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Alarme, Polizei und Taschentücher: Anekdoten aus Dutzenden Jahren Post am Standort Frauenfeld

Nächste Woche öffnet die neue Frauenfelder Hauptpost an der Rheinstrasse 5. Dafür schliessen die Poststellen Talbach und Kurzdorf bald für immer ihre Tore. Langjährige Wegbegleiter geben Anekdoten preis und erzählen aus ihren jetzigen Gefühlswelten.
Samuel Koch
Postangestellte Elvira Gelmetti schliesst die Türen zur Poststelle Kurzdorf bald zum letzten Mal. (Bild: Donato Caspari)

Postangestellte Elvira Gelmetti schliesst die Türen zur Poststelle Kurzdorf bald zum letzten Mal. (Bild: Donato Caspari)

Eine lange und bewegte Geschichte: So lässt sich die Vergangenheit der Schweizerischen Post am Standort Frauenfeld kurz und sec beschreiben. Im Vergleich zur über 200-jährigen Geschichte – die erste Hauptpost in der Stadt eröffnete laut Poststellenchronik im Jahr 1807 – ist Elvira Gelmetti zwar nicht lange dabei. Trotzdem hat die 53-jährige seit ihrer Lehre als Betriebsassistentin bei der damaligen Post-, Telegrafen- und Telefonverwaltung (PTT) in den 80er-Jahren einiges zu erzählen.

«Ein Stammkunde hat uns kürzlich ein paar Päckchen Taschentücher vorbeigebracht»

sagt sie. Gelmetti ist eine von drei Angestellten, die ab 15. Oktober nach mehreren Jahren ihren Arbeitsplatz wechseln müssen, denn die Post schliesst einerseits ihren Schalter im Kurzdorf und andererseits denjenigen im Talbach. Beide funktioniert sie zu sogenannten Postagenturen im Coop respektive im Denner um.

Das Geschenk, um Tränen zu trocknen, hat Gelmetti zwar noch nicht gebraucht. Es sei aber schon bedauerlich, wenn Poststellen schlössen. «Sie ist schon etwas zum eigenen Baby geworden, vor allem von Stammkunden wird man erkannt und geschätzt», sagt die Herdermerin. Besonderen Reiz an der Arbeit bei der Post sieht sie im Kundenkontakt und in der Nähe zur Kundschaft. «Die Abwechslung gefällt mir, und wenn ich jemandem behilflich sein kann.» Zum Dank hat ihr ein langjähriger Kunde zuletzt auch einen Strauss Gänseblümchen vorbeigebracht. «Und vor Weihnachten platzt unser Kühlschrank sowieso immer aus allen Nähten», sagt sie und schmunzelt.

Der Eingangsbereich zur Poststelle Frauenfeld 3 im Kurzdorf, damals noch unter der Ägide der Post-, Telegrafen- und Telefonverwaltung (PTT). (Bild: PD/Postarchiv (undatiert))

Der Eingangsbereich zur Poststelle Frauenfeld 3 im Kurzdorf, damals noch unter der Ägide der Post-, Telegrafen- und Telefonverwaltung (PTT). (Bild: PD/Postarchiv (undatiert))

Schliessung ist vergleichbar mit Zugverspätungen

Obwohl die Kunden wegen der bevorstehenden Schliessungen noch keine Luftsprünge gemacht haben. «Es ist mehr ein Unverständnis spürbar», sagt Gelmetti. Veränderung tue halt manchmal weh, vor allem geschätzt wurde im Kurzdorf der Parkplatz, bei welchem die Kunden direkt vor die Poststelle fahren konnten. «Das sind übrigens nicht nur ältere, denn wir sind ja Neo-Alte», sagt Gelmetti. Auch jüngere bedauerten die Schliessung, die Gelmetti mit einer Zugverspätung vergleicht: «Kommt der Zug zu spät, gibt es Reklamationen.» Sobald man sich jedoch darauf eingestellt habe, sei es kein Problem mehr. Anfeindungen seien ihr gegenüber in all den Jahren nie geäussert worden. Klar sei es aber hie und da vorgekommen, dass jemand mürrisch das Geld für eine Busse einbezahlt habe. «Das darf man aber nicht persönlich nehmen», sagt sie.

Provisorium auf dem Marktplatz hat bald ausgedient

Nächsten Montag, 1. Oktober, steht der Frauenfelder Bevölkerung nach zweieinhalbjähriger Bauzeit die Hauptpost an der Rheinstrasse 5 wieder zur Verfügung. Somit wird auch die temporäre Poststelle auf dem Marktplatz aufgehoben, die während der Bauzeit als Provisorium diente. Dort bedienen die Angestellten ihre Kundschaft noch bis morgen Freitag, 28. September, um 18.30 Uhr. Wegen des Umzugs in die neuen Räumlichkeiten an der Rheinstrasse bleibt das Provisorium auf dem Marktplatz am Samstag, 29. September, geschlossen, wie die Post der Bevölkerung auf einem Flyer mitteilte, der in jedem Briefkasten landete. Deshalb bittet die Post ihre Kundschaft, für ihre Geschäfte am Samstag auf die Poststellen im Talbach und im Kurzdorf auszuweichen. Diese werden Schritt für Schritt zu sogenannten Agenturen umfunktioniert. Im Talbach öffnet die Poststelle zum letzten Mal am 6. Oktober, im Kurzdorf am 13. Oktober. (sko)

Blick auf alte und neue Post vom Gebäude vis-à-vis an der Rheinstrasse. (Bilder: Reto Martin und Andrea Stalder)
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Impressionen vom abgeschlossenen Um- und Neubau der Frauenfelder Hauptpost

Ein Problem gab es im Kurzdorf vor acht Jahren, als zwei unbekannte Räuber die Poststelle ausraubten, eine Angestellte fesselten und mehrere 10'000 Franken erbeuteten. Die Täter entkamen der Polizei. Elvira Gelmetti jedoch war zu jener Zeit noch «auf dem Landdienst», wie sie die Aussenstellen liebevoll bezeichnet. Andere Überfälle auf Frauenfelder Poststellen sind der Polizei keine bekannt. Anders im ganzen Kanton, als der wohl schlimmste Überfall in Mettlen im Jahr 1996 ein Todesopfer zur Folge hatte. «Das war schrecklich», sagt Elvira Gelmetti, welche das Opfer persönlich kannte. Klar mache man sich seine Gedanken und werde aufmerksamer. «Angst ist aber ein schlechter Begleiter», sagt sie.

Stete Veränderungen seit dem 19. Jahrhundert

Angst hat Elvira Gelmetti auch nicht um die Zukunft der Post in Frauenfeld. «Veränderungen gab es schon immer», sagt sie, «wie damals, als wir für den Erweiterungsbau an der Rheinstrasse in ein Provisorium in den Burstelpark ziehen mussten, oder als 1999 das grosse Paketzentrum im Langdorf eröffnete.» Nebst der über 200 Jahre alten Hauptpost, die kommenden Montag nach zweieinhalbjähriger Bauzeit in neuem Gewand wiederöffnet, entstanden die ersten Postannahmestellen im Jahr 1845 in Horgenbach und zwei Jahre später in Gerlikon, das damals noch eine autonome Gemeinde war. Letztere betrieb die Post bis 2002, andere Poststellen – anders als diejenige im Talbach und im Kurzdorf – verschwanden schon früher wieder von der Bildfläche.

Nach der Fertigstellung der Überbauung Zürcherhof beim Talbachkreisel zog die damalige PTT im Erdgeschoss ein. (Bild: PD/Angelus Hux (im Oktober 1964))

Nach der Fertigstellung der Überbauung Zürcherhof beim Talbachkreisel zog die damalige PTT im Erdgeschoss ein. (Bild: PD/Angelus Hux (im Oktober 1964))

Im Talbach siedelte sich die Post erstmals 1956 an, als an der Bahnhofstrasse 2 eine Paketannahmestelle eingerichtet wurde. Mit Mietvertrag vom 1. Oktober 1963 zog die Post schliesslich in den damals neu gebauten Zürcherhof des jetzigen Miteigentümers Willy Hablützel, in welchem nun die Ära Poststelle Frauenfeld 2 definitiv zu Ende geht. «Im Quartier bedauern das viele», sagt er. Derselben Meinung ist der langjährige Posthalter Rudolf Staub, der sein Leben lang für die Post und fast 28 Jahre im Talbach arbeitete. Die Post, aber auch die vielen Bekanntschaften seien ihm in all der Zeit sehr ans Herz gewachsen. «Es war eine sehr schöne Zeit», schwelgt der 88-Jährige in Erinnerungen. Dramen wie im Kurzdorf erlebte die Poststelle Talbach nicht. «Öppe die» sei zuletzt aber die Alarmanlage abgegegangen, weiss Hablützel.

Im Kurzdorf wiederum befand sich die Paketannahme- sowie Wertzeichenverkaufsstelle ab Januar 1959 zunächst im Kurzwarengeschäft an der Schaffhauserstrasse 21, wie Lokalhistoriker Angelus Hux erläutert. Nach Umzügen in einen Kolonialladen fünf Jahre später und in einen Laden an der Maiholzstrasse 1967 eröffnete die heutige Poststelle im Quartier, nachdem der altehrwürdige «Matthof» Mitte 80er-Jahre durch eine Überbauung ersetzt wurde. Mit der Schliessung der Kurzdorfer Poststelle geht für Elvira Gelmetti jedenfalls das Kapitel beim gelben Riesen nicht zu Ende. Sie übernimmt ab Ende Oktober die Poststelle in Müllheim, weil ihre dortige Vorgängerin pensioniert wird. «Es verändert sich für mich nur der Arbeitsweg», sagt Gelmetti. Die Arbeit mit und die Nähe zu den Kunden bleibt für sie gleich. Zum Schluss sagt sie etwas wehmütig: «Ich bedanke mich bei unserer Kundschaft für die Treue und die vielen einfach guten Momente.»

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