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«Fast aussichtslosen Kampf aufgenommen»: Eins zu Null für den Thurgau im Agroscope-Poker

Nach dem Entscheid des Nationalrats spüren die Gegner einer Zentralisierung der Agrarforschung politischen Rückenwind. Ein Durchbruch sei das aber noch nicht.
Christian Kamm, Larissa Flammer
Unsichere Zukunft: Eidgenössische Forschungsanstalt im thurgauischen Tänikon. (Bild: Olaf Kühne)

Unsichere Zukunft: Eidgenössische Forschungsanstalt im thurgauischen Tänikon. (Bild: Olaf Kühne)

Im Fussball würde man wohl sagen: Der Thurgau ist 1:0 in Führung gegangen - aber das Spiel ist noch nicht zu Ende. Mit 141 Ja gegen 34 Nein hat der Nationalrat am Montag eine Kommissionsmotion angenommen, welche die Zentralisierungspläne des Bundesrats für die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope vorerst stoppt. Die Landesregierung muss nun eine Strategie ausarbeiten und diese dem Parlament vorlegen.

Grosse Erleichterung bei Schönholzer

Regierungsrat Walter Schönholzer (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Regierungsrat Walter Schönholzer (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Deshalb war der vergangene Montag ein guter Tag für den Thurgauer Volkswirtschaftsdirektor Walter Schönholzer, der an allen Fronten für den Erhalt der Agroscope in Tänikon kämpft. «Meine Freude und Erleichterung sind gross», sagt Schönholzer unserer Zeitung, «und ich bin dankbar für diese Unterstützung.» Damit sei ein wichtiges Etappenziel erreicht. «Mit 141 Stimmen habe ich nicht gerechnet. Das reicht weiter über die Ostschweiz hinaus und sogar in die Romandie hinein.»

Noch kein Durchbruch

Auf ein Ja gehofft hat auch SVP-Nationalrätin Verena Herzog, die sich in der Kommission für Wissenschaft und Bildung ebenfalls für einen Vorstoss gegen die Zentralisierung stark gemacht hat. Positiv überrascht ist Herzog von der Deutlichkeit. Trotzdem: Auch sie will vorerst nur von einem Etappensieg sprechen. Im Herbst wird sich dann der Ständerat über das Geschäft beugen. Votiere auch die kleine Kammer für den Marschhalt, wofür die Chancen gut seien, «dann wäre das der Durchbruch», so Herzog. An diesem einhelligen Votum des Parlaments käme der Bundesrat nicht mehr vorbei

Bundesrat muss sich bewegen

Regierungsrat Schönholzer erwartet schon jetzt, dass sich der Bundesrat bewegt. «Ich bin gespannt, wie er auf die Kantone und Verbände zugehen und uns einbinden will.» Agroscope müsse effizienter und günstiger werden, das stelle er nicht in Frage. Nur müssten klare Ziele definiert werden. Dabei gelte es, auch die Vernetzung mit Hochschulen zu berücksichtigen, «und es braucht einen Kostenvergleich»

«Stoppt diese Frau!»

Erste Früchte des politischen Kampfes ernten kann ebenso CVP-Kantonsrat Josef Gemperle aus Fischingen. Als Erstunterzeichner einer dringlichen Interpellation hatte er das Thema in den Grossen Rat getragen. Man habe in letzter Minute einen fast aussichtslosen Kampf aufgenommen. Jetzt sagt Gemperle: «Es könnte gelingen.» Umso enttäuschter ist er über die Vehemenz, mit der Bundesrat Schneier-Ammann gegen Ende seiner Amtszeit unbedingt Fakten schaffen wolle. «Unglaublich.» Auch zu Agroscope-Chefin Eva Reinhard hat Gemperle eine klare Meinung: «Stoppt diese Frau!»

Swiss Future Farm feiert sowieso Eröffnung

Seit Anfang Jahr wird am Agroscope-Standort in Tänikon zudem am Bauernhof der Zukunft geforscht. Drei Partner haben für vorerst sechs Jahre eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit in der Swiss Future Farm unterschrieben. Im Herbst, vom 21. bis 23. September, wird dort Eröffnung gefeiert und die Bevölkerung eingeladen.

Christian Eggenberger, Leiter Versuchsbetrieb Tänikon. (Bild: Reto Martin)

Christian Eggenberger, Leiter Versuchsbetrieb Tänikon. (Bild: Reto Martin)

«Dass die Eröffnungsfeier stattfinden wird, stand nie zur Diskussion», betont Christian Eggenberger, Leiter des Versuchsbetriebs in Tänikon und Leiter Beratung, Entwicklung, Innovation am Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg. Die Swiss Future Farm sei vom Entscheid zur Agroscope-Zentralisierung nicht direkt betroffen, da Agroscope nicht Projektpartner sei. Der Kanton Thurgau hat den Bauernhof der Zukunft gepachtet, das kantonseigene BBZ und zwei Partner aus der Privatwirtschaft – Agco Corporation und GVS Agrar AG – wollen dort die Digitalisierung in der Landwirtschaft aufzeigen. «Wir sind aber sehr interessiert an einer guten Zusammenarbeit mit den Forschern von Agroscope, zumal diese in Tänikon auch im Bereich der Digitalisierung forschen und sich daraus wertvolle Synergien ergeben», sagt Eggenberger.

Verantwortliche haben nie mit einem gänzlichen Rückzug gerechnet

Die politische Diskussion um die Zentralisierungspläne des Bundes hat die Verantwortlichen der Swiss Future Farm nicht aufgescheucht. «Wir sind nie davon ausgegangen, dass Agroscope sich ganz aus Tänikon zurückziehen wird», sagt Eggenberger. Mit der Swiss Future Farm habe man den Standort Tänikon letztlich gestärkt. «Falls jedoch trotzdem der schlechteste Fall eintritt, ist die Zentralisierung ja in einem Zeithorizont von zehn Jahren vorgesehen.» Sicher die nächsten Jahre wird der Betrieb in der Swiss Future Farm also wie geplant weitergehen.

An der Eröffnungsfeier im September sollen die modernen Technologien für die Landwirtschaft sichtbar und verständlich gemacht werden, wie es in einer Mitteilung heisst. Neben Feldvorführungen wird es auch Ausstellungen geben. Vertreter von Agroscope werden gemäss Mitteilung ebenfalls mitwirken.

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