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Der stumme Riese: Streit wegen eines Deponiebergs in Warth-Weiningen

Die Gemeinde Warth-Weiningen will für fast eine Million Franken Teile eines Deponiebergs abtragen lassen. Dessen Eigentümer Roland Geiges meint, dass 95'000 Franken reichen würden.
Rahel Haag
Teile des Deponiebergs befinden sich ausserhalb des zulässigen Perimeters, diese müssen abgetragen werden. (Bild: Andrea Stalder)

Teile des Deponiebergs befinden sich ausserhalb des zulässigen Perimeters, diese müssen abgetragen werden. (Bild: Andrea Stalder)

Peter Meuli blickt zum Berg, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben. Ein kalter Wind zerrt an den Haaren des Gemeinderats. Er kneift die Augen ein wenig zusammen. Der Deponieberg ist haushoch. Schon seit Jahren steht er hier am Waldrand im Weiler Nergeten. Beinahe gehört er schon zum Ortsbild. Rundherum blickt man auf die Kiesgruben von Warth-Weiningen.

Nun aber soll der Berg verschwinden – zumindest Teile von ihm. Das Problem: Über die Jahre ist er gewachsen, nicht nur in die Höhe, auch in die Breite. Die Erde und das Aushubmaterial bahnten sich ihren Weg, sind gewandert und befinden sich nun teilweise ausserhalb des zulässigen Bereichs.

Der Wind pfeift, der Koloss schweigt. Unbezwingbar scheint er. Meuli wirkt daneben fast ein wenig verloren. Doch nun fährt die Gemeinde schweres Geschütz auf: mit Hilfe einer Zwangsvollstreckung will sie wieder Herr der Lage werden.

Rückbau kostet über 900'000 Franken

Ende Juni schrieb sie den Abtrag des Deponiebergs im Amtsblatt öffentlich aus. Am 19. September vergab der Gemeinderat die Arbeit an die Kibag Bauleistungen AG. Die Kosten für den Rückbau belaufen sich auf 907'957 Franken und 65 Rappen. Wieder ruht Meulis Blick auf dem Berg. Als wäre dieser ein schlafender Riese, den man besser nicht aus den Augen lässt. «Es sind eben mehr Kubik, als man meinen könnte», sagt er zum Thema Kosten und zuckt mit den Schultern.

Peter Meuli, Gemeinderat (Bild: Andrea Stalder)

Peter Meuli, Gemeinderat (Bild: Andrea Stalder)

Die Gemeinde werde den Betrag in Form einer gebundenen Ausgabe vorschiessen und ihn später zurückfordern. Mehr will Meuli dazu nicht sagen. Über das Thema werde an der Budgetgemeindeversammlung im Dezember informiert. «Wir müssen geltendes Recht durchsetzen», sagt er, «auch wenn es unangenehm ist.» Er seufzt. Es sei ja nicht verboten, Aushubmaterial zu deponieren. «Solange es nicht ausserhalb des Abbauperimeters ist.»

Trotz der Zwangsvollstreckung wird der Riese vorerst weiterschlummern. Eine Art letzter Winterschlaf steht ihm noch bevor. Denn: Während der öffentlichen Auflage des Gemeinderatsbeschlusses über den Zuschlag ist eine Einsprache eingegangen. Dazu sagt Meuli:

«Das bedeutet, dass nun das Gericht entscheiden muss. Und, dass sich der Rückbau verzögert.»

Den Entscheid erwartet er Anfang Dezember. Dem Riesen soll es anschliessend «so schnell wie möglich» an den Kragen gehen. Derzeit besteht aber noch kein Vertrag mit der Kibag Bauleistungen AG. «Ich denke, dass die Arbeiten im nächsten Jahr beginnen können.» Wann die Maschinen letzten Endes auffahren und mit dem Abtrag begonnen werden kann, ist auch von der Witterung abhängig. «Es muss ein paar Tage trocken sein», sagt Meuli, «sonst gibt es einen Sumpf.»

Eigentümer liess sämtliche Fristen verstreichen

Für den Rückbau des Deponiebergs wäre eigentlich dessen Eigentümer verantwortlich gewesen. In den vergangenen Jahren hatte ihm die Gemeinde, auch aufgrund kantonaler Entscheide, mehrere Fristen eingeräumt, um ihrer Forderung nachzukommen. Doch der Eigentümer habe eine um die andere Frist ungenutzt verstreichen lassen. Der Riese schlummerte derweil weiter vor sich hin, breitete sich kontinuierlich aus.

Letztmals hat der Gemeinderat einem Gesuch des Eigentümers um Fristverlängerung bis Ende August 2017 stattgegeben. Doch wieder seien die Vorgaben nicht erfüllt worden. «Weshalb er den Deponieberg nicht zurückgebaut hat, kann ich nicht sagen.» Sein Blick wandert zum Berg. Der aber bleibt stumm.

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