Alte Thurgauer Forderung wird erfüllt: Rabatte wegen Wanderungsverlust werden bei Universitätsbeiträgen abgeschafft

Der Lastenausgleich zwischen den Kantonen für die Universitätskosten wird revidiert. Davon kann der Thurgau leicht profitieren.

Larissa Flammer
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Viele Thurgauer studieren an kantonalen Universitäten – zum Beispiel an der Uni Zürich. (Bild: Gaetan Bally/Keystone).

Viele Thurgauer studieren an kantonalen Universitäten – zum Beispiel an der Uni Zürich. (Bild: Gaetan Bally/Keystone).

Schon bald startet an den Universitäten des Landes das neue Semester. Auch junge Erwachsene mit Wohnsitz im Kanton Thurgau bereiten sich auf die akademische Laufbahn vor. Im vergangenen Jahr besuchten 1315 Thurgauer Studierende eine kantonale Universität, für die der Thurgau Beiträge zahlt. Beliebt bei jungen Leuten aus dem Thurgau ist auch die ETH in Zürich, diese wird jedoch voll über den Bund finanziert.

Die Interkantonale Universitätsvereinbarung (IUV) regelt die Festlegung der Beiträge, welche ein Kanton für seine Studenten in ausserkantonalen Hochschulen zu bezahlen hat. 2018 hat der Thurgau insgesamt 22,87 Millionen Franken bezahlt. Dies teilt das kantonale Amt für Mittel- und Hochschulen auf Anfrage mit.

Thurgau verliert am zweitmeisten Uniabgänger

Die IUV-Vereinbarung kritisiert der Thurgau seit langem. Der Kanton zahle jährlich eine bis zwei Millionen Franken zu viel Ausgleichszahlungen, sagte Regierungsrätin Monika Knill schon vor einigen Jahren gegenüber unserer Zeitung.

Der Grund: Sechs Kantone erhalten einen Rabatt. Denn gemäss einer Studie aus dem Jahr 1995 kehrten mehr als 25 Prozent der Studenten dieser Kantonen nach dem Abschluss nicht mehr zurück. Seither haben sich die Zahlen aber stark verändert, der Kanton Thurgau verliert heute am zweitmeisten Studenten – und erhält trotzdem keinen Rabatt.

(Screenshot: Kurz-Info Generalsekretariat EDK, 5. Juli 2019)

(Screenshot: Kurz-Info Generalsekretariat EDK, 5. Juli 2019)

Zurzeit wird die IUV totalrevidiert und im Zuge dessen eine alte Forderung aus dem Thurgau erfüllt: Die Rabatte werden abgeschafft.

Anzahl Medizinstudenten ist deutlich gestiegen

Christof Widmer, stellvertretender Chef des Amts für Mittel- und Hochschulen, sagt:

«Der Thurgau profitiert unter dem Strich leicht von der Revision.»

Auch wenn es schwierig sei, dies auf Franken und Rappen genau auszurechnen. Die Höhe der Beiträge variiere zudem von Jahr zu Jahr aufgrund der Anzahl Studenten und vor allem der gewählten Studienfächer.

Christof Widmer, stv. Chef Amt für Mittel- und Hochschulen. (Bild: Reto Martin)

Christof Widmer, stv. Chef Amt für Mittel- und Hochschulen. (Bild: Reto Martin)

Im Budget 2019 des Kantons heisst es dazu: «Zwar wird angenommen, dass die Anzahl Immatrikulierter aus dem Kanton Thurgau stagniert oder gar leicht sinkt. Allerdings steigt gleichzeitig die Nachfrage nach den teuren Studiengängen.» Die Anzahl Medizinstudenten aus dem Thurgau sei in den letzten zwei Jahren um fast 20 Prozent angestiegen. «Damit ist ein Anstieg der IUV-Beiträge von über 1 Millionen Franken pro Jahr verbunden.»

Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren hat der revidierten IUV bereits zugestimmt, auch der Thurgau sagte dabei Ja. Nun müssen die einzelnen Kantone der neuen Vereinbarung noch beitreten. Im Thurgau geht das per Beschluss des Regierungsrats.