Altstadtbrand Steckborn: Es bleibt wohl beim Freispruch

Die Verursacher des Steckborner Altstadtbrandes müssen nicht vor Obergericht.
Bisher erwägt niemand einen Weiterzug. Doch die Berufungsfrist läuft noch.

Dinah Hauser
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Beim Grossbrand in der Altstadt von Steckborn vom 21. Dezember 2015 wurden mehrere Gebäude zerstört. Die Feuerwehren von Steckborn, Frauenfeld, Kreuzlingen und Weinfelden waren vor Ort. Zwei Häuser wurde mit dem Bagger teilweise abgerissen. (Bild: Reto Martin)

Beim Grossbrand in der Altstadt von Steckborn vom 21. Dezember 2015 wurden mehrere Gebäude zerstört. Die Feuerwehren von Steckborn, Frauenfeld, Kreuzlingen und Weinfelden waren vor Ort. Zwei Häuser wurde mit dem Bagger teilweise abgerissen. (Bild: Reto Martin)

Ende August die Erleichterung: Das Bezirksgericht Frauenfeld hat die beiden Angeklagten freigesprochen. Ihnen wurde vorgeworfen, den Grossbrand in der Steckborner Altstadt kurz vor Weihnachten 2015 fahrlässig verursacht zu haben. Da der Staatsanwalt und der Geschädigten­anwalt Berufung anmeldeten, hat das Bezirksgericht Frauenfeld nun ein schriftlich begründetes Urteil verschickt. In der Folge sieht die Staatsanwaltschaft Thurgau von einem Weiterzug ans Obergericht ab. «Nach Analyse des Urteils und der schriftlichen Begründung», wie es auf Anfrage heisst.

Im Gespräch mit der Versicherung

Auch der Anwalt von 17 Geschädigten verzichtet auf eine Berufung, da nach seiner Einschätzung die Chancen für eine strafrechtliche Verurteilung zu gering seien. Einige der Geschädigten hatten keine Hausratversicherung. Grundsätzlich müssen sie selbst für den entstandenen Schaden aufkommen. «Wir sind jedoch mit der Haftpflichtversicherung der mutmasslichen Brandverursacher im Gespräch wegen der Leistung einer Entschädigung beziehungsweise Teilentschädigung aus Kulanz», sagt deren Anwalt.

Ob jemand der Geschädigten schlussendlich zivilrechtlich klagen wolle, werde nach dem Resultat der Abklärungen mit der Haftpflichtversicherung entschieden. Im Zivilverfahren drohen jedoch hohe Kosten, wenn die Klage nicht oder nicht vollständig durchdringt.

Die Axa hat als Versicherung verschiedener Geschädigter Forderungen geltend gemacht. Mit dem Urteil ist sie auf den Zivilweg verwiesen worden und plant derzeit keine Ergreifung eines Rechtsmittels. «Wir werden entsprechend abwarten, ob der strafrechtliche Freispruch in Rechtskraft erwächst oder das Urteil durch eine andere Verfahrenspartei weitergezogen wird», schreibt die Versicherung. Sobald das Strafverfahren beendet ist, will die Institution prüfen, ob sie an ihren Forderungen festhält. Die Berufungsfrist läuft noch.

30 Personen obdachlos

Der Brand brach in der Nacht zum 21. Dezember 2015 aus. Der Beschuldigte hatte wenige Tage zuvor von einem Bekannten ein Modellauto als Gegenleistung für eine Geldschuld erhalten. Der Bekannte sagte aus, der Beschuldigte habe die Bedienungsanleitung abgelehnt. Der beschuldigte Holländer sagte aber, die Anleitung sei nie ein Thema gewesen.

Da die Akkus leer gewesen seien, schloss der Beschuldigte das Ladegerät an die Steckdose in der Küche an und setzte einen der Akkus ein. Seine Ehefrau störte sich daran und zügelte das Ladegerät ins Ankleidezimmer. Aus Sicht der Anklage sei der Akku dann wegen Überladung überhitzt, was zur Feuersbrunst führte. Drei Häuser wurden komplett zerstört und zwei weitere schwer beschädigt. 30 Menschen verloren ihr Dach über dem Kopf. Insgesamt beläuft sich der Sachschaden auf 12 Millionen Franken.

Das Gericht entschied schlussendlich, dass die Gefahr von solchen Akkus vor 2015 nicht allgemein bekannt gewesen sei und das beschuldigte Ehepaar nichts davon habe wissen können. In der Folge wurden die beiden freigesprochen.

Freisprüche im Fall um den Grossbrand von Steckborn verlangt

Im Prozess um die Verantwortung für den Grossbrand von Steckborn forderten die Verteidiger am Dienstagmorgen vor dem Bezirksgericht Frauenfeld Freisprüche für die beiden Angeklagten: Sie hätten von der Gefährlichkeit von Lithium-Polymer-Akkus nichts gewusst.