Glosse

Aggressives Hinterthurgauer Standortmarketing

Südsicht auf Einwohnerzahlen, Fitnessparks und Einbürgerungsverfahren.

Roman Scherrer
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Neidvoll blicken die Sirnacher über die A1 auf die Nachbargemeinde: den Bezirkshauptort Münchwilen.

Neidvoll blicken die Sirnacher über die A1 auf die Nachbargemeinde: den Bezirkshauptort Münchwilen.

(Bild: Olaf Kühne)

Bezirkshauptort. Die Bezeichnung sorgt in Sirnach schon lange Zeit für Nasenrümpfen. Denn sie adelt nicht die eigene Gemeinde, sondern die Nachbarin ennet der A1. Dabei zählt Münchwilen doch klar weniger Einwohner, gopferteli! Drum schrieb der Sirnacher Gemeinderat Anfang dieses Jahrtausends ein Leitbild, rührte mit der grossen Kelle an und bezeichnete die eigene Kommune fortan als «Zentrum im südlichen Thurgau».

Roman Scherrer

Roman Scherrer

Auf den Slogan war man wohl stolz. So sehr, dass man die letzte Bezirksrevision grosszügig ausklammert, Aadorf nicht beachtet und sich auf der Gemeindewebsite weiterhin «grösste Gemeinde im Bezirk Münchwilen» nennt. Von diesem aggressiven Standortmarketing liess sich nun offenbar die Kantonalbank blenden. Sie schenkt Sirnach einen Fitnesspark.

Ob dieser Nachricht rümpfen sich nun in Münchwilen die Nasen, könnte man meinen. Schliesslich musste dort ein Verein Geld sammeln, um einen Spielplatz zu bauen, gopferteli! Aber die Münchwiler nehmen’s gelassen. In ihrer Gemeinde gibt’s nämlich einen Gladiator-Park, das ist viel cooler als ein TKB-Fitnesspark.

Und sie haben ihr eigenes, ausgeklügeltes Standortmarketing: In Münchwilen werden Einbürgerungswillige nicht mehr vor der Gemeindeversammlung blossgestellt; der Gemeinderat entscheidet, wem das Bürgerrecht erteilt wird. Damit wollen sie doch sicher die Ausländer aus Sirnach locken. In Scharen werden diese das nach Münchwilen zügeln. Und bald einmal kann Sirnach den Münchwilern die Bezeichnung Bezirkshauptort nicht mal mehr mit dem Einwohner-Argument streitig machen. Gopferteli!