Als der Thurgau die Stadt St.Gallen versorgte

Schon im Mittelalter war der Thurgau ein attraktives Pflaster – für die auswärtigen Herren der hiesigen Ländereien. Unter diesen befanden sich auch in einem ganz erheblichen Masse Stadt und Kloster St.Gallen.

Christof Lampart
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Stefan Sonderegger, Stadtarchivar der Ortsbürgergemeinde St. Gallen, bei seinem Vortrag im Frauenfelder Ratshaus. (Bild: Christof Lampart)

Stefan Sonderegger, Stadtarchivar der Ortsbürgergemeinde St. Gallen, bei seinem Vortrag im Frauenfelder Ratshaus. (Bild: Christof Lampart)

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Bartli & Most» des Historischen Museums Thurgau sprach am Mittwochabend der Stadtarchivar der Ortsbürgergemeinde St.Gallen, Stefan Sonderegger, im Frauenfelder Rathaus über den historischen Stadtsanktgaller Besitz im Thurgau.

Viele Lehen im Thurgau

Auswärtige Ländereien waren für alle mittelalterlichen Städte wichtig – hing doch im Wesentlichen von ihr die Versorgung der Bevölkerung ab. Doch St.Gallen war mit seinen 4500 Einwohnern auf rund vier Quadratkilometern schon damals ein Sonderfall. Selbst zu klein, um politisch und einwohnermässig mit den grossen Städten wie Basel oder Zürich mithalten zu können, war doch die Stadt durch den ausgedehnten Ländereibesitz des Klosters die wirtschaftlich führende Macht in der Region.

Der Landbesitz wurde über die Jahrhunderte hinweg gezielt ausgebaut und als Lehen an Institutionen und Bürger weitergereicht, welche wiederum diese an (leibeigene) Bauern verpachteten. Viele der Lehen befanden sich im Thurgau und wurden auch nach der Reformation der Stadt im Jahr 1526 durch den Bürgermeister Joachim von Watt (Vadian) in «gelebter Koexistenz» von katholischem Kloster und reformierten Bürgern zu beiderlei Frommen genutzt. «Das war ein wirtschaftlich spannendes Konstrukt, dass sich für St.Gallen bewährte», so Sonderegger.

Kaum Ländereien ausserhalb der Stadtgrenze

Schriftliche Belege über die Besitzverhältnisse seien sehr wenige vorhanden. Dennoch stehe zweifelsohne fest, dass das Heiliggeist-Spital in St. Gallen nicht nur ein mittelalterliches Wirtschaftsunternehmen mit sozialem Auftrag gewesen sei, sondern auch Land in Bischofszell, Sulgen, Sitterdorf, Sommeri, Arbon und Hagenwil besessen habe.

«Im Spital war die Schriftlichkeit exzellent, ja noch besser als in den Klöstern, denn die Spitäler wurden in der Regel von Kaufleuten und Händlern geführt. Und diese handelten über weite Distanzen hinweg mit Landwirtschaftsgütern, was schriftliche Anweisungen voraussetzte», so Sonderegger. Investiert wurde auch im Thurgau nur dort, wo ein gutes Geschäft winkte: beim Getreideanbau, der Viehwirtschaft und im Weinbau. «Ein Profit musste dabei stets rausschauen. Doch der war gegeben, da ja auch ein Markt vorhanden war: nämlich die Stadt St.Gallen, welche ja praktisch keine eigenen Ländereien ausserhalb der Stadtgrenze hatte», so Sonderegger.

Rückkäufe scheiterten in der Regel


Auch die Frauenklöster St.Katharina (zuerst auf stadtsanktgaller Gebiet, dann später in Wil) und Magdenau waren Landbesitzer im Thurgau – bis sie im Jahr 1594 für die riesige Summe von 24'000 Gulden der Stadt ihre ganzen auswärtigen Ländereien verkauften –, doch hatten diese öfters jahrelange Scherereien mit renitenten Thurgauer Pächtern. Eine Blütezeit als Umschlagsorte für Getreide erlebten im 18.Jahrhundert Romanshorn und Arbon. Über all die Jahrhunderte hinweg hielt sich jedoch die Tatsache, dass das Geld in St.Gallen zu Hause war, und es sich so viele Städter leisten konnten, viel Geld für gute Thurgauer Ländereien auszugeben.

Zwar gab es seit 1435 Gesetze, welche vorsahen, dass die Einheimischen binnen eines Jahres das Land von den auswärtigen Käufern zurückerwerben konnten, doch da meistens das Geld für einen Rückkauf nicht vorhanden war, scheiterten diese Vorhaben in der Regel.
 


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