai der «European Neighbours’ Day» statt. Initiiert wurde er von der in Brüssel ansässigen «European Society of Local Solidarity». Der erste «Tag der Nachbarn» (TdN) ging 1999 in Paris über die Bühne. Die Idee verbreitete sich schnell. 2004 stiess Genf dazu, 2007 feierten die Nachbarn erstmals in Zürich. Den ersten TdN in der Ostschweiz gab es 2016 in St. Gallen. Unter der Motto «Gute Nachbarschaft fördert die Wohnqualität» nehmen dieses Jahr 15 Schweizer Städte an der Aktion teil. (red)

Sabina Ruff, Bereichsleiterin Sozialraum, städtisches Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung.

Sabina Ruff, Bereichsleiterin Sozialraum, städtisches Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung.

(Bild: PD)

Die Stadt lanciert den TdN dieses Jahr erstmals offiziell. Man erinnere sich: Bereits im Budget 2019 war ein Betrag über 10'000 Franken für den TdN eingestellt. Der Gemeinderat kippte aber den Posten. Für Sabina Ruff, welche die Federführung bei diesem Projekt hatte, war der TdN 2019 gestorben. Doch kurz vor dem offiziell gestrichenen Termin erfuhr die Bereichsleiterin Sozialraum beim städtischen Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung von verschiedenen TdN-Festli in Eigeninitiative.

«So fanden trotzdem noch einige Nachbarschaftsfeste statt, einfach inoffiziell.»

Leute organisieren, Stadt bietet Unterstützung

Für den TdN 2020 ist Ruff mit den Kosten deutlich unter die 10000 Franken gegangen. Und der Gemeinderat sagte Ja. Darum sollen dieses Jahr, nun eben erst am letzten Freitag im August, ganz viele Festli stattfinden. «Die Feste organisieren die Leute selber, wir bieten Unterstützung», sagt Ruff. Ihre Vision: «Dass man an jenem Freitagabend von Fest zu Fest gehen kann.» Viele kleine, dezentrale Feiern im Garten oder auf dem Vorplatz, die ein grosses Fest daraus machen.

Ruff hat ein Ziel: zehn Nachbarschaftsfestli pro Quartier. Das wären dann 80 Feiern über ganz Frauenfeld verteilt.

«Wir wollen die Leute befähigen, sich in der Nachbarschaft zu organisieren und sich zu treffen.»

Treffpunkte in den Quartieren seien gemäss den Resultaten der letztjährigen Café-des-Visions-Tour durch Frauenfeld ein riesiges Bedürfnis. Dafür stehen Plakate und Einladungskarten zur Verfügung, die man aufhängen respektive in die Briefkästen der Nachbarn verteilen kann. Das Layout für die Drucksachen konnte komplett vom TdN in St.Gallen übernommen werden. Dazu gibt es ein Gratis-Starterkit mit Bierdeckeln, Ballons und Festideen – sozusagen Festanleitungen. Der Werkhof lehnt zudem für den 28.August gratis Festbankgarnituren und Lichtergirlanden aus. Wer mag, kann sein Fest der Stadt melden (olivia.trenkle@stadtfrauenfeld.ch). «Wir würden uns freuen, wenn wir wissen, wo etwas läuft», sagt Ruff. Zudem ermöglichen die Meldungen eine Evaluation.

Gratis-Starterkits: ab 3.August bei der Fachstelle für Alters- und Generationenfragen (Rathaus) und am Schalter des Werkhofs.

Mehr zum Thema: