Agrarinitiativen
«Der Kanton Thurgau ist besonders betroffen»: Umweltverbände und Parteien kämpfen für «2xJa» bei den Agrarinitiativen

Vier Verbände und vier Parteien bilden ein Thurgauer Komitee für die Annahme der Agrarinitiativen am 13. Juni. Die beiden Agrarinitiativen hätten gemeinsame Ziele mit unterschiedlicher Herangehensweise: die Umwelt zu schonen, die Insekten- und Artenvielfalt allgemein zu fördern und die Produktion von gesunden Lebensmitteln heute und in Zukunft sicherzustellen.

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Bienenkästen zwischen zwei Kirschbäumen vor einem Rapsfeld: So wünschen sich viele Konsumenten ihre Landwirtschaft.

Bienenkästen zwischen zwei Kirschbäumen vor einem Rapsfeld: So wünschen sich viele Konsumenten ihre Landwirtschaft.

Bild: Bruno Kissling

(red) Eine breite Trägerschaft mit Umweltverbänden und Parteien lanciert im Kanton Thurgau eine «2xJa»-Kampagne zu den Initiativen für sauberes Trinkwasser und für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide. In den Augen dieser «2xJa»-Trägerschaft zeigen die Initiativen mögliche Wege auf, wie den grossen Herausforderungen der heutigen Landwirtschaft begegnet werden kann. Sie böten die nötigen Übergangsfristen und die Planungssicherheit, um eine soziale und naturnahe Schweizer Landwirtschaft zu gestalten, von der alle profitierten, nicht nur das Agrobusiness, heisst es in einer Medienmitteilung. Am 13. Juni habe die Schweizer Stimmbevölkerung die Chance, die Weichen zu stellen.

Die Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide und die Trinkwasserinitiative hätten gemeinsame Ziele mit unterschiedlicher Herangehensweise: die Umwelt zu schonen, die Insekten- und Artenvielfalt allgemein zu fördern und die Produktion von gesunden Lebensmitteln heute und in Zukunft sicherzustellen. «Beide Initiativen wollen eine Landwirtschaft, welche die Anliegen der Umwelt und der Biodiversität berücksichtigt und zur Gesundheit von Bäuerinnen und Bauern sowie Konsumentinnen und Konsumenten Sorge trägt», heisst es weiter.

Pestizide auf Feldern und in Gewässern verhindern

Laut dem Thurgauer Komitee gelangen pro Jahr 2000 Tonnen Pestizide auf Äcker und Dauerkulturen wie Beeren-, Obstbau Rebbaukulturen. Das entspreche sieben Kilo pro Hektare. «Damit wird in der Schweiz mehr als doppelt so viel Pestizide verwendet wie in Deutschland und dreimal so viel wie in Österreich.» Mit verheerenden Folgen für die Biodiversität: Mit dem Insektensterben fehlten wichtige Bestäuber und die Nahrungsgrundlage für Vögel.

Rund 100 Pestizide würden in unseren Gewässern nachgewiesen – oft mit Grenzwertüberschreitungen. Zudem wisse man noch wenig über die Wirkung des «Cocktails» der verschiedenen Stoffe.

«Klar ist aber, dass viele Kleinlebewesen die chronische Toxizität der Bäche nicht überleben: Deshalb verhungern Fische.»

Auch im Grundwasser – der Trinkwasserreserve schlechthin – seien im Thurgau 19 Pestizide festgestellt worden, was langfristig die Wasserversorgung bedrohe.

Weiter wird argumentiert, Pestizide könnten in den Hormonhaushalt eingreifen, andere stünden im Verdacht, krebsfördernd zu sein. Und sie könnten das Immunsystem schwächen. Bei weit mehr als der Hälfte des angebotenen Gemüses liessen sich Pestizidrückstände nachweisen – ebenso in Urinproben.

Zielsetzung: Pestizidfreie Landwirtschaft

7450 Biobetriebe in der Schweiz, 800 allein in der Ostschweiz, beweisen nach Ansicht des Komitees Tag für Tag, dass es auch anders gehe. Aber auch der technische Fortschritt ermögliche eine Abkehr von der Pestizidlandwirtschaft: mechanische, computergestützte Unkrautbekämpfung, die Nutzung resistenter Sorten, der Einsatz von Nützlingen, natürliche Hilfsmittel und Anbaumethoden. Nach Annahme der Initiativen habe die Landwirtschaft zehn Jahre (Pestizidinitiative) beziehungsweise acht Jahre (Trinkwasserinitiative) Zeit für diese Umstellung. Das schaffe Planungssicherheit und ermögliche mit den jeweils langen Übergangsfristen einen sozialverträglichen Wandel, «der alle mitnimmt» und genügend Zeit lasse, sich an die neuen Umstände anzupassen.

«Beide Initiativen haben das Ziel einer pestizidfreien Landwirtschaft.»

In den Augen des Komitees ist der Thurgau mit der intensiven Landwirtschaft besonders betroffen vom Biodiversitätsverlust. Untersuchungen zeigten, dass die Chlorothalonil-Werte in etwa 25 Prozent der Trinkwasserproben über dem gesetzlichen Grenzwert lägen, und in drei Viertel aller Trinkwasserproben finde man Pestizide. Einige Gemeinden müssten ihr Trinkwasser verdünnen, um die Grenzwerte einzuhalten.

Träger der «2xJa»-Kampagne im Thurgau sind der WWF, Pro Natura, Birdlife und der Fischereiverband. Seitens der Parteien tragen die Grünen, die SP, die GLP und die Jungen Grünen die Kampagne mit. Das Komitee wird vom grünen Nationalrat Kurt Egger angeführt.