ALTLASTENSANIERUNG
Über eine Million Schuss abgefeuert: Jetzt will der Schlattemer Gemeinderat die alte Schiessanlage Hüttenboden sanieren, bevor es keine Bundesgelder mehr gibt

Es pressiert ein wenig, denn schon bald könnten die Bundessubventionen für Kugelfangsanierungen flöten gehen. Im Falle der ehemaligen Schiessanlage Hüttenboden geht es um 56'000 Franken aus Bern. Der Gemeinderat von Schlatt plant eine Altlastensanierung, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht.

Thomas Brack
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Der zuständige Gemeinderat Cyrill Veraguth vor dem ehemaligen Kugelfang, der sich am Rand eines Waldstücks zwischen Schlatt und Trüllikon befindet.

Der zuständige Gemeinderat Cyrill Veraguth vor dem ehemaligen Kugelfang, der sich am Rand eines Waldstücks zwischen Schlatt und Trüllikon befindet.

Bild: Thomas Brack

Seit 1995 ist sie ausser Betrieb: die 300-Meter-Schiessanlage Hüttenboden des mittlerweile nicht mehr existierenden Schützenvereins Mett-Oberschlatt. Erstmals erwähnt und historisch verbürgt ist die Schiessanlage 1889. Während ihres über hundertjährigen Bestehens wurden etwa eine Million Schuss abgefeuert. Die Geschosse enthalten nebst Eisen auch Blei und Antimon, es sind zudem Spuren der Schwermetalle Cadmium und Nickel vorzufinden. Die ehemalige Schiessanlage befand sich südlich der Kantonsstrasse zwischen Schlatt und dem Dickihof-Kreisel. In einem Waldstück zwischen Schlatt und Trüllikon sind am Waldrand deutlich die Erhebungen des Kugelfanges zu erkennen. Die Auswaschungen der Giftstoffe belasten das angrenzende Ackerland.

Massnahmen sind bis 2025 umzusetzen

Marianna Frei, Gemeindepräsidentin.

Marianna Frei, Gemeindepräsidentin.

Bild: PD

Wie die Schlattemer Gemeindepräsidentin Marianna Frei ausführt, ist dieses Gebiet mit seinen Altlasten im Thurgauer Kataster der belasteten Standorte (KBS) aufgeführt. 2009 verfügte das Amt für Umwelt des Kantons Thurgau eine Untersuchung des belasteten Standortes und legte die nötigen Sanierungsmassnahmen fest. Diese haben zwingend zu erfolgen, wenn die landwirtschaftliche Fläche weiterhin genutzt werden will – bis spätestens 2025.

Marianna Frei und der zuständige Gemeinderat für Umwelt und Sicherheit, Cyril Veraguth, erklären die zügige Vorgehensweise:

«Bei einer Sanierung beteiligt sich auch der Bund, und zwar mit 8000 Franken pro Scheibe, was bei sieben Scheiben 56'000 Franken ausmacht.»

Nun sei eine Motion hängig, welche diese Zahlungen künftig streichen will. Um dieser Streichung zuvorzukommen, sei rasches Handeln angesagt. Der Kredit für die Sanierung über 120'000 Franken wurde im Januar an einer kommunalen Abstimmung bewilligt.

Gemeinderat will besser sanieren, als nötig wäre

Das mit dem Projekt beauftragte geotechnische Ingenieurbüro Dr. von Moos schlug daraufhin verschiedene Varianten vor: Eine davon wäre eine zwar gesetzlich zulässige, doch minimale Sanierung mit 1000 Milligramm Schadstoffen pro Kilogramm Erde. Der Gemeinderat Schlatt bevorzugte aber die überobligatorische, maximale Variante mit einer Schadstoffreduzierung auf 200 Milligramm pro Kilogramm Erde. Diese ermöglicht eine weiterhin uneingeschränkte landwirtschaftliche Nutzung. Die Gemeindepräsidentin betont:

«Wir haben diese richtige und gründliche Sanierung vorgezogen, um das Land wieder vollumfänglich nutzen zu können. Auch sollten künftige Generationen bei sich künftig verschärfenden Vorschriften ihre Ruhe haben.»

Die Aushubarbeiten werden fortlaufend durch eine Fachperson überwacht. Die Erde wird genauestens analysiert und nach den Schadstoffen untersucht. Der Aushub wird je nach Kontaminierungsgrad in einem speziellen Verfahren entsorgt. Bei leichter Verschmutzung kann der Boden gewaschen werden. Ist die Giftkonzentration zu hoch, wird die Erde in speziellen Vorrichtungen weiter behandelt. Sobald der Fachmann grünes Licht gibt, kann die ausgehobene Stelle wieder mit frischer Erde gefüllt werden.

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