Am Anfang waren die Federkohl-Chips: Die Gesichter hinter dem Mitsommerfest in Frauenfeld

Klasse statt Masse: Darauf zielen die Veranstalter des Mitsommerfests von kommendem Wochenende ab. Zwei wichtige Gesichter hinter dem neuen Stadtfest sind Bettina Kunz und Martina Dumelin.

Mathias Frei
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Auf der Promenade wird der lange Tisch stehen: Bettina Kunz (Medien, OK-Vorsitz) und Geschäftsführerin Martina Dumelin. (Bild: Donato Caspari)

Auf der Promenade wird der lange Tisch stehen: Bettina Kunz (Medien, OK-Vorsitz) und Geschäftsführerin Martina Dumelin. (Bild: Donato Caspari)

Das Kribbeln in den Fingern beginnt. «Endlich wird alles konkret. Unsere Plakate hängen, unsere Flyer liegen auf», sagt Martina Dumelin. Noch hat die Geschäftsführerin des Mitsommerfests normale Arbeitstage. Das wird sich nächste Woche ändern. «Von Dienstag bis Dienstag» hat für sie das neue Frauenfelder Stadtfest höchste Priorität. Auch Bettina Kunz wird kommendes Wochenende zu wenig Schlaf kommen. Sie ist für die Medienarbeit zuständig. Und die Social-Media-Kanäle wollen rund um die Uhr gefüttert werden. Morgens um 4 Uhr der letzte Instagram-Post, drei Stunden später die erste OK-Sitzung – unter dem Vorsitz von Kunz.

Dreitägiges Miteinander von Frauenfeld für Frauenfeld

Das Mitsommerfest geht von Freitag bis Sonntag, 14. bis 16. Juni, auf der Promenadenstrasse, auf dem Parkplatz zwischen Kantonsbibliothek und Obergericht sowie im Botanischen Garten über die Bühne. Festauftakt ist am Freitag um 17.45 Uhr auf der Bühne vor dem Obergericht. Eine weitere Bühne steht im Botanischen Garten. Freitags und samstags nach Fest­ende um 2 Uhr geht es in verschiedenen Lokalitäten mit Afterpartys weiter. Auf den beiden Bühnen gibt es verschiedene Shows – von den Stadtjodlern Heimelig über kurdischen Tanz und Mani-Matter-Covers bis zum zweifachen Poetry-Slam-Schweizermeister Christoph Simon und einem Festgottesdienst am Sonntagvormittag. Daneben gibt es auch einen Gauklerplatz. Am Sonntag findet ein spezielles Kinderprogramm statt. Insgesamt 66 Frauenfelder Vereine präsentieren sich, auch mit kulinarischen Köstlichkeiten. Auf der Promenade steht eine lange Tafel, wo man essen, trinken und reden kann. Der Eintritt zum Fest ist frei, für die auftretenden Künstler gibt es Hutkollekten. Freitag- und Samstagnacht fährt der Stadtbus bis 1.50 Uhr. (ma)

www.mitsommerfest.ch

Kunz und Dumelin sind zwei wichtige Gesichter des Mitsommerfests. Aber ein konkretes OK-Präsidium gibt es nicht. Im Sinne von «prima inter pares» hat Kunz den Vorsitz. Die Hierarchien im OK seien sehr flach, das sei ihnen wichtig, sagt Dumelin. Und Kunz doppelt nach:

«In jedem Ressort haben wir Experten.»

Es sind 14 OK-Mitglieder an der Zahl sowie Geschäftsführerin Dumelin. Das OK ist jung, im Schnitt so alt wie sie, die selbstständig im Kulturmanagement arbeitet, also 34-jährig. Kunz ist zwei Jahre jünger, kommt aus dem Journalismus, ist heute beim kantonalen Informationsdienst tätig.

66 Vereine und 33 Bühnendarbietungen

Dumelin arbeitet seit zweieinhalb Jahren am Grobgerüst des Fests. Im Februar 2018 lernten sich Dumelin und Kunz kennen. Bei «Tafel mit Sinn», einem Event von Dumelin, war es. «Wir haben zusammen gekocht», erzählt Kunz. Die Federkohl-Chips blieben ihr in Erinnerung. Seither hätten sie sich viele Feste angeschaut, das Beste daraus für Frauenfeld zusammengestellt. Dumelin sagt:

«Wichtig ist, dass alle Beteiligten grossen Spielraum zur Mitgestaltung haben, die OK-Mitglieder und dann auch die Vereine.»

Das Mitsommerfest wird ein Fest von Frauenfeldern für Frauenfelder. 66 Vereine und Institutionen machen mit, 33 grossteils Frauenfelder Bühnenbeiträge gibt es. Kommerzielle Angebote gibt es keine. Stichworte wie «lokal», «nachhaltig» und «Klasse statt Masse» fallen im Gespräch mit Kunz und Dumelin. Es müssen keine 100'000 Besucher an drei Tagen die Stadt überschwemmen, wie es an früheren Stadtfesten schon der Fall war. Dafür gibt es erstmals Mehrweggeschirr mit Pfand. Und Martina Dumelin sagt:

«Wir haben nur zwei Würste im gesamten Gastroangebot: eine Bratwurst und die Frauenfelder Bechtelistags-Salzisse.»

Historischer Hintergrund: Eingemeindung von 1919

Selber haben Dumelin und Kunz auch Erinnerungen an frühere Stadtfeste. Bei Dumelin war es erstmals 1996 bei «750 Jahre Stadt Frauenfeld», Kunz feierte bei «Frauenfeld – Hallo 2000» zum ersten Mal mit. Das fröhliche Miteinander blieb ihnen. Das soll auch am Mitsommerfest so sein. Den historischen Hintergrund bildet wohl die Eingemeindung von 1919, die Stadtvereinigung, der Fokus soll aber auf dem gegenwärtigen Zusammenleben liegen, etwa am langen Tisch, der auf der Promenade unter den Bäumen zu stehen kommt. Aus «miteinander ein Sommerfest feiern» ist das Mitsommerfest entstanden.

Sie wohne zwar seit 27 Jahren in Frauenfeld, aber habe in Kreuzlingen die Matur gemacht, lange in Zürich gearbeitet, sagt Bettina Kunz.

«Und dann kam für mich die Zeit, um mich und meine Zeit in Frauenfeld zu investieren.»

Das Mitsommerfest sei für sie ein Erfolg, wenn sich die Frauenfelder in zehn Jahren gerne erinnerten und sagten: «Weisch no, das tolle Mitsommerfest?» Man solle sich nach dem Fest fühlen wie früher nach einem Klassenlager, ergänzt Dumelin. Heisst:

«K.O., aber einfach glücklich.»