Alternativkultur
Platz da fürs Kaff: Der in Frauenfeld geplante Kulturpavillon ist planerisch voll auf Kurs, aber der Kontostand beim Crowdfunding schwächelt

Der Frauenfelder Kulturverein Kaff will auf dem Unteren Mätteli im Herbst 2021 eine neue Heimat in Form eines Holzpavillons in Betrieb nehmen. Möglicherweise kann noch dieses Jahr die Baueingabe erfolgen. Die Coronapandemie aber macht den jungen Kulturmachern in Sachen Finanzierung einen Strich durch die Rechnung.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Ein Ort, wo viel passieren soll: Visualisierung der geplanten Anlage des Vereins Projekt Kaff auf dem Unteren Mätteli.

Ein Ort, wo viel passieren soll: Visualisierung der geplanten Anlage des Vereins Projekt Kaff auf dem Unteren Mätteli.

Bild: PD/Joel Introvigne

Er wird langsam, aber sicher fassbar, der geplante Kulturpavillon auf dem Unteren Mätteli. Bei Architekt Joel Introvigne, selber ein Kaff-Urgestein, spürt man das Herzblut für das Projekt. Der Kulturverein Kaff will unter dem Titel «Kaff auf Dauer» auf dem öffentlichen Parkplatz direkt an der Bahnlinie seine neue Heimat bauen.

«Wenn alles gut geht, wollen wir den Kulturpavillon auf Saisonstart 2021/22 in Betrieb nehmen.»

Das sagt Vereinspräsident Julien Pizzini, also kommenden Herbst. «Man stelle sich vor: Die Coronapandemie ist überstanden, aber in Frauenfeld gibt’s keine Ausgangskultur mehr.» Das ­dürfe keinesfalls passieren.

«Nonkonform»: Zehn Kunstschaffende
während dreier Tage in der Baliere

Exponentinnen und Exponenten aus dem Kaff-Umfeld bespielen dieses Wochenende – von Freitag bis Sonntag, 4. bis 6. Dezember – die Stadtgalerie Baliere mit der Gruppenausstellung «Nonkonform». Trotz der momentan schwierigen Situation sei es wichtig, die alternative Kultur in Frauenfeld am Leben zu halten, heisst es in der Einladung. Folgende Personen nehmen daran teil und präsentieren ihr Werk: Lina Sommer, Tiana Borcherding, Peter Kradolfer, Joe Dellenbach, Oliver Frei, Tobias Rüetschi, Nadia Guddelmoni, Elena Marti, Paula Blaser, Joel Introvigne und Marisa Nef. Es finden auch Spoken-Noise-Performances von Jessica Jurassica und Claude statt. (ma)

Fr, 18 bis 22 Uhr; Sa, 14 bis 22 Uhr; So, 14 bis 18 Uhr. Stadtgalerie Baliere.

www.kaffaufdauer.ch

Möglicherweise kann Introvigne noch dieses Jahr die Eingabe für den Holzbau machen. Planerisch beschäftigen ihn aktuell verschiedene Aspekte. Das Kaff werde am neuen Standort aufdemUnterenMätteliviel präsenter sein im Stadtbild. Daraus ergebe sich die Möglichkeit,die Willkommenskultur des Vereins auch baulich zu repräsentieren. «Das heisst zum Beispiel, dass es zur Zeughausstrasse hin Aussenbestuhlung für einen Tagesbetrieb und eine Platzgestaltung geben soll», erklärt Introvigne. Und für die grossen fensterlosen Fassadenflächen seien künstlerische Interventionen geplant. Ein weiterer Punkt ist der Schallschutz.

«Diesen Aspekt schreiben wir gross. Dafür lassen wir aufwendige Untersuchungen durchführen.»

Wichtig sei zudem, dass im Betrieb die Abläufe möglichst einfach sind, was eng mit dem Raumprogramm und den Prozesswegen zusammenhänge. «Bands müssen direkt hinter die Bühne fahren können und das Bierlager sollte nahe bei der Bar sein.»

Planer und Baustoffe aus der Region

Joel Introvigne, Architekt und Kaff-Urgestein.

Joel Introvigne, Architekt und Kaff-Urgestein.

Bild: Andrea Stalder

Wichtige Aspekte sind weiter Nachhaltigkeit und Flexibilität. Ein energetischer hochwertiger Bau mit lokalen Baustoffen, also Holz, darauf zielt Introvigne ab. Er arbeitet mit einem Planerteam aus der Region zusammen: für die Haustechnik mit Remo Keller von Novus Engineering, mit dem Akustik- und Bauphysik-Fachmann Paul Schellenberg und für den Holzbau mit Samuel Stillhard von Exent. Nicht nur die Innen-, sondern auch die Aussenräume sollen flexibel nutzbar sein. Womit dann eben auch Synergien mit Partnern möglich werden, etwa den Freunden von der Busbar Haltstell oder den Betreibern der nahen Theaterwerkstatt Gleis 5. Introvigne hat sogar laut darüber nachgedacht, die Abwärme, von der es bei gut besuchten Nächten einige Kilowattstunden geben wird, in den Frauenfelder Wärmering einzuspeisen, dessen Rohranlage in der Zeughausstrasse verläuft.

Seitens Finanzierung zeigt sich Vereinspräsident Pizzini aufgrund der aktuellen Situation etwas besorgt.

«Bei der Crowd­fundingaktion auf der Lokalhelden-Plattform liegen wir unter den Erwartungen.»
Julien Pizzini, Kaff-Vereinspräsident.

Julien Pizzini, Kaff-Vereinspräsident.

Bild: PD

Die Sammlung dauert seit August an und endet Ende Dezember. Aktuell sind 51'000 Franken auf dem Konto, weitere 6300 Franken sind zugesichert. Bis Kampagnenende sollen es 100'000 Franken werden. Eigentlich wären während des Crowdfundings eine Vielzahl von Veranstaltungen geplant gewesen. Diese hätten Aufmerksamkeit generiert – und damit das Crowd­funding gestärkt.

Eine frühe Visualisierung in Schwarz-Weiss.

Eine frühe Visualisierung in Schwarz-Weiss.

Bild: PD

Das alles ist nun weggefallen. Wenigstens könne dieses Wochenende die Kunst-Gruppenausstellung in der Stadtgalerie Baliere stattfinden, sagt Pizzini. Die Zeit habe man aber für Konzeptarbeit nutzen können. Positiv seien die Rückmeldungen von potenziellen Sponsoren. «Und auch mit dem Kanton sind wir in Verhandlung für Unterstützungsmöglichkeiten», sagt Pizzini.

Pressekonferenz der Stadt Frauenfeld mit Kaff-Vertretern am 1.Juli 2020 auf dem Unteren Mätteli.

Pressekonferenz der Stadt Frauenfeld mit Kaff-Vertretern am 1.Juli 2020 auf dem Unteren Mätteli.

Bild: Reto Martin