Agroscope: Bundesrat hält an Zentralisierungsplänen fest

Der Bundesrat hat eine Reihe von Vorstössen zu den Zentralisierungsplänen der
landwirtschaftlichen Forschung beantwortet. Die Stossrichtung ist für den Thurgau und die Ostschweiz wenig erfreulich. Der zuständige Nationalratskommission verlangt mit einer Motion, dass die Pläne sistiert werden.

Sebastian Keller
Drucken
Teilen
Der Bund will sich vom Agroscope-Standort Tänikon verabschieden. (Bild: Olaf Kühne)

Der Bund will sich vom Agroscope-Standort Tänikon verabschieden. (Bild: Olaf Kühne)

Der Bundesrat wurde mit Vorstössen aus mehreren Landesteilen eingedeckt, nachdem bekannt wurde, dass die landwirtschaftliche Forschung im Kanton Freiburg zentralisiert werden soll. Von diesen Plänen ist auch der Thurgau betroffen. Er bangt um den Agroscope-Standort in Tänikon. Um Arbeitsplätze. Um den Verlust von Wissen und Nähe. Auch die Swiss Future Farm, die Erforschung der Landwirtschaft der Zukunft, sieht er durch den drohenden Abzug des Bundes in Gefahr.

Die Antwort ist für die Ostschweiz nicht erfreulich

In den vergangenen Tagen hat der Bundesrat nun die Vorstösse abgearbeitet. Die Antworten sind für den Thurgau wenig erbaulich: Der Bund will an seinen Plänen festhalten. Im Sommer will er das weitere Vorgehen beschliessen. Den Schritt begründet er mit Einsparungen in der Höhe von 20 Prozent des Budgets, was rund 40 Millionen Franken entspricht. Sparen will er primär durch die Senkung der Betriebskosten, weshalb er sich von der dezentralen Organisation verabschieden will.

Heute werden 40 Prozent des Agroscope-Budgets für die Betriebskosten aufgewendet. Doch der Bund will nicht nur sparen. Er will die Leistungen in der Forschung und Dienstleistungen so ausrichten, «dass die grösste Wirkung für die Landwirtschaft und Agrarpolitik erzielt werden kann». Das schreibt er in der Antwort auf eine Interpellation der St.Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi.

Zentralisierung im Kanton Freiburg

Sorge um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Gysi sorgt sich um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der Reorganisation betroffen sein werden. Der Bundesrat schreibt in seiner Beantwortung, dass durch die Zentralisierung «voraussichtlich rund 400 bis 500 Mitarbeitende» umziehen oder an den neuen Standort pendeln. Dieser befindet sich im freiburgischen Posieux. Die Thurgauer Ständerätin Brigitte Häberli-Koller (CVP) fragte in diesem Zusammenhang, wie der Know-how-Verlust aufgefangen werden könne. Der Bundesrat kann zwar keine Statistik zücken. Dennoch schreibt er: Die Erfahrung zeige, «dass der überwiegende Teil der Mitarbeitenden auch am neuen Standort weiterarbeitet». Die Gefahr des Know-how-Verlusts sei zudem begrenzt, weil sich das Projekt über mehrere Jahre hinziehe und «jedes Jahr neue kompetente» Forschende ausgebildet würden.

Bund fühlt sich nicht an Vereinbarung gebunden

Ständerätin Brigitte Häberli-Koller fragte den Bundesrat ferner, was die Pläne für die Vereinbarung zwischen Bund und Kanton Thurgau bedeuten. Diese wurde im Sommer 2017 abgeschlossen. Der Thurgau erklärte sich bereit, dem Bund dabei zu helfen, Kosten zu sparen. Im Gegenzug sollten die Arbeitsplätze in Tänikon erhalten bleiben. Dazu schreibt der Bundesrat: «Zur aktuellen Vereinbarung zwischen dem Bund und dem Kanton Thurgau muss präzisiert werden, dass diese solange gilt, als das Budget von Agroscope nicht reduziert werden muss.» Diese Klausel stehe «explizit in der Vereinbarung».

Nationalratskommission doppelt nach

Noch bevor die Vorstösse im Parlament behandelt wurden, hat die zuständige Nationalratskommission am Donnerstag mit einer Motion nachgedoppelt. Darin verlangt sie, die Reorganisation zu sistieren – quasi ein Moratorium. Zuerst soll die Vorausgegangene evaluiert werden. Auch die Vernehmlassung der verschiedenen Anspruchsgruppen soll ausgewertet werden. Solche Vorstösse werden in der Regel rascher behandelt also solche einzelner Parlamentarier.

Schützenhilfe aus St.Gallen

Der Kanton Thurgau erhält im Kampf um den Agroscope-Standort Tänikon Unterstützung vom Nachbarn. In einer Mitteilung hält die St.Galler Regierung fest, dass dieser landwirtschaftliche Forschungsstandort für die ganze Ostschweiz von grosser Bedeutung sei. Sie werde sich im Rahmen der Ostschweizer Regierungskonferenz für die Erhaltung einbringen. Eine Schliessung der Forschungsanstalt Tänikon hätte für die landwirtschaftliche Beratung und Ausbildung im Kanton St.Gallen nicht zu unterschätzende mittelbare Auswirkungen, schreibt die Regierung weiter. Gerade im Bereich Smartfarming wäre mit beträchtlichen Konsequenzen zu rechnen, da sowohl die Beratung als auch die Bildung auf Inputs der Forschungsergebnisse aus den Ostschweizer Standorten von Agroscope angewiesen sind. (seb.)

Aktuelle Nachrichten