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Alle Blicke nach oben: Der Perseiden-Schauer beschert uns magische Sternschnuppennächte – wenn der Himmel nicht bedeckt ist

In der Zeit um den 12. August erreicht der Perseiden-Schauer seinen Höhepunkt und pro Stunde können bei klarem Himmel bis zu Hundert Sternschnuppen beobachtet werden. Das Kunstmuseum Thurgau feiert dieses Naturspektakel jedes Jahr mit einem besonderen Anlass in der Kartause Ittingen.

Christa Kamm-Sager
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Sternschnuppe über dem Nollen.

Sternschnuppe über dem Nollen.

Leserbild: Roland Hof

Es ist ein ruhiges, magisches Schauspiel am Himmel Mitte August. «Die Erde fliegt an diesen Tagen durch einen Kometenschweif. Die kleinen Elemente der Kometen, die in die Erdatmosphäre eintreten, werden ionisiert und leuchten auf.» So vereinfacht und verständlich erklärt Museumsdirektor Markus Landert den rund 50 Besucherinnen und Besuchern in der Kartause Ittingen, die an diesem Sommerabend zum gemeinsamen Sternschnuppen-Watching zusammengekommen sind, das Himmelsphänomen.

Erde kreuzt Staubspuren

Rund  216'000 km/h schnell sind die Perseiden. Die Erde kreuzt gewisse Staubspuren regelmässig, dann treten die Sternschnuppennächte auf. Neben den Perseiden im August, gibt es ausserdem die Leoniden (November), die Geminiden (Dezember) und die Lyriden (April).

Die Luft ist an diesem Mittwochabend schwülwarm, der Himmel mit einer Wolkendecke verschlossen. Ob er noch aufklart, wenn es dunkel wird und der Blick frei wird auf das Sternenschauspiel?

Vorerst sind die Blicke der Anwesenden aber auf ein anderes Phänomen gerichtet, das sich auch am Himmel abspielt: Um die Wartezeit bis zur Dunkelheit zu überbrücken, haben sich die Verantwortlichen des Kunstmuseums nämlich ein thematisch passendes Himmelsprogramm ausgedacht. Eine Drohne flitzt durch den Loop, das Kunstwerk, das seit Mai 2017 unübersehbar vor dem Eingang zur Kartause steht. Mit dem surrenden Geräusch der Drohne und ihren waghalsigen Kapriolen, den senkrechten Raketenstarts und den leisen Freien-Fall-Flügen, die dann abrupt wieder in eine andere Richtung drehen, kann niemand den Blick von diesem faszinierenden kleinen Flugkünstler abwenden.

Marlon Tanner steuert seine Drohnen meisterhaft durch den Loop.

Marlon Tanner steuert seine Drohnen meisterhaft durch den Loop.

Christa Kamm-Sager

Gesteuert wird die Drohne von einem Schweizermeister des Drohnenflugs hinter einer Virtual-Reality-Brille. Sie spielt ihm die waghalsige Flugbahn der Drohne direkt vor seine Augen. «So habe ich das Gefühl, selber mitzufliegen und kann die Drohne am einfachsten steuern», erzählt Marlon Tanner von seiner Faszination. Der junge Elektroniker baut seine Drohnen selbst zusammen, umso mehr geht ein «Oh» und «Ah» durch das Publikum, als sein 1000 Franken teures Fluggerät in den Loop prallt. Doch es geht dabei nicht zu Bruch.

Der nie endende Kreislauf

Markus Landert schafft es, durch das Vorprogramm des Sternschnuppen-Hauptakts einen roten Faden zu spannen – so kontrastreich es auch ist. «Der Loop, der nie endende Kreislauf, erinnert an das Leben der Kartäuser hier in dieser Klosteranlage in Ittingen. Ihr Leben war auch ein nie endender Loop von Beten, Arbeiten, Beten, Essen, Arbeiten, Beten.» Und vom faszinierenden Drohnenschauspiel lädt er ein in den ehemaligen Weinkeller der Kartause zu einem Vortrag der NZZ-Wissenschaftsjournalistin und Physikerin Helga Rietz.

Achterbahnen sind ihr Steckenpferd – und auch sie zieht das Publikum in ihren Bann. Sie erzählt von der Erfindung der ersten Achterbahnen um 1817 in Paris mit dem Promenades Aeriennes, der Gravity Pleasure Switch Back Railway 1884 in New York oder dem ersten Looping in Coney Island im Jahr 1903. Heute sind die Achterbahnen, von denen jedes Jahr weltweit 200 neue gebaut werden, physikalisch ausgeklügelte Wunderwerke der Ingenieurskunst. «Achterbahnen sind Versuche, der Zivilisationslangeweile zu entkommen und sie sollen dem Menschen helfen, neue Erlebnisse zu finden», sagt Rietz.

Wolken sind noch da

In der Zwischenzeit ist es dunkel geworden. Auf dem mit Kerzen beleuchteten Weg durch das dunkle Museum, hinaus in den Kreuzgarten, rätseln die Besucher, ob der Himmel es gut meint und den Blick freigibt auf das Sternschnuppenschauspiel. Aber: Die Wolken sind noch da. Trotzdem legen sich einige auf Wolldecken und geniessen die warme Sommernacht – ohne Sternschnuppen. Vielleicht ist der Blick auf die Sterne am nächsten Abend ja besser.

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